Kunden halten die Treue

Corona-Bilanz der Einzelhändler: Der Optimismus ist noch da

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Ins Balver Modeneck kommen die Kunden wieder. Inhaberin Anke Hülsmeyer ist zufrieden. Während des Lockdowns schneiderte sie unter anderem Masken und entwarf Klopapier-Banderolen.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Ob Modegeschäft, heimische Delikatessen, Schuhe, Haushaltswaren und Teppiche oder Schmuck: Die Inhaber dieser Geschäfte hatten allesamt unter den Kontaktbeschränkungen zu leiden.

Gut drei Wochen nach der Wiederöffnung der ersten Geschäfte ziehen die Einzelhändler Bilanz. 

Ihnen gemeinsam ist eine gewisse Leidensfähigkeit, Optimismus und zum Teil unternehmerische Findigkeit, um zu überleben. Auch, dass die Wirtschaft ein gigantisches, aufeinander abgestimmtes Netzwerk ist, bekommen die Einzelhändler zu spüren. 

Coronavirus in Balve: Im Modeneck läuft es wieder rund

So läuft es wieder rund im Modeneck bei Anke Hülsmeyer in Balve. Die gelernte Schneiderin bietet in ihrer Boutique Damenmode an. Sie reagierte schnell auf die Corona-Pandemie, schneiderte stylische Schutzmasken. Um diese den Balvern auch verkaufen zu können, als ihr Laden noch geschlossen war, suchte sich Hülsmeyer besondere Vertriebswege. 

Ihre Herren-, Damen- und Kindermasken bot sie über das Balver Blumenstübchen und den Garbecker Markt an. Außerdem meldete Hülsmeyer eine Maßschneiderei als Gewerbe an. Sogar eine Firma wurde auf ihre Produkte aufmerksam. 

Sprüche für Klopapier-Banderolen

In der Hochzeit des Klopapier-Absatzes versuchte die Balverin zudem von diesem Boom zu profitieren, indem sie Toilettenpapier-Banderolen mit Sprüchen entwarf. „Eine Nacht lang saß ich am Küchentisch und dachte mir Sprüche aus“, erinnert sich Hülsmeyer. Seitdem sie ihren Laden wieder öffnen darf, ist die Boutique-Besitzerin mit der Kundenfrequenz zufrieden – auch wenn die Älteren verhaltener einkaufen würden. Dies gleicht Hülsmeyer mit dem Schneidern der Masken und Banderolen aus, die weiterhin gut nachgefragt würden. 

Im Neuenrader Spezialitätenhaus Gaumenreiz dagegen hofft Margot Kuschmiersz dringend auf mehr Kunden. Sollten die Kontaktbeschränkungen weiter gelockert werden, hofft sie Geschenkkörbe und ähnliches wieder verstärkt verkaufen zu können. Geburtstage, Partys und andere Events würden diesem Geschäft dann hoffentlich einen Schub verleihen. 

Coronavirus in Neuenrade: Kurz vor dem Lockdown noch investiert

Bevor die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ihr Geschäft ziemlich zum Erliegen brachten, hatte die Inhaberin noch investiert. Um Milchprodukte waren der Laden erweitert und eine kleine Café-Ecke eingerichtet worden. Deshalb hatte Kuschmiersz auch eine teure Profi-Kaffeemaschine gekauft. „Über Wasser gehalten haben wir uns mit dem Lieferservice“, sagt sie. 

Die vor Corona neu eingerichtete Café-Ecke im Spezialitätenhauses Gaumenreiz in Neuenrade ist verwaist.

Auch in Werdohl haben viele Einzelhändler die Anti-Corona-Maßnahmen mit aller Härte zu spüren bekommen. Bei Schuh Brockhaus hat Inhaberin Andrea Brockhaus-Passenheim während der Schließung alle erlaubten Vertriebswege genutzt, um Schuhe zu verkaufen. Auf Facebook und Instagram war sie unterwegs, machte so durchaus Geschäfte und hatte einiges zu tun, um auszuliefern. 

Einkaufsatmosphäre trotz Maskenpflicht

Seit der Wiederöffnung versucht sie, den Kunden den Aufenthalt in ihrem Laden so angenehm wie möglich zu machen – trotz Acrylglas und Maskenpflicht: „Ich möchte eine schöne Einkaufsatmosphäre schaffen.“ Dennoch fehlt ihr natürlich der Umsatz aus der Zeit des coronabedingten Lockdowns. Und die Zukunft birgt weitere Herausforderungen: So lange Hochzeiten nur im kleinsten Kreis und andere Events gar nicht erlaubt sind, kauften die Kunden dafür natürlich auch keine Schuhe. Stark nachgefragt würden derzeit stattdessen bequeme Schuhe, „Renner für den Wald“ und Hausschuhe. 

Als bereichernd habe sie zuletzt die Nähe zu den Kunden empfunden. „Jeder hat ja sein Päckchen zu tragen. Es hat viele nette Gespräche gegeben. Und ich habe viel Solidarität erfahren“, sagt Andrea Brockhaus-Passenheim, die deshalb optimistisch in die Zukunft blickt. 

Staatlicher Zuschuss hilft in der Krise

Das tut auch Cetin Kaya, der an der Bahnhofstraße das Haushaltswarengeschäft My Homeshop führt. Er betreibt das Geschäft alleine und hat die schwierigen Zeiten gut überlebt, auch dank des staatlichen Zuschusses. Als der Einzelhandel wieder öffnen durfte, lief es zunächst gut. „Am Anfang, in der ersten Woche, war es sehr schön. Ich war sehr zufrieden.“ Jetzt habe es nachgelassen, und Kaya hofft, dass „die Nachfrage wieder anzieht“. 

Dass es momentan schlecht läuft, führt der Unternehmer auf die Kurzarbeit vieler Werdohler zurück. „90 Prozent der Menschen, die ich anspreche und frage, wie es geht, sagen mir, sie müssten Kurzarbeit machen“, so der Shop-Inhaber. Deshalb habe er zwar Bedenken, verliere aber nicht seinen Optimismus. 

Trauring-Geschäft liegt brach

Der Werdohler Juwelier und Uhrmachermeister Dirk Holtschmidt hat in der Zeit des Lockdowns schnell und unbürokratisch Zuschüsse erhalten, zudem konnte er mit seinem Reparaturgeschäft und Kurzarbeit überleben. Er ist nun zufrieden: „Es ist ganz gut wieder losgegangen.“ Nur das Trauring-Geschäft liege brach. Übrigens freut sich Dirk Holtschmidt über etwas ganz Besonderes: die Wertschätzung der Kunden für ihr Geschäft vor Ort.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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