Vorbereitungen benötigen Zeit

Gottesdienste ab Mai wieder möglich: Gemeinden überrascht und skeptisch

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Pfarrer Dieter Kuhlo-Schöneberg freut sich darauf, bald wieder Gottesdienste in der evangelischen Kirche in Neuenrade abhalten zu können.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Die Ankündigung von Ministerpräsident Laschet, dass in NRW ab 1. Mai wieder Gottesdienste mit „unbegrenzter Teilnehmerzahl“ stattfinden dürfen, hat die hiesigen Gemeinden in jedem Fall überrascht und zum Teil auch Skepsis hervorgerufen.

Für die Protestanten im Evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg hatte am Freitag sehr schnell Superintendent Klaus Majoress reagiert. Eine Wiederaufnahme des Gottesdienst-Betriebs sei in den Gemeinden frühestens ab dem 10. Mai möglich, manche würden erst ab Pfingsten wieder öffnen, manche sogar noch später. Jede Gemeinde und jedes Presbyterium brauche Zeit, individuell abgestimmt für jede Kirche ein Konzept zu erarbeiten. Majoress: „Sitzmöglichkeiten müssen mit einem Abstand von 1,50 Meter mindestens in alle Richtungen gekennzeichnet werden. Laufwege und Abstandsregularien sind sicher zu stellen. Mundschutzmasken sind zu besorgen.“ 

Werdohls evangelischer Pfarrer Dirk Grzegorek hält diese Marschrichtung des Kirchenkreises für klug. „Wir haben bis einschließlich 3. Mai unsere Online-Gottesdienste durchgeplant.“ Er habe Verantwortung für die Menschen und werde „nicht aktivistisch und nicht hektisch“ reagieren. Am 30. April werde sich das Presbyterium treffen und sicher „gut durchdachte Lösungen“ entwickeln. Grzegorek: „Ich springe nicht über jedes Stöckchen, das mir hingehalten wird.“ 

Coronavirus in Werdohl und Neuenrade: Was ist mit dem Küsterdienst?

Ähnlich überrascht und skeptisch zeigte sich auch Pfarrer Irenäus Wojtko für die Katholiken in Werdohl und Neuenrade. Die Verantwortlichen in der Pfarrei wollen sich in der kommenden Woche bei einer Videokonferenz darauf abstimmen, wie sie Regelungen zur Öffnung der Kirchen für Gottesdienste hinbekommen können. Pater Irenäus hält diese frühe Öffnung für riskant: „Wie soll ich den Küsterdienst organisieren? Das sind alles Leute aus der Risikogruppe.“ Wie gehe man mit der Benutzung von Gesangbüchern um, wie sollen die Leute daran gehindert werden, nach dem Gottesdienst nicht noch zusammen zu stehen? Was bedeute die Öffnung für eine unbegrenzte Personenzahl? Als Gemeindepfarrer warte er auf konkrete Regelungen vom Bistum. Die Erklärung von Ministerpräsident Laschet lasse zu viel Raum für Interpretationen, das könne schnell gefährlich für die Gesundheit der Gemeindemitglieder werden. Wojtko wurde intern dafür kritisiert, St. Michael abgeschlossen zu haben, während andere Kirchen in der Nähe geöffnet blieben. Pater Irenäus verteidigt sich: „In meiner Verantwortung habe ich die Entscheidung getroffen: Die Kirche ist zu.“ Die Gesundheit aller gehe vor. 

Der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Neuenrade, Dieter Kuhlo-Schöneberg, freut sich schon darauf, dass ein traditioneller Gottesdienst in seinem Kirchenkreis ab 10. Mai wieder möglich ist. Unter Berücksichtigung der Hygiene- und Abstandsregelungen sei die Gemeinde in der Lage, 50 Personen in der Kirche unterzubringen – ohne Empore. „Wir überlegen auch, zwei Gottesdienste am Vormittag anzubieten. Ich glaube aber nicht, dass das am Anfang nötig sein wird“, sagt Schöneberg. 

Möglichkeit der offenen Kirche

Bis die Gottesdienste wieder beginnen, verweist Kuhlo-Schöneberg auf das Konzept der offenen Kirche, das durchaus in Anspruch genommen werde. Bleibt noch zu erwähnen, dass durch die Corona-Pandemie auch in der Neuenrader Gemeinde die Digitalisierung eingezogen ist: Höchst zufrieden sei er mit den Gottesdiensten per Video gewesen, sagte der Pfarrer. 140 bis 230 Online-Besucher habe man erreichen können, 80 Besucher gebe es in der Regel bei einem „normalen Gottesdienst“. Der Pfarrer freut sich, dass sich so neue Kanäle aufgetan hätten. Gleichwohl sei ein Live-Gottesdienst noch etwas ganz anderes. 

„Auf der Ebene des für uns zuständigen Dekanats Märkisches Sauerland wurde festgelegt, dass wir ab dem 4. Mai zunächst mit Werktagsgottesdiensten beginnen“, sagt Pfarrer Andreas Schulte, Pastoralverbund Balve-Hönnetal. Seine evangelische Amtskollegin, Pfarrerin Antje Kastens, ist noch etwas eher dran: „Wir können am 3. Mai starten.“ Ihre Balver Gemeinde sei die erste, die das Hygienekonzept des Kirchenkreises Iserlohn umsetze. 

Coronavirus in Balve: Mindestabstand von 1,5 Metern

„In der Kirche gilt ein Abstand von 1,5 Metern, so dass sich die Teilnehmerzahl sehr reduzieren wird. Und auf der Empore muss Abstand zur Brüstung gehalten werden, damit kein Atemnebel nach unten fällt.“ Außerdem werde auf die Nutzung der Schleusengänge für den Ein- und Ausgang geachtet. „Das ist kein Vergleich zum normalen Gemeindeleben und Gottesdienst“, betont die Pfarrerin. Aber es sei ein Anfang und ein Zeichen, um geistliche Gemeinschaft wieder erleben zu können. Das Internet sei dafür kein dauerhafter Ersatz. 

Pfarrer Andreas Schulte sieht den 4. Mai als „sportliche Herausforderung“, die nun zeitnah in Absprache mit dem Team der hauptamtlichen Mitarbeiter und auch dem Netzwerk der katholischen Kirche im Hönnetal umzusetzen sei. „Wir müssen Hygienevorschriften, Abstandsregeln und auch einen Ordnungsdienst in unsere Überlegungen mit einbeziehen.“ Dass der auf Dekanatsebene vereinbarte Anfang mit den Werktagsgottesdiensten gemacht werde, sei eine gute Gelegenheit, die Abläufe einzustudieren. 

Beide Kirchengemeinden wollen weitere Informationen in den nächsten Tagen bekannt geben, nachdem Gespräche mit dem Ordnungsamt geführt wurden.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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