Neue Dienstpläne für Polizei - Rettungswache schottet sich ab

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Ralf Wengenroth leitet die Werdohler Rettungswache des Märkischen Kreises. Er und sein Team von Rettungsdienstmitarbeitern haben verschiedene Maßnahmen ergriffen, um von der Corona-Pandemie möglichst verschont zu bleiben.

Werdohl/Neuenrade/Balve - Der Kampf gegen das Coronavirus ist eine riesige Herausforderung – gesamtgesellschaftlich und für jeden einzelnen. Das gilt insbesondere für die Polizei, die Feuerwehr und den Rettungsdienst. Schließlich arbeiten deren Mitarbeiter in engem Kontakt mit anderen Menschen, müssen dabei aber zeitgleich auf ihre eigene Sicherheit achten, um den Dienstbetrieb gewährleisten zu können.

Mit ziemlich drastischen Maßnahmen versucht die Polizei, in der Corona-Krise handlungsfähig zu bleiben. Die Beamten müssen länger arbeiten, die Werdohler Wache ist aber trotzdem nicht länger besetzt – im Gegenteil. „Wir haben natürlich Änderungen an den Dienstplänen in allen Wachbereichen vorgenommen“, sagt Pressesprecher Marcel Dilling, ohne aber aus polizeitaktischen Gründen Details nennen zu wollen.

Die wichtigste Botschaft aus Sicht der Kreispolizeibehörde: „An unserem Auftrag ändert sich nichts. Wir werden weiterhin für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit sorgen.“

Nur noch zwei Schichten bei der Polizei

Die Polizei habe vom Drei- auf den Zweischichtbetrieb umgestellt, nannte dagegen der Werdohler Hauptkommissar Andreas Laubrock auf Anfrage einige Details. Eine Schicht dauert damit jetzt nicht mehr acht, sondern zwölf Stunden.

Das hat zur Folge, dass mit den vorhandenen Beamten mehr Schichten gebildet werden können. Fällt eine Dienstgruppe aus, weil beispielsweise ein Kollege an Covid-19 erkrankt ist und die übrigen Beamten als Kontaktpersonen ebenfalls in Quarantäne müssen, so kann das auf diese Weise besser aufgefangen werden.

Außerdem gibt es keine Bezirksbeamten mehr. Andreas Laubrock und Jörg Braszus, die viele Werdohler aus dem täglichen Straßenbild kennen, versehen ihren Dienst nun auch wie alle anderen auf der Wache beziehungsweise im Streifendienst.

Klare Regeln für den Streifendienst

Für die Beamten im Streifendienst ändert sich durch das Coronavirus im Grunde genommen im Umgang mit den Bürgern nichts. Denn sie sind schon immer angehalten, auf Hygiene und ihren eigenen Schutz zu achten. „Da gibt es klare Regeln“, sagt Dilling. Einweghandschuhe für den Fall der Fälle gehören entsprechend zur Standardausrüstung. Schließlich gab es auch schon in Vor-Corona-Zeiten Infektionskrankheiten wie beispielsweise Hepatitis oder HIV, vor denen sich die Polizisten schützen mussten.

Der Werdohler Polizeiwachenleiter Volker Bootz mit den Bezirksbeamten Jörg Braszus und Andreas Laubrock (von links).

Oberste Maßgabe, die auch im Kampf gegen die Ansteckung mit dem Coronavirus gilt, ist, auf den Abstand zu anderen Personen zu achten. Das geschieht aber nicht nur beim Streifendienst auf der Straße, sondern auch in den Wachen – und zwar nach innen und nach außen. Dabei ist die Anzahl der Bürger, die auf die Wache kommen, um eine Anzeige zu erstatten, seit Beginn der Coronakrise deutlich gesunken.

Im Gegenzug ist die Anzahl der Online-Anzeigen stark gestiegen. „Das ist auch gut so“, freut sich Dilling über die Akzeptanz der Online-Wache bei den Bürgern. Zum Schutz der Beamten auf den Polizeiwachen werde zudem jeweils der Empfangsbereich nachgerüstet. „In vielen Bereichen gibt es zwar schon einen großen Tresenbereich, der für eine gewisse Distanz sorgt“, sagt Dilling. Jetzt sollen aber – ähnlich wie es in vielen Supermärkten schon geschehen ist – noch Acrylglasscheiben als zusätzliche Sicherung installiert werden.

