Ständige Kontrollen

Coronavirus: Wirt vermisst Fingerspitzengefühl

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Die Landtagsabgeordnete und Landratskandidatin Angela Freimuth (FDP) diskutierte mit Sebastian Rittner (ADFC MK, links) und Wirt Dimitrios Pantelidis (Mitte) über den Lenneradweg und über Corona-Auflagen für Gastwirte.

Werdohl – Eine Karikatur macht in diesen Tagen die Runde: Eine Frau möchte im Restaurant für ein Essen einige Tage im Voraus einen Tisch reservieren. Der Kellner sagt zu – mit einer Einschränkung: Sie solle doch bitte kurz vorher noch einmal nachfragen, ob es das Restaurant tatsächlich noch gibt.

Die komisch überzeichnete Darstellung der Situation, der sich die Gastronomie in der Corona-Pandemie ausgesetzt sieht, hat einen durchaus ernsten Hintergrund, den die Werdohler FDP jetzt mit betroffenen Wirten besprechen wollte: Wie sichern die Gastronomen das Überleben ihrer Betriebe? 

Bei dem Treffen der Liberalen im Biergarten eines Werdohler Lokals berichtete jedoch nur der Inhaber selbst von seinen Erlebnissen. „Es ist zurzeit alles schwierig für uns. Vor allem ist es schwer, alles unter Kontrolle zu haben“, klagte Dimitrios Pantelidis, der mit seinem Bruder Theofilis in der Innenstadt zwei Lokale betreibt, über die Probleme, selbst mit gutem Willen die Regeln einzuhalten, die die Coronaschutzverordnung den Gastronomen vorgibt. 

Coronavirus in Werdohl: Bußgeld angedroht

Zwei Mal schon habe ihm das Ordnungsamt der Stadt Werdohl ein Bußgeld von 2000 Euro angedroht – weil eine Besucherliste nicht ganz genau nach Vorschrift ausgefüllt worden sei und weil seine Kellnerinnen im Außenbereich für einen Moment den Mund-Nasen-Schutz heruntergenommen hätten. Der Gastwirt vermisst bei den Mitarbeitern des Ordnungsamtes Fingerspitzengefühl. „Das Virus ist gefährlich und wir versuchen ja, die Auflagen einzuhalten“, versichert er, an einer Kooperation mit dem Ordnungsamt interessiert zu sein, gibt aber auch zu bedenken: „Wenn viele Gäste da sind, ist das aber schwierig.“ Dann würden auch schon einmal Tische zusammengeschoben, ehe das Bedienungspersonal eingreifen könne. 

Offensichtlich sind die Lokale von Dimitrios und Theofilis Pantelidis nicht die einzigen, die vom Außendienst des Ordnungsamtes überprüft worden sind. „Wir kontrollieren ständig, an unterschiedlichen Tagen und zu unterschiedlichen Zeiten“, sagte Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel auf Nachfrage. Lange hätten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes die Gastwirte bei Verstößen gegen die Coronaschutzverordnung lediglich darauf hingewiesen, dass die Auflagen einzuhalten seien. Seit etwa vier Wochen würden aber auch Bußgelder angedroht. Die betroffenen Gastronomen würden dann angehört, ehe gegebenenfalls ein Bußgeld verhängt werde, dessen Höhe auch je nach Verstoß unterschiedlich ausfallen könne. Der vom Land genannte Regelsatz betrage 2000 Euro. Bis jetzt habe die Stadt Werdohl aber noch kein Bußgeld gegen Gastronomen verhängt, die sich nicht an die Corona-Auflagen gehalten haben, sagte Mentzel. Allerdings liefen derzeit mehrere Anhörungsverfahren. 

Politikerin zeigt Verständnis

Angela Freimuth, Landtagsabgeordnete der FDP und bei den bevorstehenden Kommunalwahlen auch Landratskandidatin der Liberalen, zeigte Verständnis für die Ordnungsämter in den Kommunen, die die Einhaltung der Coronaschutzverordnung schließlich zu überwachen hätten. Beim Treffen mit der Werdohler FDP suchte die Juristin deshalb eher nach einer pragmatischen Lösung für die Wirte. Mit Hinweisschildern auf den Tischen könnten die sowohl ihren Gästen als auch den Ordnungsbehörden signalisieren, dass sie sich ernsthaft um die Einhaltung der Vorschriften bemühen. Dennoch plädierte sie dafür, den Bogen bei einer notwendigen Verhängung von Bußgeldern nicht zu überspannen: „Die Stadt hat doch sicherlich auch kein Interesse daran den Gewerbetreibenden den Garaus zu machen.“ Was die Einschränkungen an sich angeht, prognostizierte Freimuth, die im NRW-Landtag FDP-Sprecherin für Wissenschaft und Forschung ist: „Die Auflagen im Hinblick auf die Nachverfolgung von Infektionsketten werden noch sehr lange bleiben.“ 

Vor dem Termin im Biergarten hatte sich Angela Freimuth noch zusammen mit Werdohler und Plettenberger FDP-Politikern sowie mit Sebastian Rittner vom Allgemeinen Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) im Märkischen Kreis, in Teindeln die Möglichkeiten für einen Lückenschluss des Lenneradwegs angeschaut. Der scheitert bislang, weil sich der Landesbetrieb Straßen.NRW und die Obere Wasserbehörde nicht auf eine Variante einigen können. 

Diskussion um Radweg an der B236

Straßen.NRW will auf dem Niveau der B236 bauen, die Obere Wasserbehörde sieht den Radweg ein paar Meter tiefer in der Böschung besser aufgehoben, wo aber wiederum Straßen.NRW regelmäßige Überschwemmungen fürchtet. Diese Sorge teile der ADFC nicht, sagte dessen Sprecher Sebastian Rittner. „Die Höhe des Radweges im Hang ist doch variabel“, sah er einen Kompromissansatz. Damit könne auch die Häufigkeit von Überschwemmungen des Radweges gesteuert werden. 

„Egal wie – entscheidend ist, dass etwas passiert, vor allem schnell“, fand Freimuth, dass es an der Zeit für eine Einigung sei. Um zu verstehen, wo genau das Problem liegt, wolle sie mit Vertretern des Landesbetriebs reden.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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