Videochat ist die Lösung

So umgehen Oma und Enkelin legal das Kontaktverbot

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Direkten Kontakt mit Familie und Freunden vermeidet Darlyn Leibhold derzeit, mit ihrer Großmutter spricht sie stattdessen per Videotelefonat.

Werdohl - „Im Moment ist es richtig schlimm. Ich mache fast nichts anderes mehr“, sagt Darlyn Leibhold. Die Werdohlerin spricht von der Zeit, die sie momentan in sozialen Netzwerken verbringt, um sich mit ihren Freunden und Verwandten auszutauschen.

„Ich wechsle quasi nur noch zwischen WhatsApp, Instagram, Facebook und Snapchat hin und her“, berichtet Leibhold. Vielen Menschen geht es derzeit wohl ähnlich und sie nutzen die sozialen Netzwerke stärker denn je. Der Grund: In Nordrhein-Westfalen und weiten Teilen Deutschlands gilt seit Wochenbeginn eine Kontaktsperre. Treffen mit Freunden sollen hinten anstehen, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Darlyn Leibhold hält sich an die Vorgaben. Sie sucht lieber Alternativen, statt sich darüber hinwegzusetzen. Den persönlichen Kontakt herunterzufahren, fiel ihr aber trotzdem nicht leicht. Denn normalerweise trifft sich die 20-Jährige gerne mit Freunden und der Familie.

Fünf-Stunden-Telefonat mit der Freundin

Hinzu kommt, dass sie im Moment eigentlich viel Zeit hätte, um Freunde zu sehen oder etwas zu unternehmen. Als Integrationshelferin in der Grundschule Kleinhammer ist sie nämlich von den Schulschließungen bis zum 19. April betroffen.

Statt sich Face to Face mit Freunden zu treffen, telefoniert sie jetzt öfter. „Mindestens doppelt so viel wie vorher“, schätzt Leibhold. Erst kürzlich habe sie mit einer Freundin fünf Stunden per Handy gesprochen.

Aber auch mit Verwandten telefoniert sie mehr: Mit ihrer Großmutter zum Beispiel, obwohl die direkt nebenan wohnt. Ihre Oma, erzählt Darlyn, habe jetzt das Videotelefonieren für sich entdeckt. „Im Fernsehen lief wohl ein Bericht darüber, wie man per WhatsApp Videoanrufe startet. Kurz darauf klingelte mein Handy – meine Oma war dran“, schildert sie die amüsante und völlig unerwartete Situation.

Oma wollte das nur einmal ausprobieren

Die 74-Jährige hatte ausprobieren wollen, was der Moderator im Fernsehen erklärte. Seitdem sei sie total begeistert von Videotelefonaten. Regelmäßig sehen Darlyn Leibhold und ihre Großmutter sich in diesen Tagen von Bildschirm zu Bildschirm.

Zuhause schmeißt die Werdohlerin momentan ein Stück weit den Haushalt. Unter anderem kocht sie regelmäßig, um sich zu beschäftigen. Das bereitet ihr nicht nur Freude, sondern sie unterstützt so auch ihre Eltern. Die müssen nämlich ganz normal arbeiten: „Maschinen im Homeoffice zu bauen ist eben schwierig“, scherzt sie. 

Ihr jüngerer Bruder ist ebenfalls zu Hause. Weil die Friseure geschlossen haben, hat sie ihm in dieser Woche einen frischen Haarschnitt verpasst. „Es ist viel besser geworden als ich dachte“, sagt sie stolz.

Ihr Bruder hatte am Dienstag Geburtstag. Die Feier muss er wegen des Kontaktverbots noch eine ganze Weile vor sich her schieben.

Wegen Coronavirus: Bewerbungsgespräche auf Eis

Darlyn Leibhold macht das gerade gezwungenermaßen mit einigen Bewerbungsgesprächen, die in den nächsten Wochen hätten stattfinden sollen. „Ich sitze da ein bisschen auf heißen Kohlen“, sagt sie, und hofft, dass die Gespräche nachgeholt werden.

Die zwei Jahre seit dem Abitur hatte die 20-Jährige in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Sie absolvierte unter anderem einen Bundesfreiwilligendienst an einer Lüdenscheider Förderschule. Nun wollte sie aber in die Ausbildung starten.

Genauso auf Eis wie die Bewerbungsgespräche liegen die Übungen und Erste-Hilfe-Kurse bei den Maltesern. Als engagiertes Mitglied des Hilfsdienstes nahm sie sonst immer an den Aktionen teil. Auch das Aufräumen und Renovieren der Dienststelle pausiert zwangsweise. Darlyn und ihre Kollegen sind jetzt in Bereitschaft, um helfen zu können, falls sie gebraucht werden.

Alle Informationen rund um das Coronavirus im MK gibt es hier.

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