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Corona-Hilfsangebote in der Region: So ist die Nachfrage

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Einkaufshilfen für Senioren und andere Menschen, die sich wegen der Corona-Gefahr nichts mehr aus dem Haus wagten, haben verschiedene Hilfsdienste in den vergangenen Wochen angeboten. Jetzt haben sie eine erste Bilanz gezogen.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Vor gut acht Wochen, zu Beginn der Corona-Krise, haben kirchliche und kirchennahe Organisationen, aber auch kommunale Einrichtungen und Privatpersonen beinahe täglich neue Angebote aus dem Boden gestampft.

Sie alle wollten insbesondere den Menschen helfen, die als Angehörige der Corona-Risikogruppe gewisse Dinge nicht mehr selbst erledigen konnten oder wollten. Inzwischen ist es ruhiger geworden um diese Hilfsangebote. 

Offiziell bieten sie alle ihre Dienste noch immer an, die Gruppen und Einzelpersonen, deren Kontaktdaten täglich in dieser Zeitung zu finden sind. Aber sie haben ihre Erwartungen, was die Notwendigkeit ihrer Dienste angeht, mittlerweile deutlich zurückgeschraubt. Die Nachfrage sei „sehr mau“ gewesen, berichtet zum Beispiel Daniel Intile, Leiter der Abteilung für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten des Caritasverbands Altena-Lüdenscheid, auf Nachfrage. Der Verband hatte Einkaufshilfe für den gesamten südlichen Märkischen Kreis angeboten, also auch für Werdohl und Neuenrade. Doch dort wie auch in Altena und Plettenberg war niemand, der das Angebot in Anspruch nehmen wollte. „Zwei Einkäufe pro Woche in Lüdenscheid, dann noch einer in Meinerzhagen – das wars auch schon“, beschreibt Intile, wie überschaubar der Arbeitsaufwand für die Helfer war. In Werdohl, vermutet er, habe es ja auch andere Anbieter solcher Hilfen gegeben. 

Coronavirus in Werdohl: Viele Helfer noch gar nicht im Einsatz

Angebote zur Einkaufshilfe gab es an Lenne und Verse durchaus, aber sie hatten unterschiedlich viel zu tun. Während Andreas und Niklas Späinghaus mit der Resonanz durchaus zufrieden sind und von „anfangs 15 bis 20 Kunden“, sprechen, die sie regelmäßig versorgt hätten, gibt Ingo Jöres vom CVJM zu, mit einem größeren Bedarf gerechnet zu haben. „Etwa fünf Kunden habe der CVJM in Werdohl“, peilt Jöres über den Daumen. Viele der zwölf Helfer seien deshalb überhaupt noch nicht im Einsatz gewesen, um ältere oder kranke Werdohler zu beliefern. Jöres kann sich vorstellen, dass die Nachfrage steigt, wenn am Wochenende der Rewe-Markt im WK geschlossen hat. Die Lebensmittelabteilung des Warenhauses bot schon seit eh und je einen Lieferdienst an, der mit der Schließung natürlich wegfallen wird. Gut möglich, glaubt Jöres, dass sich dann einige auf das Angebot des CVJM besinnen. Doch egal, wie es auch kommt: „Wir sind da, so lange es Corona gibt“, verspricht Jöres. 

Während die Corona-Hilfsangebote in Werdohl also zumindest vereinzelt in Anspruch genommen wurden und werden, sieht das in den eher dörflichen Bereichen von Neuenrade und Balve anders aus. „Die Resonanz war gleich null“, berichtet Christian Stein, Vorsitzender der Küntroper St.-Sebastian-Schützenbruderschaft, die einen Getränkelieferservice anbietet. Kein einziger Interessent habe sich bisher gemeldet. Doch Stein sieht das Positive darin: „Glücklicherweise war die Not wohl doch nicht so groß.“ 

Beschäftigungslosigkeit auch in Affeln, Altenaffeln und Blintrop

Ähnlich beschäftigungslos waren die Familie Schirp, die in Affeln, Altenaffeln und Blintrop gerade einmal zwei bis drei Kunden beliefert habe, wie Affelns Ortsvorsteher Josef Hochstein berichtet, und das Team der Fitnesslounge Neuenrade. „Es gab eine Anfrage“, zieht Finn Bachor eine Zwischenbilanz. Trotzdem solle das Angebot nicht eingestellt werden. „Wir erhalten es aufrecht, so lange es die Einschränkungen in den Geschäften gibt“, versicherte er. 

In Balve wird dagegen schon darüber nachgedacht, das Angebot der Einkaufshilfe einzustellen. „Die Resonanz war schon sehr überschaubar“, blickt Christian Wulf am stadtweiten Hilfetelefon zurück auf die vergangenen Wochen. Zwei oder drei Kunden seien beliefert worden. „Eine Person haben wir wöchentlich beliefert, zwei weitere eher unregelmäßig“, erzählt er, dass die 25 Helfer alles andere als ausgelastet gewesen seien. Er geht deshalb davon aus, dass in Kürze entschieden wird, den Service einzustellen. 

Hermanns: "Bedarf wohl überschätzt"

Ähnlich sieht es bei Otmar Hermanns in Mellen aus. Der pensionierte Lehrer hatte als „Einzelkämpfer“ hilfsbedürftige Dorfbewohner unterstützt, aber den Bedarf wohl auch überschätzt. „Ganz zu Anfang habe ich zwei oder drei Einkäufe erledigt, dann kam irgendwann noch einmal einer dazu“, bilanziert er. „Im Prinzip hat sich das erledigt“, sagt er, will aber für Notsituationen einsatzbereit bleiben. 

Die Gründe für die mäßige Nachfrage nach solchen Einkaufshilfen liegen für den Affelner Josef Hochstein und den Mellener Otmar Hermann in den dörflichen Strukturen. „Bei uns auf dem Dorf gibt es noch gelebte Nachbarschaft“, sagt Hochstein. Und auch Otmar Hermanns weiß von Fällen zu berichten, in denen Nachbarn bei der Erledigung der Einkäufe geholfen haben. Und nach den ersten Tagen und Wochen der Corona-Beschränkungen hätten sich die Menschen auch zunehmend besser mit der Situation arrangiert, sich eigene Lösungen gesucht. 

Angebote dürften in Kürze auslaufen

Eine solche Entwicklung sieht auch Andreas Späinghaus in Werdohl, der zudem auf die Lockerungen der vergangenen Wochen verweist: „Seitdem hat die Nachfrage etwas nachgelassen.“ Späinghaus geht davon aus, dass die Hilfsangebote in den nächsten zwei oder drei Wochen gänzlich auslaufen werden.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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