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Coronakrise: So ist die Situation in den Seniorenheimen in Werdohl, Neuenrade und Balve

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In den heimischen Pflegeheimen gibt es bislang noch keinen bestätigten Coronafall.

Werdohl/Neuenrade/Balve – „Toi toi toi“, sagt Susanne Thöne, Leiterin des Seniorenheims Haus Versetal. Bisher gebe es in ihrer Pflegeeinrichtung keinen Corona-Verdachtsfall oder gar eine bestätigte Infektion.

„Das möchte ich hier natürlich auch nicht erleben.“ Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es im Haus Versetal diverse Schutzmaßnahmen. Haus Versetal Besucher zum Beispiel dürfen die Einrichtung seit mehr als einer Woche nicht mehr betreten. „Mit den Familienangehörigen der Bewohner stehen wir per E-Mail in Kontakt“, erklärt Thöne, dass ein Alternativangebot geschaffen wurde. Per E-Mail sei es möglich, Grüße auszurichten. Gleichzeitig werden die Angehörigen auf diesem Weg auf dem neuesten Stand gehalten, was die Entwicklungen im Haus angeht. Geschenkpäckchen oder Blumensträuße könnten beim Personal abgegeben werden. „Die Mitarbeiter reichen es an die Bewohner weiter“, sagt Thöne. 

Das Pflegepersonal wurde in zwei Gruppen eingeteilt, die abwechselnd im Haus sind. Die Ausstattung mit Schutzkleidung sei sehr gut, sagt Susanne Thöne. Rund 200 sogenannte „FFP-2“-Masken, die einen hohen Schutz vor Ansteckung bieten, habe sie geliefert bekommen. Zusätzlich gebe es klassischen Mundschutz und auch Desinfektionsmittel sei in ausreichender Menge vorrätig. „Damit sollten wir gut durch ein Quartal kommen“, kalkuliert Thöne. 

Coronavirus in Werdohl: Bewohnerin vorsorglich in Quarantäne

Vorsorglich für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt wird eine Bewohnerin, die in den kommenden Tagen aus dem Krankenhaus entlassen wird. Dahingehend gebe es einem neuen Erlass, erklärt Thöne. „Wir wissen nicht, ob im Krankenhaus ein Abstrich gemacht wurde und ob sie sich dort angesteckt haben könnte. Deshalb gehen wir jetzt auf Nummer sicher.“ Generelle Tests gibt es bisher weder für Bewohner noch für Mitarbeiter. „Eigentlich würde ich mir das wünschen“, sagt Thöne. 

Ihre Mitarbeiter hätten außerdem die Erfahrung gemacht, dass Ärzte bei Tests unterschiedlich agieren. Eine Kollegin habe kürzlich Grippesymptome gehabt. In Lüdenscheid sei umgehend ein Abstrich gemacht worden. „Innerhalb eines Tages lag das Ergebnis vor: Negativ. Nur eine Erkältung.“ Die Ärzte in Werdohl hätten währenddessen dazu geraten, einfach zu Hause zu bleiben und sich auszukurieren. Ein Test sei nicht veranlasst worden. 

Märkische Seniorenzentren 

Bei den Märkischen Seniorenzentren, zu dem auch das Seniorenzentrum an der Schulstraße gehört, sei man zwar „im Krisenmodus“, im Rahmen der Möglichkeiten aber gut vorbereitet, berichtet Geschäftsführer Matthias Germer. Gruppenaktivitäten und Gottesdienste seien in den Einrichtungen zurückgefahren worden, Besuche allgemein nicht mehr möglich. Nur in wenigen Ausnahmefällen dürften Angehörige zu den Bewohnern, dann zum Beispiel wenn der Pflegebedürftige im Sterben liegt. 

Was die Beschaffung von Schutzausrüstung angeht, sei man „besorgt und beschäftigt zugleich“. Ein Notvorrat sei vorhanden. „Wir sind keine Insel der Glückseeligen, die aus dem Vollen schöpfen können“, sagt Germer und spielt damit auf die allgemeinen Lieferschwierigkeiten bei Schutzkleidung an. 

Masken kommen aus China

Die Masken würden bei verschiedenen Lieferanten bestellt. Die Lieferung erfolge in vielen Fällen aus China. Feste Lieferzeiten seien daher eher selten. Wie einige Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser sei das Seniorenzentrum außerdem gefordert, seriöse Angebote aus dem Markt zu selektieren. Personelle und zeitliche Ressourcen sind dafür erforderlich. Ganz aktuell warte man auf die Lieferung von „FFP-2“-Schutzmasken. 

Der Alltag der Pfleger hat sich dahingehend verändert, dass sie in Teams eingeteilt wurden, die möglichst nicht durchmischt werden. Auf diese Weise möchte man verhindern, dass im Fall eines Covid-19-Ausbruchs der Betrieb gefährdet ist. Bei festen Teams wäre nur eine kleinere Gruppe von Patienten und und Pflegern potenziell betroffen. Die Mitarbeitersituation sei ansonsten gut. „Es gibt keine extremen Ausfälle“, sagt Germer. 

Vorsorgliche Tests gibt es im Seniorenzentrum nicht, weder auf Seite der Bewohner noch der des Personals. Im Verdachtsfall könne aber über die Betriebsärztin ein Test gemacht werden, wie Germer sagt. 

