Dämpfer für CDU und WBG in Werdohl

Im Jugendhilfeausschuss wurde am Dienstagabend eine Entscheidung getroffen, die noch nicht endgültig ist.

WERDOHL ▪ Die Pläne der beiden Ratsfraktionen von CDU und WBG, im Rahmen der angestrebten Neuordnung der Schullandschaft (evangelische Grundschule zurück in die Stadtmitte) den städtischen Kindergarten „Wunderkiste“ in ein noch zu schaffendes Familien- und Bildungszentrum in Ütterlingsen zu integrieren, haben einen – vorläufigen – Dämpfer erhalten.

Der Jugendhilfeausschuss hat sich in seiner Sitzung am Dienstagabend im Schulungsraum der Feuerwehr in Kleinhammer mit 6:3 Stimmen gegen eine Verlagerung der Kindertagesstätte in das Schulgebäude an der Danziger Straße ausgesprochen und eine entsprechende Empfehlung an den Hauptausschuss gegeben. Dort allerdings wird das Gezerre – auch mit anderen Mehrheitsverhältnissen – seine Fortsetzung finden, bevor letztlich der Rat abschließend entscheidet.

Der vorangegangene Versuch von CDU und WBG, eine Vertagung der Beratungen in Sachen „Wunderkiste“ zu erreichen, weil beide Fraktionen nach den von Bürgermeister Siegfried Griebsch genannten Fakten und vor allem der zu erwartenden Kosten für einen nutzungsgerechten Umbau noch erheblichen Beratungsbedarf sehen, war ebenfalls mit einem Stimmenverhältnis von 6:3 gescheitert.

Mehr als eine Stunde vor der Ablehnung der CDU/WBG-Pläne hatte Bürgermeister Siegfried Griebsch einen Aspekt beleuchtet, der im Jugendhilfeausschuss deutlich Eindruck hinterlassen hatte. Abgesehen vom Willen der Kita-Eltern und dem Plädoyer der Kita-Leiterin Koch, die keine Notwendigkeit für eine Verlegung ihrer Einrichtung an die Danziger Straße sieht, müsse auch die Kostenseite betrachtet werden, so Griebsch.

Zwar war man von der Annahme ausgegangen, dass eine solche Verlagerung mindestens 400 000 Euro koste, doch inzwischen stehen 728 000 Euro plus 20 Prozent Baunebenkosten im Raum. Das seien Zahlen, die nachweisbar, seriös und keineswegs utopisch seien, wie Beispiele aus Nachbarstädten zeigen, so Griebsch. Nicht nur an den Umlagen, auch innen (Sanitärbereich) gebe es viel zu tun.

Die genannte Summe stelle eine Hausnummer dar, die in der aktuellen Haushaltssituation der Stadt Werdohl nicht gestemmt werden könne – und auch nicht dürfe (der Etat 2010, so die Mitteilung der Aufsichtsbehörde, wurde nicht genehmigt). Die Stadt befinde sich im Nothaushalt; einige Ausgaben würden zwar noch geduldet, aber schon 2011 werde Werdohl sich in einem Nothaushalt mit Blick auf Überschuldung befinden. Die Situation werde sich mithin verschärfen, so dass solche Pläne, wie sie jetzt zur Beratung anstünden, finanziell nicht darstellbar seien.

Ergänzend zu den Ausführungen des Bürgermeisters hatte Peter Erwig (Abteilung Bauen in der Stadtverwaltung) per Beamer zusätzliche Informationen für den Ausschuss bereit. Danach wäre durchaus noch mit höheren Kosten zu rechnen.

Geschockt von solchen Neuigkeiten zeigten sich die Sprecher von CDU und WBG, Frank Jardzejewski und Willibald Mertens. Sie meldeten Beratungsbedarf an. Für den SPD-Ratsherrn Rolf Neuhäuser war die jetzige Entwicklung ein kinder- und jugendpolitischer Supergau für die CDU und WBG.

Rainer Kanbach

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