Nach drei Wochen Corona-Schulzeit: So lief es in Werdohl, Neuenrade und Balve

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Die Lehrer der Albert-Einstein-Gesamtschule in Werdohl haben als Gruß an die Schulgemeinschaft eine ganz besondere Fotocollage erstellt.

Werdohl/Neuenrade/Balve – „Schule so ganz ohne Schüler ist gar nicht schön“, resümiert beispielhaft der Werdohler Gesamtschulleiter Sven Stocks nach knapp drei Wochen Corona-Schulzeit.

Am Wochenende beginnen die Osterferien, bis dahin haben alle Werdohler, Neuenrader und Balver Schulgemeinschaften eine äußerst ungewöhnliche Zeit hinter sich gebracht. 

Die Schulleitungen hoffen darauf, kurz nach den Ostertagen Anweisungen von der Landesregierung zu bekommen, wie es nach dem 20. April weitergehen wird. Eines hat diese Corona-Schulzeit allerdings schon jetzt bewiesen: Schulen und Lehrkräfte sind zum Teil zu äußerst kreativen und zumeist digitalen Lösungen gekommen, ihre daheim sitzenden Schüler zu erreichen und zum Lernen zu motivieren. 

Gesamtschule 

Die Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) versorgt die Schüler über einen Dropbox-Zugang, hier werden Aufgaben zur Verfügung gestellt, die nach Jahrgangsstufen, Kursen und Fächern geordnet sind. Die Schüler schicken ihre Lösungen, Aufgaben und Arbeiten per E-Mail an ihren jeweiligen Lehrer zurück. Stocks räumt ein, dass das digitale Lernen an der Gesamtschule erst noch in den Startlöchern stehe. 

Die dazu nötigen Techniken müssen die Lehrkräfte erst noch in Fortbildungen erlernen. Dennoch gebe es einzelne Kollegen, die schon ein virtuelles Klassenzimmer eingerichtet hätten. Ein Mathematik-Leistungskurs sei zum Beispiel von einem Lehrer mit in der Schule gedrehten Erklärvideos versorgt worden. 

Coronavirus in Werdohl: Digital fehlt teilweise einiges

Manche Elternhäuser seien nicht perfekt digital ausgerüstet, so dass Kinder ihre Hausaufgaben abfotografierten und dem Lehrer zurückschicken würden. „Ich denke, dass wir das insgesamt ganz brauchbar geregelt haben“, so Stocks. Auf jeden Fall bekämen alle Schüler Feedback von ihren Lehrkräften. Von Kollegen hat Stocks gehört, dass es sogar Kinder gebe, die auf diese Weise mehr mitarbeiten würden als in der Schule. 

Hönnequell-Schule 

Die Neuenrader Hönnequell-Schule wird derzeit aus der Wohnung von Schulleiterin Eva Päckert gesteuert. Jeden Sonntagabend stellt die Pädagogin gemeinsam mit einer Kollegin vom heimischen Computer aus Lernmaterialien auf die Schul-Homepage. Montagmorgen stehen dann frische Aufgaben zur Verfügung. „Kurzerhand haben wir ein digitales Schulportal eingerichtet, auf das alle Schüler, Eltern und Lehrer auf einem sicheren und datenschutzkonformen Weg Zugang haben.“ 

Zu Beginn der Corona-Schulzeit seien ganze Pakete an Lernmaterial übermittelt worden. Wer zuhause keinen Drucker hat, kann sich die Papiere in der Schule abholen. Später wurden auch Aufgabenlösungen zur Selbstkontrolle nachgesandt. „Wir haben viele positive Rückmeldungen von Schülern und Eltern“, sagte Päckert. Die zurückgeschickten Arbeiten dürften nicht benotet werden, aber die Kinder bekämen eine Würdigung übermittelt. Sie stelle fest, dass Schüler, Eltern und Lehrer die neuen Wege des Lernens und Lehrens sehr ernst nehmen würden. 

Grundschule Ütterlingsen 

Britta Schwarze von der evangelischen Grundschule in Ütterlingsen hat sogar zwei Kinder zur Notbetreuung im Schulgebäude. Sie erinnert sich an den Freitag, an dem sie die Schule quasi abschließen musste. „Gerade die Kleinen aus der ersten und zweiten Klasse hat das sehr beunruhigt, dass sie nicht in die Schule konnten. Das war eine drastische Maßnahme. Wir haben uns auch gar nicht verabschieden können“, beschreibt die Pädagogin. 

