Mehr Leben in den Innenstädten

Läden in Werdohl, Neuenrade und Balve wieder geöffnet: So reagieren die Kunden

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Cetin Kaya vom Werdohler My Homeshop baute am Vormittag einen Folienschutz für den Kassenbereich, in dem sein Sohn arbeitet. Sein Geschäft für Haushaltswaren aller Art war gleich nach Öffnung gut besucht.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Mit Öffnung des Einzelhandels am Montagmorgen zog wieder das Leben in die Innenstädte von Werdohl, Neuenrade und Balve ein.

Die Kunden nutzten die Gelegenheit, durch die Straßen zu laufen und Besorgungen zu machen, Schuhe anzuprobieren und Bekleidung oder Haushaltswaren zu kaufen. Natürlich waren auch die Händler froh, endlich wieder Umsätze machen zu können. 

„Hygiene ist für uns nichts Neues“, meinte Susanne Büber von der Parfümerie Aurel. Jeder Lippenstiftester sei schon immer desinfiziert worden. Proben von Make-up oder Cremes werden auf dem Wattestäbchen gereicht, die Kundin muss es selbst auftragen. Der Laden, der sich einen Eingangsbereich mit dem Fotostudio Atta teilt, ist mit einer Abgrenzung versehen. Es wird immer nur eine Person ins Geschäft gelassen. Das funktioniert problemlos, die Kunden warten vor der Tür in Abständen und unterhalten sich. 

Susanne Büber von der Parfümerie Aurel in Werdohl hat schon immer sehr auf Hygiene geachtet.

Coronavirus in Werdohl: Laden geputzt und desinfiziert

Verkäuferin Hannelore Böll von Ernsting’s family freute sich ebenfalls, endlich wieder Kunden begrüßen zu dürfen. Der ganze Laden sei vorher geputzt und desinfiziert worden, Abstandsregelungen werden per Bodenmarkierung vorgenommen. Dasselbe gilt für Quick-Schuh am Brüninghaus-Platz, auch hier sind die Verkäuferinnen mit einer Plexiglasscheibe beim Kassieren geschützt. Die Kundinnen müssen sich die Schuhe allerdings selber anziehen, in Corona-Zeiten dürfen die Verkäuferinnen dabei nicht helfen. 

Hannelore Böll von Ernsting’s family in Werdohl ist mit Mundschutz und Desinfektionsmittel ausgerüstet.

Froh über den Neustart ist auch Cetin Kaya, er verkauft bei My Homeshop in Werdohl vor allem Haushalts- und Handarbeitswaren sowie Mobiltelefone vorwiegend an türkische Kundschaft. Er hat sein Geschäft auch mit einer Abschirmung im Kassenbereich ausgerüstet. Kerstin Bathe von Sport Bathe ist froh, dass sie wieder verkaufen darf. Der zwischenzeitlich eingerichtete Lieferdienst habe nur wenig gebracht. Kerstin Bathe trägt einen von einer Kundin selbst gemachten Mundschutz und meint, dass der kleine Einzelhändel generell gut mit den Abstandsreglungen umgehen kann: „Vor unseren Kleinstadt-Geschäften stehen die Leute für gewöhnlich nicht Schlange.“ Gedränge gebe es allerhöchstens an verkaufsoffenen Sonntagen. 

Hygiene steht an erster Stelle

Auch in der Balver City ist seit dieser Woche wieder deutlich mehr los. So bei Elektro Busche. „Die Stimmung ist gelöster als in den vergangenen Wochen“, hat Mitarbeiter Jochen Bendel im Vergleich zu den vergangenen Wochen festgestellt, in denen ausschließlich per E-Mail oder Telefon mit Kunden Kontakt hatte. Doch bevor bei ihm gekauft werden kann, steht die Hygiene an erster Stelle. „Erst Handdesinfektion, Mundschutz und Handschuhe am Eingang“, gibt es feste Anweisungen. Drinnen sorgen Markierungen auf dem Boden für den nötigen Abstand. Geduld ist bei Reparaturen erforderlich: „Ersatzteile aus Italien für Dunsthauben oder Spülmaschinen lassen vier bis sechs Wochen auf sich warten.“ Keine Engpässe gibt es dagegen bei Ausstellungs- und Verkaufsware wie Waschmaschine, Spülmaschine, Kühlschrank oder Trockner. 

