Stadt investiert 800.000 Euro

Digitale Schule: Schneller mit Corona

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Über die nagelneuen LED-Beamer unter der Decke eines Unterrichtsraums in der Realschule freuen sich Reinhardt Haarmann von der Schulabteilung der Stadt, Schulleiter Oliver Held und Volker Stöckel von der technischen Abteilung der Stadt (von links). Buchseiten und digitale Inhalte können ganz leicht per Tablet auf die Leinwand projiziert werden, bei der LED-Technik entfällt die sonst übliche Aufwärmzeit.

Werdohl – Die Stadt investiert mithilfe von Fördermitteln mehr als 800 000 Euro in die digitale Ausstattung der Schulen – dank Corona konnte die Aufrüstung der Realschule schneller als geplant durchgezogen werden.

Zuerst war die Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) an der Reihe, jetzt sind Marvin Klimach und Volker Stöckel von der städtischen IT-Abteilung mit der Realschule so gut wie durch. 

Einen Unterschied in der Finanzierung gibt es dennoch: Die Digitalisierung der AEG ist mit Mitteln aus „Gute Schule 2020“ finanziert worden, bei der Realschule wird Geld aus der ganz normalen Schulpauschale des Landes genommen. Der Grund: Die Realschule läuft in fünf Jahren aus, die Refinanzierung der Mittel aus „Gute Schule“ ist aber auf 20 Jahre ausgelegt. 

Schulleiter Held: "Kluge" Entscheidungen

Schulleiter Oliver Held bedankt sich bei der Stadt Werdohl als Schulträger und bezeichnet die getroffenen Entscheidungen als „klug“. Das ist besonders bemerkenswert vor dem Hintergrund, dass Held seit Jahren als Ratsherr für die Grünen in Altena Abläufe und Zusammenhänge in Stadtverwaltungen bestens bekannt sind. Held benutzt hier in Werdohl fast schon Superlative: „Wir können die Schule völlig neu aufgestellt präsentieren. Wir sind in einer neuen Dimension angekommen.“ 

In der Tat geraten gedruckte Schulbücher, Fotokopien sowie Kreide und Tafel angesichts der neuen Technik in eine steinzeitliche Anmutung. 

Insgesamt zwölf Beamer

Blitzschnell einsatzbereit ist jeder der insgesamt zwölf LED-Beamer unter den Decken der Unterrichtsräume, um jeglichen digitalen Inhalt auf die Leinwand zu werfen. Gesteuert wird das ganz einfach per Tablet aus der Hand der Lehrerin. Noch nicht einmal die Jalousien müssen heruntergelassen werden, dazu klingt die begleitende Sprache bestens verständlich aus den Boxen im Klassenraum. Der übersteuerte CD-Spieler ist jetzt schon so überflüssig wie bald der Fotokopierer. 

Marvin Klimach und Volker Stöckel von der städtischen IT-Abteilung stehen neben dem Serverschrank. Der alte Rechner unten wird in den nächsten Tagen ausgetauscht, der neue Netzwerkspeicher ist schon da.

Doch Beamer und Boxen sind letztlich nur Ausgabegeräte, die eigentliche Revolution kommt noch in Form von Tablets der Firma Apple, die überall verbreiteten iPads. Zwei Klassensätze zu je 32 Geräten werden kurzfristig für die Realschule angeschafft, damit wird – vermutlich nach den Sommerferien – digitales Lernen direkt über das Endgerät möglich sein. Für die sichere Vernetzung aller Geräte in der Schule inklusive des individuell passwortgeschützten Zugangs für die Lehrer haben Stöckel und Klimach zusammen mit Mitarbeitern der Werdohler Firma Meschede gesorgt. 

W-Lan-Ausleuchtung

Eine sogenannte W-Lan-Ausleuchtung hatte ergeben, an welchen Stellen im Gebäude Zugangspunkte ins Internet einzurichten waren. Bis dahin musste mancher Meter Netzwerkkabel verlegt werden. Ein neuer Server-Schrank mit neuen Switches ist verbaut, der letzte Alt-Rechner weicht in den nächsten Tagen einem modernen Netzwerkspeicher. Die Steuerung der modernen Beamer in der Realschule erlaubt sogar über Miracast-Schnittstellen Zugänge von Laptops mit dem alten Betriebssystem Windows 7, denn längst nicht jeder Lehrer-Laptop läuft mit Windows 10. Miracast verbindet natürlich auch Android-Geräte mit der eigenen Welt von Apple-TV. 

Corona hatte in diesem Fall etwas doppelt Gutes: Zum einen zwang das Virus alle Schulen, sich grundsätzlich digitale Wege zu den Schülern zuhause zu erarbeiten. Zum anderen hatten die Techniker länger als nur in den Osterferien ein freies Arbeitsfeld im Gebäude. Schulleiter Oliver Held blickt noch weiter in die Zukunft: Ihm schwebt vor, dass jeder Schüler in allen Klassen ab Jahrgang 7 oder 8 ein eigenes Endgerät hat. Dazu müssten selbstverständlich Absprachen mit den Eltern getroffen werden, schließlich müssen die Geräte geleast oder finanziert werden. Held verspricht: „Dann hat jeder zuhause und in der Schule immer dasselbe Endgerät.“ Theoretisch kann das Gerät sogar alle Bücher und Hefte ersetzen. Dazu braucht es aber mindestens ein Jahr Vorlauf. 

Coronaviris un Werdohl: Übergang wird anspruchsvoll

Auch für die Lehrerinnen und Lehrer ist der Übergang in die digitale Zukunft anspruchsvoll. Schulbücher als E-Book, verknüpft mit Links zu weiteren Inhalten im Netz erfordern eine andere pädagogische Herangehensweise als Frontalunterricht mit Overheadprojektor. 

Zum Schluss spricht noch einmal ein dankbarer Schulleiter, Oliver Held, mit Hinblick auf die auslaufende Werdohler Realschule: „Wenn jemand keine Zeit zu verlieren hat, dann wir. Schön, dass die Stadt als Schulträger so aufs Gas getreten hat.“

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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