Ziemlich schnell seien Arbeitspakete verschickt worden, mit allen Elternhäusern bestehe enger Kontakt per E-Mail und Telefon. Bislang werde viel wiederholt, die Erstklässler hatten seit dem Sommer schließlich kaum Unterricht, das Schuljahr sei ohnehin sehr kurz. Ende Juni beginnen schon die Sommerferien. Auch in den Osterferien wird die Schule besetzt sein, vier Anfragen zur Notbetreuung liegen Schwarze bis jetzt vor. Gemeinsam mit den OGS-Kräften werde diese Betreuung für die nächsten zwei Wochen sichergestellt. 

Burgschule 

Awerd Riemenschneider von der Neuenrader Burggrundschule mit seinen zwei Standorten hat seine Schüler schon lange nicht mehr leibhaftig gesehen. Am Corona-Freitag war ein beweglicher Ferientag, denn eigentlich sollte ja das Gertrüdchen-Volksfest beginnen, der Donnerstag zuvor war ein Fortbildungstag. Das war vor drei Wochen, zusammen mit den Osterferien sind es mehr als fünf Wochen für die 422 Schüler. „Wir hatten uns so vorbereitet, dass wir damals ab Dienstag Unterrichtspakete für drei Wochen bereitgestellt hatten.“ 

Die Lehrkräfte stehen mit den Klassenpflegschaften in Kontakt, die Eltern werden durchgängig informiert. Die Schüler sollen jeweils Wochenziele erreichen. „Mein Eindruck ist, dass der überwiegende Teil die Arbeiten erledigt, viele Eltern sind auch zu Hause und haben einen Blick darauf, dass die Kinder die Aufgaben machen“, sagte Riemenschneider. Für die Zeit nach den Osterferien spiele er mit seinem Kollegium Szenarien durch, wie es weitergehen könnte. Die vierzügige Schule könne zum Beispiel montags und mittwochs die Züge A und D unterrichten, dienstags und donnerstags kämen die anderen zur Schule. Auch Lösungen im Wechsel zwischen Vormittag und Nachmittag seien denkbar. 

Städtische Grundschule

Die städtische Grundschule in Werdohl mit den Standorten Kleinhammer und Königsburg testet in Corona-Zeiten die Kommunikationsplattform „Schoolfox“ aus. Schulleiterin Nina Manns: „Jetzt haben wir Zeit, das auszuprobieren.“ Diese Plattform entspreche den Datenschutzbestimmungen. 

Ansonsten merke sie, dass Schule und Elternhäuser „mit der Digitalisierung etwas hinterher hängen“. Eine Aktion ist dann auch noch vollkommen analog: Kinder malen Bilder zum Frühling und werfen sie in den Schulbriefkasten, die Bilder werden im Eingangsbereich aufgehängt. Gestellte und beantwortete Aufgaben könnten allerdings erst nach den Osterferien bearbeitet werden, so Manns. Bislang habe man nur Wiederholung und Vertiefung gemacht, nach den Ferien müsse dringend neuer Lerninhalt geboten werden. Bis dahin gibt es aber noch Osterpakete für die Grundschüler: Per Hand gepackt und mit der Post verschickt. 

Realschule Werdohl 

Schulleiter Oliver Held von der Werdohler Realschule hat elektronisch aufgerüstet: Die Schule hat Lizenzen für die „Anton-App“ erworben, eine Schul-App für die Klassen fünf bis zehn. Im Netz gebe es sehr viele Angebote zum „Distanzlernen“, wie Held es bezeichnet. Zumindest in der Anfangszeit seien viele Server und Leitungen überlastet, vieles sei mühsam gewesen oder hätte technisch doch nicht richtig funktioniert. 

