Bei der Ernte das Wetter stets im Blick

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Christian Crone ist Stunde um Stunde unterwegs, um die Ernte einzufahren. ▪

WERDOHL ▪ Die Idylle ist in drei Farben getüncht. Blau, Grün und ein blasses Gelb flirren in der Nachmittagshitze, in der ansonsten nur das Zirpen der Grillen zu hören ist. Solange, bis Geräusche von außen in die landschaftliche Kulisse eindringen. Das Rattern wird lauter und schon bald wird auch sichtbar, dass die Wiesen und Felder auf dem Dösseln in diesen Tagen weit mehr liefern, als ein optisch reizvolles Bild. Für Christian Crone bedeuten sie vor allem Arbeit. Mit seinem Mähdrescher ist er hier auf dem Feld Stunde um Stunde unterwegs. Hochsommer bedeutet Hochkonjunktur für die Ernte.

Die Getreideernte ist auf dem Hof Crone derzeit in vollem Gang. Christian Crones wichtigster Garant für eine gute Ernte: Das Wetter. „Wenn das noch zwei Wochen so bleiben würde, wäre das für unser Getreide grandios“, hofft der 41-Jährige, dass die Gutwetterperiode anhält.

Noch ist Christian Crone mit der Ernte des Wintergetreides beschäftigt. Auf einer Fläche von acht Hektar wurde das Futtergetreide im vergangenen Herbst ausgesät. Die Getreidesorte namens Highlight benötigt den Klimareiz des Winters, um zu gedeihen. Allerdings: Zu viel Frost ist schädlich. Auch wenn der letzte Winter vergleichsweise mild war, hat er Spuren hinterlassen. „Drei Hektar Wintergerste und zwei Hektar Winterweizen mussten wir umbrechen“, berichtet Christian Crone. Anfang des Jahres sei es sehr kalt gewesen. Schnee, der sonst für eine Isolationsschicht gesorgt hätte, fiel nicht und ein Teil der Saat verfror. Die zerstörte Wintergerste wurde durch Sommergetreide ersetzt. Die Saat wird im Frühjahr ausgebracht, und auch hier gibt das Wetter den Zeitplan vor. Sobald es draußen beständig ist, kann gesät werden. Der März sei eigentlich die beste Aussaatzeit, meint Christian Crone.

Zwei Wochen wird die Reifephase seines Sommergetreides noch andauern, dann hofft der Werdohler Landwirt, auf seinen Feldern mit einer Gesamtfläche von zehn Hektar eine gute Ernte einfahren zu können.

Schlechtes Wetter wirkt sich dagegen negativ auf die Qualität des Getreides aus. In der Hellweg-Region sei die Gerste zwei Wochen früher gereift. Während der Haupternte seien die Berufskollegen dann von der Schlechtwetterphase betroffen gewesen, was auf ihren Feldern zu vielen gebrochenen Ähren führte. „Die kann dann kein Mähdrescher mehr packen“, weiß Christian Crone.

Er selbst kann allerdings bis jetzt zufrieden sein mit seinem Korn.

Erste Hinweise auf die Qualität geben bereits die Messungen der Restfeuchtigkeit. Bis zu 15 Prozent Restfeuchtigkeit sollte das geerntete Korn besitzen, um in den Silos optimal gelagert werden zu können, berichtet der Fachmann. 13,7 Prozent ergab eine Messung Crones. „Das ist super“, ist er vollends zufrieden. Crones Futtergetreide wird an die RHL (Raiffeisen-Hellweg-Lippe) Genossenschaft in Werl geliefert. Und auch hier wird jede Lieferung auf ihre sogenannte Korndichte überprüft, ehe die Vermahlung zu Schweine- oder Milchviehfutter erfolgt.

In den nächsten Tagen werden die Crones noch voll und ganz mit der Ernte beschäftigt sein. Vater und Sohn arbeiten dabei quasi Hand in Hand. Während Christian Crone den tonnenschweren Mähdrescher in Schwung setzt, übernimmt sein Vater Friedrich-Wilhelm die Abfahrt des Korns zum Hof.

Der Mähdrescher ähnelt dabei einer mobilen Mühle. Nachdem das Schneidwerk die Halme geschnitten hat und diese dann im Trommel- und Dreschkorb die reifen Körner aus den Ähren gerieben und in den Korntank befördert haben, werden in einem zweiten Schritt die restlichen Körner aus den Ähren geschüttelt. Auf dem Hof wird die Ernte zur Ablieferung vorbereitet. Bei der Gerste fallen auf einem Hektar Fläche zwischen 55 und 60 Doppelzentner Korn an – reichlich Arbeit also, bis schließlich zuletzt auch das Stroh auf dem Feld geborgen und zu Rundballen verarbeitet werden kann. An einen frühen Feierabend ist in den nächsten Tagen daher nicht zu denken. Das Ende eines Arbeitstages bestimmt auch hier die Natur: Feierabend ist, sobald die Feuchtigkeit beginnt, sich auszubreiten. „Bis halb zehn“, schätzt Christian Crone, „werden wir einfahren können.“ Dabei habe es in den Vorjahren auch schon Nächte mit wenig Tau, dafür aber mit warmen Wind gegeben, in denen der Landwirt bis nachts dreschen konnte. Das Wetter hat Christian Crone bei all seinen Arbeiten auf dem Hof im Blick. Für ihn macht es einen Reiz seiner Arbeit aus. Und gerade bei der Kornernte gilt: Gute Qualität schlägt sich auch im Preis nieder. - Simone Benninghaus

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