Freiluftausstellung

Pandemiebilder in der Werdohler Innenstadt

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Die Werdohler Künstlerin Annette Kögel präsentiert in ihrem Atelier einige der Kunstwerke, die ab dem 10. Oktober im Rahmen der „Pandemie-Ausstellung“ in der Werdohler Innenstadt gezeigt werden sollen.

Werdohl – Mit einer so raschen Zusage hatte die Werdohler Künstlerin Annette Kögel nicht gerechnet. Innerhalb von drei Tagen hielt sie den Bewilligungsbescheid der Bezirksregierung Arnsberg in der Hand.

Kögel hat sich um ein Stipendium des NRW-Ministeriums für Kultur und Wissenschaft beworben, um mit den Fördermitteln eine ganz besondere Ausstellung zu realisieren. 

Da das Stipendium in Zusammenhang mit den coronabedingten Einschränkungen vergeben wurde, unter denen viele Kunstschaffende nicht nur während des Lockdowns zu leiden hatten, stand für die Werdohlerin von Anfang an fest: „Die Pandemie soll auch im Mittelpunkt des Konzeptes stehen, mit dem ich mich bewerben werde.“ 

Coronavirus in Werdohl: Schnell die passende Idee parat

Die passende Idee hatte sie schnell parat. Die Künstlerin entwickelte Pläne für eine Wanderausstellung im Außenbereich. „So kommt einerseits die Kunst zum Betrachter und andererseits müssen die Besucher keine Masken tragen und können viel Abstand von anderen Menschen halten.“ Annette Kögel ist überzeugt, dass es ihr so gelingen kann, deutlich mehr Kunstinteressierte zu erreichen als es momentan bei einer Ausstellung in einem Gebäude der Fall sein würde. 

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Bevor sie sich im vergangenen Monat an die Arbeit machen konnte, musste zunächst eingekauft werden: Die Werdohlerin ließ die Rückseite von 31 PVC-Planen bedrucken – jeweils mit einem „Pandemie-Gesicht“ und einer Aussage, die in Beziehung zu dem Bild steht, das auf der Frontseite entstehen sollte. Dass der jeweilige Satz nicht nur in deutscher, sondern auch noch in einer anderen Sprache auf der Planen-Rückseite zu lesen ist, versteht sich für die Künstlerin von selbst: „Damit wird deutlich, dass die ganze Welt von Corona betroffen ist.“ Für die Rückseite der ersten Plane hat die Werdohlerin chinesische Schriftzeichen gewählt und die Aussage: „Am Anfang war die Unwissenheit.“ Sie stellt das Pandemie-Geschehen in einem zeitlichen Ablauf von 24 Stunden künstlerisch dar und versieht das Hauptmotiv jeweils mit einem blauen Hinweis, damit der Betrachter es diesbezüglich einordnen kann. Im gerade beschriebenen Fall lautet die Zeitangabe 00:02. „Es ist ganz bewusst nicht die Stunde Null geworden, denn inzwischen gibt es ja viele Hinweise darauf, dass das Virus schon in Frankreich aufgetreten ist, bevor es dann in Wuhan bekannt wurde.“ 

Lücken können noch gefüllt werden

Zudem hat Kögel die Zeitangaben so gewählt, dass noch Lücken gefüllt werden können. „Denn eigentlich möchte ich noch mehr als die 31 bestellten Planen gestalten. Die Geschichte der Pandemie ist ja noch nicht zu Ende. Ich möchte die Ereignisse laufend weiter erzählen.“ Auch deshalb bietet sie die Kunstwerke, die Bestandteil der Ausstellung sein werden, zum Kauf an. 

Bei der Gestaltung der Planen hat die Werdohlerin auf Motive aus ihrem „Pandemiebuch“ zurückgegriffen, aber auch neue Motive hinzugefügt. Stilistisch ist Annette Kögel ausgebrochen: Fast alle Planen sind mit ungewohnt realistischen Darstellungen versehen. „Ich hatte Probleme, diese Motive in meinem Stil zu verpacken. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich Corona nicht in meine Malerei lassen will“, sucht Annette Kögel nach einer Erklärung, „warum es anders einfach nicht gepasst hat“. 

Coronavirus in Werdohl: Bewegende Motive

Aussagekräftig und bewegend sind die Pandemie-Motive auf jeden Fall: Weiße Schutz-Masken, die vor blauem Himmel an Wäscheleinen baumeln, zerrissener Stacheldraht oder der erste Schmetterling des Jahres, der sich einsam vor einem bedrohlich düsteren Hintergrund abhebt. 

Zum ersten Mal sind die Kunstwerke in der Heimatstadt der Künstlerin zu sehen: Am Rathausparkplatz, an der Lennepromenade, der Stadtspange, am Brüninghaus-Platz und im Ludwig-Grimm-Park. Mitarbeiter des Bauhofes haben bereits Pfosten zur Befestigung der Planen gesetzt. „Morgens um 8 Uhr sollen die Bilder aufgehängt werden, um 17.30 Uhr werden sie abgenommen“, erklärt Kögel, wie Vandalismus-Schäden möglichst verhindert werden sollen. Sie bedankt sich bei Bauhof-Mitarbeiter Uwe Trester und seiner Arbeitsgruppe Flüchtlinge: „Sie werden das Bestücken der Pfosten übernehmen.“

Die Wanderausstellung soll zunächst für einen Zeitraum von 14 Tagen in der Werdohler Innenstadt präsentiert werden. Zur Eröffnung und zu einem anschließenden Rundgang entlang der Kunstwerke durch die Stadt – unter Einhaltung der Mindestabstände – lädt Annette Kögel für Samstag, 10. Oktober, um 14 Uhr auf den Rathausparkplatz ein.

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