Im Modeneck von Anke Hülsmeyer in Balve wird seit Montag wieder Kleidung verkauft.

Auch im Modeneck gilt: Händedesinfektion und Mundschutz. An der Hauptstraße steht Inhaberin Anke Hülsmeyer ihren Kundinnen seit Montag wieder mit Rat und Tat zur Seite. Sie freute sich über viele Anrufe an diesem Tag: „Die Kundinnen fragen gezielt nach Ware und wann sie am besten vorbeikommen können.“ Die Regale seien sehr gut gefüllt, die Ware bereits vor einigen Wochen eingetroffen. Hülsmeyer konnte es kaum erwarten, ihr Geschäft wieder zu öffnen: „Und auch die Kundinnen freuen sich, dass wir wieder da sind.“ Für Personen aus der Risikogruppe bietet sie nach persönlicher Anmeldung von 9 bis 10 und von 17 bis 18 Uhr von montags bis freitags ein eigenes Shopping-Zeitfenster. „Man kann wieder vor Ort einkaufen“, sagt die Inhaberin zur Lockerung der Einschränkungen. „Aber von einem super-fröhlichen Shoppingerlebnis sind wir alle noch weit entfernt.“ 

Reger Parkverkehr im Mühlendorf

Kein Zweifel besteht auch in Neuenrade: Es ist wieder mehr Leben in der Innenstadt. Bereits am Montagvormittag herrschte reger Parkverkehr im Mühlendorf, mehr Fußgänger waren unterwegs. Offenbar nutzten viele die Gelegenheit, dem Einzelhandel einen Besuch abzustatten. So herrschte am Vormittag bei Ernsting’s family reger Kundenbesuch, soweit das in Corona-Zeiten möglich ist. Die Family-Verantwortlichen hatten das Einkaufskorbsystem eingeführt, an der Kasse einen Spuckschutz aufgebaut, die Verkäuferinnen trugen Mundbedeckung. Mit der Kundenfrequenz war die Belegschaft zufrieden. Durchschnittlich gut besucht sei das Geschäft gewesen, einen Ansturm habe man nicht verzeichnen können. Positiv seien die Kundenreaktionen gewesen. Man unterstütze lieber ein Geschäft vor Ort, statt in die Großstadt zu fahren, so der Tenor. 

Resi Tolle, hier mit Freundin Daniela Wernicke, ist hochzufrieden mit dem ersten Öffnungstag.

Hochzufrieden mit dem ersten Öffnungstag war Resi Tolle. Reichlich Kunden habe sie in ihrem Nähgeschäft gehabt. Zudem würden von überall her Personen kommen, um die genähten Gesichtsbedeckungen zu kaufen. 

Kundschaft muss diszipliniert werden

Bei SP:Baron musste Verkäuferin Heidemarie Jakob die Kundschaft disziplinieren, damit sie Abstand hält. Die Kundenfrequenz sei bis mittags nicht übermäßig gewesen, viele hätten aber auch angerufen, um zu erfahren, ob das Geschäft geöffnet habe. 

Anja Gester-Schwarzer vom gleichnamigen Lotto-, Tabak- und Zeitschriftengeschäft hatte ohnehin ihr Ladenlokal geöffnet. Durch die Freigabe für den Einzelhandel habe sie am Montag nicht unbedingt mehr Umsatz gehabt. Aber sie freut sich, dass viele Kunden ihr bislang „die Treue gehalten“ hätten. 

Ein paar Kunden mehr hatte Volker Cremer vom Geschäft Kettler-Cremer gestern wegen der gestiegenen Kundenfrequenz in der Stadt. Er hatte sein Geschäft an der Ersten Straße in den vergangenen Wochen zwar ohnehin wegen des Fahrkartenverkaufs und der Annahme- und Abgabestelle für Pakete und des Zeitschriftenverkaufs geöffnet. Eine erhebliche Mehrfrequenz konnte er jetzt jedoch am Paketschalter verzeichnen: „Alles Rücksendungen von Internetbestellungen.“ 

Cremer hatte bislang massiv unter der Corona-Krise zu leiden, die Einnahmen gingen um rund zwei Drittel zurück. Nun hofft Volker Cremer auf eine schnelle Auszahlung des bereits bewilligten Landeszuschusses.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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