Werdohler Wache nur noch bis 20 Uhr besetzt

Die Werdohler Polizeiwache ist übrigens derzeit nur von 8 bis 20 Uhr besetzt – auch das ist eine Folge des neuen Schichtmodells. Zuletzt hatte es auf der Polizeiwache immer bis 22 Uhr einen Ansprechpartner gegeben.

Auf die besondere Situation reagiert hat auch die vom Märkischen Kreis betriebene Rettungswache in Werdohl. Das Team von Ralf Wengenroth wurde mit sogenannten FFP2-Schutzmasken ausgestattet. „Zudem werden in der Notfallrettung und im Krankentransport bei Corona-Verdachtsfällen Schutzbrille, Handschuhe und Schutzkittel getragen“, erklärte Kreis-Pressesprecherin Ursula Erkens auf Nachfrage. Die Ausstattung der Wache mit solcher persönlicher Schutzaurüstung sei bislang gewährleistet.

Coronavirus: Rettungswache Werdohl noch verschont

Das Virus hat die Rettungswache bisher verschont. „Infizierte Mitarbeiter hatten wir glücklicherweise noch nicht“, sagte Erkens. Es habe aber bereits kurzzeitige Ausfälle von Rettungsdienstpersonal gegeben, die als Kontaktpersonen im Verdacht standen, sich infiziert zu haben. Erkens vermeldete aber: „Die Testergebnisse waren sämtlich negativ.“

Damit das möglichst so bleibt, hat der Märkische Kreis unter anderem den Zutritt zur Rettungsdwache beschränkt. „Es sind weder Besuche noch Besichtigungen möglich, Handwerker dürfen das Gebäude der Rettungswache nur noch für unaufschiebbare Arbeiten betreten“, erläuterte Erkens.

Die Kontakte der Mitarbeiter untereinander würden mittlerweile auf ein Mindestmaß beschränkt. Beispielsweise finde die Übergabe an die nächstfolgende Schicht nur noch im Vier-Augen-Prinzip statt. Auch Desinfektionsarbeiten seien ausgeweitet worden. Zudem hätten Termine für Praktika und Berufsfelderkundungen verschoben werden müssen.

Auch Feuerwehren sind gerüstet

Auf die besonderen Anforderungen durch die Corona-Krise haben auch die Feuerwehren in Werdohl, Neuenrade und Balve längst reagiert. „Übungsdienste und Schulungen sind bis auf Weiteres abgesagt, die Kameradschaftspflege völlig aufgehoben. Wir beschränken uns jetzt auf die wesentlichen Dinge“, sagte beispielsweise Werdohls Feuerwehrchef Kai Tebrün. Dazu gehört neben Einsätzen bei Bränden und Unfällen auch immer wieder die Hilfeleistung im Rettungsdienst.

„Unsere Einheiten sind angehalten, bei Einsätzen mit Patientenkontakt den Kräfteeinsatz so gering wie möglich zu halten“, verdeutlichte Tebrün. Hintergrund ist neben der Ressourcenschonung offensichtlich auch das Bestreben, die Feuerwehrangehörigen keinem unnötigen Infektionsrisiko auszusetzen. Falls Schutzkleidung benötigt werde, stelle diese die Werdohler Rettungswache zur Verfügung, sagte Tebrün.

Auch der Wartungsdienst an Fahrzeugen und Geräten sei in Werdohl – wie übrigens auch in Neuenrade und Balve – neu organisiert worden, damit nicht zu viele Einsatzkräfte gleichzeitig damit beschäftigt sind, erklärte Tebrün weiter.

Neuenrades First Responder speziell geschult

In Neuenrade gibt es noch die Besonderheit der sogenannten First Responder, die bei medizinischen Notfällen zur Unterstützung des hauptamtlichen Rettungsdienstes ausrücken. „Sie sind extra geschult worden“, sagte der Neuenrader Stadtbrandinspektor Karsten Runte. Bei einem ernsthaften Corona-Verdacht eines Patienten seien die Ersthelfer angehalten, spezielle Schutzausrüstung zu tragen, um sich selbst vor einer möglichen Infektion zu schützen.

Und bei einer notwendigen Türöffnung gingen Feuerwehr und First Responder derzeit auch besonders vorsichtig vor, betonte Runte. „Dann erkundet zunächst einer die Lage in der Wohnung. Wenn sich dabei herausstellt, dass die hilfsbedürftige Person nicht in einer lebensbedrohlichen Lage ist, warten wir vor der Tür auf den Rettungsdienst“, schilderte er das Vorgehen.

Alle Informationen rund um das Coronavirus im Märkischen Kreis gibt es hier.

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