Wichernhaus 

„Bei uns gibt es weder Betroffene noch Verdachtsfälle“, sagt Kerstin Medenbach, Leiterin des Wichernhauses. „Wir sind bislang völlig frei davon.“ Vorsorgliche Tests mit Bewohnern und Personal würden in der Einrichtung nicht gemacht. Man richte sich nach den Vorgaben des Gesundheitsamts und den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes. 

Grundsätzlich stehe Medenbach den Reihentests positiv gegenüber. „Die Bewohner und auch manche Mitarbeiter sind in dieser Situation verunsichert.“ Ein eindeutiges Testergebnis könne hier unter Umständen Klarheit schaffen. 

St. Johannes Balve 

Im katholischen Seniorenzentrum St. Johannes gibt es ebenfalls weder Verdachtsfälle noch bestätigte Infektionen. Das teilte Heimleiter Franz-Josef Rademacher mit. Was die Hygienemaßnahmen angeht, richte man sich „mindestens nach den Empfehlungen des Robert Koch Institutes“. Zusätzlich gebe es „eine sehr qualifizierte Hygienefachabteilung“, über die auch fachliche Kooperationen mit anderen Einrichtungen und Krankenhäusern stattfinden. 

Rademacher: „Unsere Sorge ist, dass es nicht gelingen könnte, dass das Virus an uns vorbei geht. Egal wie sehr wir uns bemühen.“ Lobende Worte findet der Heimleiter für sein Personal. „Wir haben tolle Mitarbeiter, die sich der Aufgabe und der Verantwortung für die Bewohner aufopferungsvoll stellen. Darauf bin ich sehr stolz, bedenkt man die Gefahren und Unsicherheiten, die es jetzt gibt.“ 

Schutzkleidung ausreichend vorhanden

Schutzkleidung sei ausreichend vorhanden, wobei das Wort „ausreichend“ mit Vorsicht zu genießen sei. „Ich vergleiche es immer mit einem Auto. Hat man einen Platten, ist der Ersatzreifen ausreichend, den man dabei hat, denn es gibt dann keine Probleme. Sind aber mehr Reifen platt, im schlechtesten Fall alle vier, kommt man natürlich schnell an seine Grenzen.“ 

Damit das in Balve im Falle des „Supergaus“ nicht passiert, sei die Einrichtung über den Verbund der Katholischen Kliniken im Märkischen Kreis, dem St. Johannes angehört, an ein Zentrallager angeschlossen, aus dem im Bedarfsfall die Mittel für Versorgung und Schutz geschöpft werden könnten. Die Einkaufspreise, die für neues Material aufgerufen werden, bezeichnet Rademacher als „horrend“. Bis zu zehn mal teurer als sonst seien die Artikel – und das nicht selten. Damit die Vorräte möglichst lange halten, sei jeder in der Pflicht, die Kleidung ressourcenschonend einzusetzen. „Wenn jeder bei kleineren Gruppenaktivitäten den Abstand einhält, kann man sich den Schutzkittel zum Beispiel sparen.“ 

Betreuungsgruppen verkleinert

Die Betreuungsgruppen seien generell verkleinert worden, um ein Ansteckungsrisiko zu minimieren. Besuch von außerhalb, zum Beispiel von Familienangehörigen, ist schon seit mehreren Wochen tabu. Für die Bewohner selbst sei die Bewegungsfreiheit im Haus aber nicht eingeschränkt. Nur eine Ausnahme gibt es: Bewohner, die neu aufgenommen werden, müssen sich für eine Woche in eine Art Zimmer-Quarantäne begeben. Sie dürfen in dieser Zeit nicht an den Gruppenangeboten teilnehmen, werden isoliert versorgt und engmaschig auf Symptome kontrolliert. 

Bei Menschen, die nach einer Behandlung im Krankenhaus zurück in das Pflegeheim kommen, gibt zwischen St. Josef und den näheren Krankenhäusern die Absprache, dass ein negatives Testergebnis vorgelegt werden muss. „Das ist eine zusätzliche Sicherheitskomponente für uns“, sagt Rademacher. Generelle Test bei den anderen Bewohnern gibt es nicht. Dafür fehlten die Ressourcen. „Und vor allem gibt es immer nur Sicherheit für den Moment.“ 

Evangelisches Seniorenzentrum Neuenrade 

„Noch ist alles im grünen Bereich“, sagt Petra Wegener, Leiterin des Evangelischen Seniorenzentrums Neuenrade. In der Einrichtung seien keine Infektionen mit dem Coronavirus bekannt. Präventive Tests gibt es nicht. 

Die Versorgung mit Schutzkleidung „läuft langsam an“, sagt Wegener. „Wir haben inzwischen Quellen aufgetan.“ Gruppenangebote seien in der Einrichtung heruntergefahren worden. Die Bewohner werden von Pflegeteams in ihren Zimmern versorgt. Die Mitarbeiter wechseln nach Möglichkeit nicht mehr zwischen den Etagen hin und her, sondern sind Bewohnergruppen zugeordnet. Einzelne Senioren dürften das Haus noch zum Spazieren verlassen. Von außen rein komme sonst aber niemand: „Wie überall gibt es ein Besuchsverbot“, sagt die Hausleiterin.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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