Gemischte Gefühle

Gastwirte dürfen wieder öffnen: Dennoch herrscht nicht überall Freude

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Desinfektionsmittel auf dem Tresen, das Buch zur Erfassung der Gäste in der Hand: Brigitte Mölders vom Haus Werdohl ist auf die Wiedereröffnung ihrer Gaststätte nach den Corona-Beschränkungen vorbereitet. Trotzdem sagt sie: „Es kommt zu früh.“

Werdohl/Neuenrade/Balve – Seit Montag sind die Corona-Beschränkungen für Speisegaststätten gelockert, doch die Gastronomen müssen dennoch viele Vorschriften beachten. Manchen sind die Auflagen zu streng, das Risiko zu groß, andere wollen ihren Gästen zumindest ein reduziertes Angebot unterbreiten.

Für Martin Thun vom Sterne-Restaurant Thuns in Kleinhammer ist die Wiederöffnung nach wochenlangem Lockdown kein Problem. „Im Moment sehe ich da für uns keinen großen Aufwand“, sagte er, räumte aber ein, sich vielleicht noch nicht mit allen Vorschriften vertraut gemacht zu haben. Die waren nach der Ankündigung der Lockerungen für die Gastronomie am vergangenen Mittwoch ja auch erst spät veröffentlicht worden. „Es war schon ein Witz, dass so lange niemand gewusst hat, wie es eigentlich laufen soll“, kritisiert Thun den zähen Informationsfluss. Dennoch hat das Thuns seit heute bis Samstag zunächst wieder täglich ab 18 Uhr geöffnet. Bis Freitag kann nach Reservierung bis 19 Uhr am Vorabend auch zu Mittag gegessen werden. Mit dem Neustart ist im Thuns übrigens auch die Rabattaktion für Gutscheine zu Ende gegangen. 

Für Brigitte Mölders, Inhaberin der Gaststätte Haus Werdohl, kommt die Lockerung „eigentlich zu früh“. Sie hätte es verstanden, wenn die Regierung noch etwas gewartet hätte, bevor sie für die Gastronomie grünes Licht gibt. Trotzdem wird Mölders ihr Restaurant mit klassisch deutscher Küche ab heute öffnen: mittags für Stammgäste, die zum Abo-Essen kommen und auf dieses Angebot wochenlang verzichten mussten, und abends auf vorherige Reservierung. „Ich würde ja auch gerne ganz öffnen, aber ich glaube nicht, dass sich das lohnen würde. Durch die ganzen Auflagen sind doch viele total verunsichert“, sagt Mölders. Deshalb gibt es im Haus Werdohl auch bis auf Weiteres keinen Thekenbetrieb und die Kegelbahn bleibt ebenfalls geschlossen. 

Coronavirus in Neuenrade: Friedriszik lässt Gaststätten zu

Nicht öffnen werden Ina und Heinz Friedriszik ihre insgesamt vier Gaststätten in Neuenrade und Balve. Der Gasthof Im Kohl in Neuenrade und wohl aber nächste Woche auch das Ballova in Balve böten zwar einen Außer-Haus-Verkauf von Speisen an, ansonsten blieben diese Häuser aber wie auch das Haus Drei Könige in Balve und das erst im Januar neu eröffnete Wirtshaus Syré in Garbeck noch geschlossen. „Das Risiko ist einfach zu groß“, sagt Ina Friedriszik und meint damit vor allem das wirtschaftliche Risiko. Sie brauche Personal, um die Lokale zu betreiben; ob aber auch genügend Gäste kämen, dass sich das rechnet, sei ungewiss. „Wer traut sich denn jetzt, essen zu gehen?“, fragt die Gastronomin. Außerdem sei ihr der Aufwand zu groß, den sie treiben müsste, um alle Vorschriften befolgen zu können. „Das ging mir jetzt alles zu schnell“, war sie von den Lockerungen dann doch überrascht. Die Friedrisziks wollen deshalb lieber die weitere Entwicklung abwarten. „Eventuell ist ab dem 25.Mai schon mehr möglich“, hofft Ina Friedriszik. 

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier.

Kontrolliert wird die Einhaltung der vielen Vorschriften für die Gastronomiebetriebe durch die Ordnungsämter. Zumindest die Stadt Werdohl scheint dabei keinen großen Eifer an den Tag legen zu wollen, Gaststätten wegen kleiner Mängel gleich wieder zu schließen. „Wir kontrollieren, ob die Regeln eingehalten werden, und geben auch Hinweise, wenn etwas verbessert werden sollte“, kündigt Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel an. 

Bußgelder können verhängt werden

In Wiederholungsfällen könnten allerdings auch Bußgelder verhängt werden. Bei besonders hartnäckigen Verweigerungen, die Auflagen zu erfüllen, sei auch eine Schließung des betreffenden Lokals möglich. „Ich gehe aber nicht davon aus, dass sich jemand derart gegen die Regeln sperrt“, ist Mentzel noch ganz gelassen.

Unter anderem darauf müssen Gastronomen und Gäste achten, wenn jetzt die Speisegaststätten wieder öffnen: Den Gästen muss ein fester Sitzplatz zugewiesen werden (Sitzplatzpflicht). Gäste müssen beim Betreten der Gaststätte die Hände waschen oder desinfizieren. Kontaktdaten und Dauer des Aufenthaltes der Gäste müssen in Listen festgehalten und vier Wochen lang aufbewahrt werden. Bestecke, Zahnstocher dürfen nicht offen auf den Tischen stehen. Es dürfen nur Tellergerichte serviert werden, Büfetts bleiben untersagt. Stühle, Tische, Speisekarten, Gewürzspender und andere Gegenstände müssen nach jedem Gästewechsel gereinigt und desinfiziert werden. Das Servicepersonal muss Mund-Nase-Bedeckung tragen und nach jedem Abräumen von Geschirr die Hände waschen oder desinfizieren. Sanitärräume sind mindestens zwei Mal täglich zu reinigen.

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