Aus der Ferne werden so Deutsch, Mathematik und Englisch unterrichtet, individuell und klassenweise. Die Reaktion der Schüler? Held: „Aus meiner Sicht läuft das gut.“ Wer in der Präsenzschule nicht der aktivste sei, überschlage sich auch in der virtuellen Schule nicht. Held: „Wer in der Schule fleißig ist, ist das auch zu Hause.“ Natürlich bekommen die Schüler Antworten auf ihre Hausarbeiten, Lösungen werden angeboten und nachgearbeitet. Held: „Das ist allerdings ein riesiger Aufwand.“ Als Englisch-Kursleiter bekomme er bis zu 120 Mails am Tag von Schülern, die er alle individuell bearbeite. Sein Resümee: „Wir haben alles, was greifbar ist, sinnvoll eingesetzt und gemeinsam mit Schülern und Eltern das Beste daraus gemacht.“ 

Hauptschule

An der auslaufenden Hauptschule in Balve wurden den Schülern die Aufgaben auf der Internetseite der Schule zum Download bereitgestellt. Die Abschlussschüler standen darüber hinaus regelmäßig in Kontakt mit ihren Lehrern. Schließlich sollen – Stand heute – die Zentralen Abschlussprüfungen weiterhin stattfinden, wurden einzig um wenige Tage auf später verschoben: den Zeitraum ab 12. Mai. „Das waren keine Corona-Ferien, es hat nur kein Unterricht stattgefunden“, sagt Schulleiter Hans-Jürgen Stracke. 

Realschule Balve 

„Wir bereiten immer schon ab Beginn des 10. Schuljahres systematisch auf die Abschlussprüfungen vor“, sagt Thomas Münch, stellvertretender Leiter der Realschule Balve. Jetzt gelte es aber zunächst die weiteren Entscheidungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise abzuwarten. Rückblickend auf die Homeschooling-Phase sagt Münch: „Wir haben uns eingearbeitet.“ Die Kommunikation mit den Schülern lief über die elektronischen Klassenbücher und die Schulhomepage. Probleme gab es nur technische: „Wenn plötzlich alle Schulen auf das technische Lernen umstellen, ist die Infrastruktur überfordert.“ So habe die Corona-Pandemie deutlich gemacht, dass der Ausbau digitaler Arbeitsweisen dringend erforderlich sein werde. 

Neben der Schulleitung ist an der Realschule einzig das Sekretariat besetzt, das Lehrerkollegium arbeitet im Homeoffice. „Das ist hier ein Stück weit Normalität geworden, wie es so weit Normalität werden kann, wenn keine Schüler an der Schule sind“, vermisst er den Schulbetrieb sehr. Münch: „Wir haben drei Wochen keine Leistungsdaten einholen können.“ Hausaufgabenbewertung, Tests, Klassenarbeiten, all das fiel weg. Die Lehrer haben übrigens selbst „Hausaufgaben“ für die Corona-Zwangpause bekommen: „Wir haben über die Lehrer bei den Schülern nachfragen lassen, wie sie mit der digitalen Betreuung zufrieden sind. Dabei kam heraus, dass sie sich über zu viele Aufgaben beschwerten.“ 

Grundschule Garbeck

Diese Probleme kennt Dorothe Gastreich-Kneer, Leiterin der Garbecker Grundschule Drei Könige nicht. „Zwei Eltern wollten sogar mehr Unterrichtsmaterial für ihre Kinder“, berichtet sie. Vor der Schließung Mitte März wurden alle Kinder mit Pflichtaufgaben, Zusatzaufgaben und freiwilligen Aufgaben versorgt. Für Fragen steht die Schule per E-Mail oder telefonisch zur Verfügung. „Es ist weitgehend ruhig geblieben“, erzählt Gastreich-Kneer. 

Die Schulleiterin hofft aber auch auf die Mithilfe der Eltern bei der Hausaufgabenbetreuung, denn es werde bereits weiteres Unterrichtsmaterial erstellt, falls die Schließung der Schulen über das Ende der Osterferien (19. April) hinaus Bestand haben sollte: „Für den Fall einer Fortsetzung der coronafreien Zeit wollen wir vorbereitet sein.“ Warten müssen die Bewertungen für die Zeugnisse, verschoben werden musste die von den Garbecker Viertklässlern erwartete Baumpflanzaktion. Gastreich-Kneer: „Auch hier werden wir uns gedulden müssen.“ 

Grundschulen Balve und Beckum

In Geduld üben sich auch die Grundschulen in Balve und Beckum. Auch hier sind die Lehrerinnen im Homeoffice, um auf diese Weise den Schulbetrieb sicherzustellen. Nur in der Grundschule Balve sind aktuell zwei Kinder in der Betreuung. In der ersten Osterferienwoche wird ein Kind betreut.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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