Stadtwerke berichten

So wirkt sich die Coronakrise auf den Wasserverbrauch aus

Das eigene Wasser ist qualitativ hochwertig, Versorgungsengpässe sind nicht in Sicht. So teilen es die heimischen Versorger mit.

Werdohl – Homeoffice, Kurzarbeit und Kontaktverbot: In Folge des Coronavirus verbringen täglich mehr Menschen längere Zeit in den eigenen vier Wänden.

Regelmäßig sollen die Hände gewaschen werden, um das Risiko einer Übertragung des Virus, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst, zu reduzieren. Wirkt sich diese Empfehlung vieler Gesundheitsexperten auf den Frischwasserverbrauch aus? 

Frank Schlutow, Geschäftsführer der Stadtwerke Werdohl, kann bislang nicht feststellen, dass der Frischwasserverbrauch insgesamt gestiegen ist. Im Gegenteil sogar: „Im Vergleich zum Vorjahr ist der Verbrauch tendenziell eher gesunken“, sagt der Diplomingenieur. Er vermutet, dass sich die Wasserabnahme aktuell von den Industriegebieten in die Wohngebiete verlagert, sie dabei aber insgesamt relativ konstant bleibt. 

Coronavirus in Werdohl: Duschen im Hallenbad laufen auch ohne Gäste

Im neuen Werdohler Hallenbad in Ütterlingsen, das jetzt geschlossen bleiben muss, werden regelmäßig die Warmwasserleitungen gespült, um die Bildung von Legionellen zu verhindern. Hierfür gehen unter anderem alle ein bis zwei Tage die Duschen an. „Pro Dusche sind das circa zehn Liter Wasser“, gibt Schlutow an. Wo es möglich ist, werden die Betriebstemperaturen zudem heruntergeregelt, sodass das Wasser gar nicht erst erhitzt wird und die Systeme dementsprechend nicht zwangsläufig gespült werden müssen. 

Einen Versorgungsengpass beim Trinkwasser erwartet Schlutow keineswegs. Selbst im vermeintlich trockenen Sommer des vergangenen Jahres, „in dem mehr Wasser verbraucht wurde, haben wir das in den Wasserversorgungsnetzen nicht gemerkt“. Etwa 3000 Kubikmeter Trinkwasser verteilen die Stadtwerke in Werdohl täglich. 

Ruhrverband kümmert sich um die Aufbereitung

Um die Abwasseraufbereitung kümmert sich indes der Ruhrverband, der insgesamt rund 100 Kläranlagen in seinem Zuständigkeitsbereich betreibt – unter anderem in Werdohl an der Bundesstraße 236 in Ütterlingsen und in Altena am Stadtrand in Richtung Nachrodt-Wiblingwerde. Ruhrverbandssprecher Markus Rüdel teilt mit, dass man beim Aufkommen von Abwasser aktuell keine größeren Anstiege feststellen könne. Allerdings sei allgemein schwierig nachzuhalten, ob es sich um verbrauchtes Frischwasser oder um Regenwasser handelt, das in die Kläranlagen fließt. 

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Ein Thema bei der Wasseraufbereitung, das momentan wieder zunehmend Bedeutung bekommt, ist das (fehlende) Toilettenpapier. Weil „Hamsterkäufer“ die Bestände in Supermärkten jetzt regelmäßig leerkaufen, befürchtete der Ruhrverband zuletzt, dass die Menschen vermehrt auf Feuchttücher ausweichen. 

Feuchttücher als Problem

Feuchttücher zersetzen sich aber in der Kanalisation schlechter. Im Gegensatz zu Toilettenpapier oder Haushaltsrolle beinhalten sie Textilfasern, die sich „verknoten und reißfeste Verzopfungen bilden können“, wie Rüdel erklärt. Verstopfungen der Pumpen in den Kläranlagen seien die Folge. „Unsere Anlagen laufen stabil“, betont Rüdel aber, dass sich diese Befürchtungen bislang nicht bewahrheitet haben. 

Für die 13 öffentlichen Pumpanlagen im Stadtgebiet gilt das nicht. Stadtmitarbeiter mussten zuletzt in immer kürzeren Abständen ausrücken, um verstopfte Pumpen zu reinigen. "Die Pumpe in Ütterlingsen ist zuletzt an drei Tagen hintereinander ausgefallen und musste jeweils mühevoll aus dem Pumpenschacht gezogen und aufwendig gereinigt werden“, hatte Thomas Schmidt vom Sondervermögen Abwasser der Stadt bereits Ende vergangener Woche erklärt und die Werdohler deshalb gebeten, Hygieneartikel nicht mehr über die Toilette zu entsorgen.

Einer der größeren Wasserlieferanten im Märkischen Kreis ist die Enervie, die Lüdenscheid, Schalksmühle, Herscheid und Teile von Plettenberg mit Frischwasser beliefert. Auch hier berichtet Andreas Köster von keinen Auffälligkeiten in Sachen Verbrauch. Zudem gibt der Pressesprecher Entwarnung: „Niemand muss sich Sorgen machen um das Trinkwasser! Wir filtern alles Mögliche aus dem Wasser, auch Viren. Das Trinkwasser ist qualitativ hochwertig, und wir können zuverlässig liefern.“ Einzig wenn Wasser über einen längeren Zeitraum in Haus oder Wohnung in der Leitung gestanden habe, sollte es vor dem Gebrauch so lange abfließen, bis frisches, kaltes Wasser nachströmt und die Zirkulation wieder stimmt. „Es gibt keinen Grund, sich mit Sprudelkästen einzudecken“, sagt Köster mit Blick auf „Hamsterkäufe“. Das Wasser aus dem eigenen Hahn sei hochwertig und günstig noch dazu. Neben Wasser versorgt die Enervie viele Märker auch mit Strom, bietet diesen unter anderem auch in Werdohl an. Auch hier gebe es beim Verbrauch aktuell keine besonderen Ausschläge der Verbrauchskurve nach oben oder unten. Selbst wenn der Verbrauch in Privathaushalten zugenommen hat, gleicht sich das mit dem geringeren Verbrauch der Industrie wieder aus“, sagt Andreas Köster abschließend.

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