Zwischen Hoffen und Bangen

Reiseclub gerät wegen Coronavirus in Turbulenzen

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Ein Bild aus besseren Tagen: Mittlerweile muss sich Lutz Hoffmann um seinen Reiseclub Sorgen machen.

Werdohl - Die Corona-Pandemie stürzt auch immer mehr Unternehmen in die Krise. In heftige Turbulenzen ist auch der Reiseclub Werdohl geraten. Dessen Inhaber Lutz Hoffmann musste seine Mitarbeiter jetzt in Kurzarbeit schicken. Vieles ist unsicher geworden für den Unternehmer, der sein Reisebüro erst vor fünf Jahren gegründet hat.

„Meine Mitarbeiter sind super“, freut sich Lutz Hoffmann. Der Inhaber des Reiseclubs Werdohl befindet sich zwar noch bis Mai in Elternzeit, um seine im Oktober geborene Tochter Liliana aufwachsen zu sehen, aber er weiß: „In den Laden kommt momentan einfach kein Kunde herein. Aber meinte Angestellten sagen: Wir wollen die Krise gemeinsam überstehen.“

Als Hoffmann allerdings vor seine drei Mitarbeiter und den Auszubildenden trat, um ihnen mitzuteilen, dass er sie nun auf Kurzarbeit – sprich: die entlohnte Arbeitszeit auf 50 Prozent – setzen müsse, „waren einige schon geschockt, doch sie haben es gefasst aufgenommen“, erinnert sich der junge Selbständige.

Zwischen Hoffen und Bangen

Am 13. Februar 2015 hat Hoffmann das Reisebüro eröffnet. „Ich habe mir mein Büro mühsam aufgebaut. Und jetzt geht das vielleicht alles den Bach ‘runter“, zweifelt er manchmal beim Gedanken an die Zukunft. Wenn er dann wieder klar sehe, werde ihm bewusst: „Wenn die Lage sich nach und nach entspannt und wir im Herbst oder Winter wieder überall hin reisen dürfen weltweit, werde ich mit einem blauen Auge davon kommen.“

Dann spricht er seinen Kunden ein großes Lob aus. Auch diese nähmen die Situation gelassen auf. Keiner sei ungehalten gewesen. Einige hätten sogar bewusst jetzt Reisegutscheine bei ihm erworben, um mitzuhelfen, dass das noch junge Reisebüro dem Markt erhalten bleibt. Hoffmann habe diesen Urlaubsfreunden erklärt: „Mich werden sie sowieso nicht wieder los – und wenn ich Ihnen künftig die Flüge und Hotels aus meinem Wohnzimmer heraus verkaufen muss.“

Urlaub und Hochzeit abgeblasen

Seinen eigenen, privaten Urlaub habe er aber zunächst auch abgeblasen. Und die kirchliche Hochzeit mit seiner Frau Sabrina wurde vom 2. Mai auf Ende des Jahres verschoben. „Es geht nun halt an die Ersparnisse. Doch ich führe ja sowieso kein spektakuläres Leben“, führt Hoffmann aus. „Gut“, ergänzt er, „die Renovierung des Kellers, die bei uns zuhause geplant war, haben wir auch vorerst auf Eis gelegt.“

Seine Gattin Sabrina gibt ihm Rückhalt. „Ich bin so froh, dass ich mit ihr jemanden habe, mit dem ich auch mal über etwas ganz anderes reden kann, als immer nur über diesen Virus“, zeigt der Reiseclub-Inhaber sich dankbar. Dann fügt er hinzu: „Meine Frau und ich sind einander nun sogar noch mehr verbunden, als das sowieso schon der Fall war.“

Sorgen mache ihm derzeit vor allem die Diskussion zwischen dem Deutschen Reiseverband und den diversen Reiseveranstaltern, die den Kunden nicht das Geld für die geplatzen Urlaube auszahlen möchten, sondern ihnen lediglich Gutscheine ausstellen wollen. „Damit würden sie gegen geltendes EU- und deutsches Recht verstoßen. Aber sie möchten wohl eine Härtefallregelung beanspruchen“, schätzt Hoffmann die Lage ein.

Coronavirus: Streit um Provisionen

Für ihn und sein Reisebüro ist die derzeit strittige Diskussion zwischen Verband und Veranstaltern auch spannend, denn noch ist ungeklärt, ob er erhaltene Provisionen zurückzahlen muss. „Und es gibt auch Reiseveranstalter“, erläutert der Werdohler, „die sowieso erst Provisionen zahlen, wenn die Reise vom Kunden angetreten wird. Von denen bekomme ich jetzt halt gar nichts.“

Hoffmann betont: „Ich kann die Sicht der Veranstalter verstehen. Die müssen ja auch ihre Liquidität erhalten. Aber es muss doch ein Miteinander geben. Das fehlt mir im Augenblick ein wenig.“

Soforthilfe des Landes beantragt

Die Corona-Soforthilfe des Landes Nordrhein-Westfalen hat der Werdohler Unternehmer vor einigen Tagen beantragt und auch bereits erhalten. Das lässt ihn wie folgt bilanzieren: „Im Moment geht es noch, wenn ich auf das Firmenkonto schaue.“ Und auch privat nage er mit seiner kleinen Familie „nicht am Hungertuch“.

Dass ihn die Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft aber auch nicht zu sehr bedrücken, dafür sorgen neben seiner liebevollen Gattin eben auch die „super Mitarbeiter“.

Alle Informationen rund um das Coronavirus im Märkischen Kreis gibt es hier.

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