Doppelter Personaleinsatz erforderlich

Freibad wird für Saison vorbereitet: Zeitfenster für Eröffnung steht

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Noch ist kein Wasser im Becken: Im Freibad in Ütterlingsen laufen die Reinigungsarbeiten, damit die Saison – nach jetzigen Stand – Anfang Juni doch noch beginnen kann.

Werdohl/Neuenrade – Bäderbetriebs-Chef Frank Schlutow raucht der Kopf: „Am Samstagnachmittag habe ich die E-Mail mit den Vorgaben der Landesregierung erhalten. Seither überlege ich, wie wir das alles umsetzen und unser Freibad in Ütterlingsen öffnen können.“

Bis vor etwa vier Wochen hatte Schlutow mit einem coronabedingten Komplettausfall der Freibadsaison gerechnet. „Und noch vor einer Woche hörte man von der Bezirksregierung, dass es kein Regelwerk geben wird.“ 

Dass es jetzt doch Vorgaben zur Aufnahme des Badebetriebs gibt und das Bäder theoretisch ab dem 20. Mai wieder öffnen dürfte, begrüßt der Bäderchef – doch die Umsetzung stellt ihn und seine Mitarbeiter vor große Herausforderungen: „So kurzfristig bekommen wir das nicht hin.“ 

Coronavirus in Werdohl: Zehn Quadratmeter Fläche pro Gast

Denn Hochsommertage, an denen sich weit mehr als 1000 Gäste im Ütterlingser Bad tummeln, wird es in diesem Jahr nicht geben. So müssten für jeden Gast zehn Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen. Wie viele das sind, hat der Bäderbetriebs-Chef noch nicht genau ausgerechnet – vielleicht etwa 300 Menschen. Dagegen stehe aber fest: „Wir werden doppelt so viel Personal einsetzen müssen wie üblich.“ Denn nicht nur die Zahl der Badegäste ist begrenzt. Jeder Freibadbesucher muss vor dem Eintritt seine Personalien angeben. Auch dafür sucht Schlutow nach einer Lösung, denn lange Warteschlangen vor dem Eingang seien natürlich keineswegs sinnvoll. Dass Badegäste nach längerer Wartezeit womöglich nicht mehr hereingelassen werden könnten, weil das Bad nach den Corona-Regeln voll ist, solle nach Möglichkeit vermieden werden. 

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Doch nicht nur in diesem Bereich ist Kreativität gefragt. „Für uns ist es wichtig, möglichst vielen Menschen einen Freibadbesuch zu ermöglichen“, denkt Frank Schlutow auch über eine Art „Schichtbadebetrieb“ nach. Voraussichtlich Anfang Juni soll das Ütterlingser Freibad öffnen. „Vor Pfingsten schaffen wir es wahrscheinlich leider nicht mehr, der organisatorische Aufwand ist enorm“, bedauert Schlutow. Trotzdem freut er sich, den Werdohlern überhaupt einen Freibadbesuch in Aussicht stellen zu können: „Es ist gerade auch wegen der Reiseeinschränkungen wichtig, für die Menschen hier vor Ort ein Angebot vorhalten zu können. Deshalb wollen und werden wir auf jeden Fall öffnen.“ 

Coronavirus in Neuenrade: Öffnet das Bad überhaupt?

Dagegen ist noch völlig offen, ob sich auch die Neuenrader in ihrem Freibad austoben können. „Es wird schwierig“, erklärt Gerhard Schumacher, kaufmännischer Vorstand der Stadtwerke Neuenrade und Stadtkämmerer. Ebenso wie in Werdohl muss zunächst ein Konzept erarbeitet und vom Gesundheitsamt genehmigt werden. „Aber es gibt viele Knackpunkte“, stellt Schumacher fest. So gibt es im Freibad Friedrichstal beispielsweise nur einen Kassenautomaten. „Wir müssten dieses System umstellen, um die Badegäste erfassen und deren Personalien aufnehmen zu können.“ Im Gegenzug müssten aber auch die Besucher gezählt werden, die das Bad verlassen. In jedem Fall wäre der personelle Aufwand „enorm“, stellt Gerhard Schumacher fest – und verweist auf die ohnehin angespannte Personalsituation bei der Stadt Neuenrade. 

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Aktuell werde das Becken noch befüllt. „Das wird etwa bis zum Ende dieser Woche dauern.“ Anschließend müsse das Wasser noch die Badetemperatur erreichen. „Das geht natürlich schneller, wenn es nachts nicht mehr so kalt wird.“ Doch selbst, wenn das Wetter mitspielt – Schumacher möchte und kann augenblicklich keine Öffnungs-Prognose abgeben.

Laut den „Hygiene- und Infektionsschutzstandards“ des NRW-Gesundheitsministeriums müssen Freibadbetreiber den Zutritt so regeln, „dass nicht mehr Kunden in das Freibad gelangen als Plätze und Anlagen unter Wahrung der allgemeinen Abstandsregeln nutzbar sind“. Als Maßstab wird ein Besucher pro zehn Quadratmeter genannt. In geschlossenen Räumen gilt die Maskenpflicht. Weiter heißt es: „Gäste müssen sich nach Betreten des Freibads die Hände waschen oder desinfizieren“, Einzelumkleiden sind bevorzugt zu nutzen. Die Nutzung von Sammelumkleiden ist unter Wahrung des Mindestabstands von 1,5 Meter zulässig, „die Nutzung von Duschen ist unter Einhaltung des Mindestabstands möglich“. Der Mindestabstand gilt auch im Becken, allerdings nicht für Personen, die in einem Haushalt leben oder für die befreundete Familie. Der klassische Freibad-Kiosk darf öffnen. Wer kommt und geht, soll mit Uhrzeit registriert werden. Namen und Kontaktdaten müssen für vier Wochen aufbewahrt und dann vernichtet werden.

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