Genau getaktete Übergaben

Werdohler Tafel: Ausgabe an Bierzelttischen

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Knapp zwei Jahre brauchte das Diakonische Werk, um ein ansprechendes Schild an das „Haus der Diakonie“ am Kirchenpfad anzubringen. Heike Schäfer (links) und Anne Jahn stellten vor, wie die Tafel dort ihre erste Ausgabe zu Corona-Zeiten plant.

Werdohl – Die letzte normale Ausgabe der Tafel im Haus der Diakonie am Kirchenpfad war im Januar. Der Februar fiel wegen einer Sturmwarnung aus, ab März herrschte Corona.

Nach ersten Lockerungen konnten die Tafel-Ausgaben April und Mai in einen Lieferservice umgewandelt werden. Ende Juni wollen die Ehrenamtlichen zum ersten Mal wieder mit Lebensmittel gefüllte Kisten direkt an Kunden ausgeben. 

Heike Schäfer von der Freiwilligenzentrale des Diakonischen Werkes in Plettenberg hat sich jede Menge Gedanken gemacht, wie eine solche Tafelausgabe aussehen kann. Haltbare Lebensmittel werden am Dienstag, 23. Juni, bei Edeka Tank zugekauft. Nach dem Wegfall der Rewe-Lebensmittelabteilung im WK habe die Tafel mit Heiko Tank einen neuen Partner gefunden. Die Zusammenarbeit mit dem WK habe jahrelang „supergut“ geklappt, so Heike Schäfer bei einem Pressegespräch im Haus der Diakonie am Kirchenpfad. 

Coronavirus in Werdohl: Unsicherheit über Spendenaufkommen

„Wie viele Spenden wir insgesamt bekommen, können wir nicht abschätzen“, so Schäfer. Der Zukauf von haltbaren Lebensmitteln werde durch Spendengeld finanziert. Die Tafel-Fahrer holen zudem überschüssige frische Lebensmittel von weiteren Partner-Betrieben ab. 

Die Kisten für die Kunden werden am Mittwoch, 24. Juni, im Haus der Diakonie gepackt. Viele der ehrenamtlich mitarbeitenden Frauen seien älter und schafften keinen ganzen Arbeitstag, außerdem müssen die Ehrenamtler beim Packen Abstände einhalten. Sortiert und gepackt wird an dem Dienstag in einer Vormittags- und einer Nachmittags-Schicht. „Wir wissen nicht, was hereinkommt, diese Erfahrung müssen wir machen“, so Heike Schäfer. 

Ausgabe zieht sich über zwei Tage

Die eigentliche Tafelausgabe geht an zwei Tagen über die Tische: Donnerstag, 25. Juni, von 10 bis 17 Uhr und Freitag, 26. Juni, von 10 bis 13 Uhr. Es wird drei parallele Ausgabestellen in Form von Bierzelttischen geben, die den Abstand zwischen Kunde und Ehrenamtler markieren. Die grüne Lebensmittelkiste ist weitgehend vorgepackt, der Kunde kann in gewissem Rahmen persönliche Vorlieben äußern. „Wenn einer zum Beispiel keinen Blumenkohl mag, bekommt er stattdessen vielleicht Möhren“, so Schäfer. Das sei auch schon vorher gängige Praxis gewesen. Nach dieser kurzen Umsortierung bekommt der Kunden die Kiste über den langen Weg des Tisches geschoben. Dort nimmt er die Kiste und geht zu einem anderen Tisch, wo die Lebensmittel in eigene Taschen umgepackt werden. 

So ähnlich sieht es üblicherweise in den Räumen der Werdohler Tafel aus, Heike Schäfer vom Diakonischen Werk nimmt eine Spende entgegen. Ab sofort werden die gefüllten grünen Kisten draußen auf dem Vorplatz fertig gepackt an die Kunden herausgegeben. Wie viel zusammen kommt, weiß im Moment niemand.

Jedem Kunden wird ein fünfminütiges Zeitfenster für die Übergabe zugeteilt. Es ist absolut unerlässlich, pünktlich zu sein. Wer zu spät kommt, kann nicht berücksichtigt werden. Zum Schutz aller und um die Kontaktbeschränkungen einzuhalten, sei diese Taktung notwendig. 

Es könnte Probleme geben

Dennoch könnte es Probleme geben, so Heike Schäfer. Die Kundschaft komme in der Regel auch, um miteinander zu sprechen. In früheren Zeiten war deshalb extra ein Café im Hause geöffnet. Die Tafel war ein Treffpunkt, die Leute brachten ihre Kinder mit. Das alles geht in Corona-Zeiten nicht. „Wir bitten die Kunden deshalb nach der Übergabe, sofort per Einbahnregelung das Gelände wieder zu verlassen“, so Schäfer. Zudem würden Markierungen angebracht. Schäfer: „Diese Neuorganisation bringt für alle Seiten Unsicherheiten mit.“ 

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

Die Zahl der Kunden dürfte sich verringert haben: In besten Zeiten konnten 140 Haushalte versorgt werden, durch den Lieferdienst waren es nur rund 100. Zur Ausgabe Ende Juni werden 120 Haushalte eingeladen. 

Jörg Wonneberger nicht mehr länger Leiter

Eine Personalie hat das Diakonische Werk zu vermelden: Jörg Wonneberger, zwei Jahre geringfügig bezahlter Verantwortlicher für die Tafel, hat sich aus persönlichen Gründen von der Arbeit zurückgezogen. Eine neue Leitungsperson für die Werdohler Tafel gibt es nicht, die Arbeit ist auf einzelne Teams aufgeteilt worden. Schäfer: „Wir haben keine neue Leitung gesucht, wir haben knapp 30 Ehrenamtliche mit sehr großem Potenzial.“ 

Die Werdohlerin Anne Jahn arbeitet seit zehn Jahren für „Wohl Zu Hause“ des Diakonischen Werks. Sie hat durch eine Corona-Finanzierung der Aktion Mensch für ein Jahr mehr Stundenanteile bekommen und unterstützt die Arbeit der Freiwilligenzentrale und damit auch der Werdohler Tafel.

Kontakt zur Tafel: Heike Schäfer, Telefon: 02391/954029.

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