Betrieb verschenkt Schutzmasken

Coronakrise: Auch Smartwatch-Unternehmen ist nicht immun gegen das Virus

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Katrin Hanel (rechts) und Annika Dittmann leiten den Betrieb der Firma Xlyne am Kettling. Das Unternehmen assembliert und verkauft Smartwatch-Uhren der Marke X-Watch. Weil der Geschäftsbetrieb stark unter Corona leidet, wollen die Frauen etwa 500 der gerade nicht benötigten Mundschutzmasken an Pflegebetriebe in Werdohl und Umgebung abgeben.

Werdohl – Die am Kettling ansässige Firma Xlyne hat 500 Mundschutzmasken übrig, die im Unternehmen derzeit nicht gebraucht werden.

Der Betrieb entwickelt Smartwatch-Uhren und vertreibt sie unter der Marke X-Watch. Wegen der Corona-Krise werden jetzt kaum noch Uhren verkauft, der Firma steht bald das Wasser bis zum Hals. Die Masken tragen normalerweise die Mitarbeiter bei Montage und Verpackung der Uhren. 

In einer ersten Vermittlung über Radio MK konnte der Werdohler Betrieb einige hundert Masken an eine Pflegeeinrichtung in Halver weitergeben. Vom dortigen Seniorenzentrum Bethanien aus ist eine Weiterverteilung an pflegerische Betriebe organisiert worden. Etwa 500 weiterer Mundschutzmasken sind bei Xlyne derzeit übrig. Sie sollen an pflegerische Betriebe oder Einrichtungen in Werdohl verschenkt werden. Es soll keine Abgabe an Privatpersonen oder in kleinen Chargen geben, da sind sich die beiden leitenden Mitarbeiterinnen von Xlyne einig. 

Coronavirus in Werdohl: Gearbeitet wird im Homeoffice

Nur für den Pressetermin sind Katrin Hanel vom Vertrieb und Finanzbuchhalterin Annika Dittmann in die Firma gekommen, seit Corona arbeiten sie im Homeoffice. Produktion und Reparatur sind so gut wie verwaist. Geschäftsführer Oliver Geibel, der den Werdohler Betrieb aus einer kleinen Koblenzer Filiale heraus leitet, will seine Mitarbeiterinnen schützen. Der Zutritt zu den Fertigungsräumen ist deshalb nicht möglich. Das Gespräch findet im Besprechungsraum der Firma am Kettling statt. 

Schon allein die Firmengeschichte ist spannend: Xlyne (gesprochen X-Lein) wurde 2012 in Neuenrade als Tochterunternehmen der SK Holding gegründet. Zunächst wurden ausschließlich mobile Datenträger vermarktet: DVD- und CD-Rohlinge, USB-Sticks und SD-Speicherkarten. 2015 zog Xlyne von Neuenrade in das schöne Natursteinhaus am Rande von Werdohl um. Seitdem entwickelt und vertreibt die Firma Smartwatches unter dem Markennamen X-Watch. Die am Handgelenk getragenen Displays zeigen über Sensoren neben der Uhrzeit vor allem Bewegungs- und Körperwerte an. Die Smartwatches sind kompatibel mit den beiden gängigen Betriebssystemen Android und IOS von Smartphones. 

Ware wird in China gefertigt

Die Ware wird in China gefertigt und in Werdohl assembliert. An die Gehäuse werden verschiedene Armbänder montiert und verpackt. Die Entwicklung der Funktionen und der Apps der Smartwatches stammt vollständig aus Werdohl. Die Uhren sollen keine Konkurrenz zur sehr viel teureren Apple-Watch sein, sondern wenden sich mit Verkaufspreisen um die hundert Euro an Einsteiger. Der Endkunde kann – normalerweise – die X-Watches im Online-Shop oder über Amazon bestellen oder in einem der großen Elektronik-Märkte wie Saturn, Mediamarkt oder Euronics kaufen. 

Die Firma Xlyne ist seit 2015 in diesem alten Gebäude am Kettling untergebracht. Im Normalfall sind dort rund zehn Mitarbeiter mit der Endfertigung und dem Verkauf hauptsächlich von Smartwatches beschäftigt.

Seit Anfang des Jahres laufen die Geschäfte schlechter. Im Januar und Februar kam keine Ware aus China, die Lieferketten waren unterbrochen. Anfang März wurden große Mengen Ware auf Vorkasse bestellt. Jetzt aber ist der Fachhandel komplett geschlossen, auch Amazon nimmt keine Waren mehr ab. Finanziell wird es jetzt sehr eng für den Betrieb. „Weihnachten und Ostern explodierte unser Geschäft regelmäßig“, so Hanel. Gerade einmal noch zehn Prozent des sonst üblichen Umsatzes werde momentan erreicht. Geschäftsführer Geibel: „Wir haben bei Lieferanten, Finanzämtern, Banken und Krankenkassen Stundungen beantragt, da die flüssigen Mittel im April sehr kritisch werden.“ 

13 Mitarbeiter in Werdohl

In Werdohl arbeiten 13 Menschen bei Xlyne, darunter zwei Auszubildende, es gibt Aushilfen und Werkstudenten. In Koblenz sind fünf Mitarbeiter beschäftigt. Freitag hatte Dittmann online den Antrag auf Kurzarbeit gestellt. Einen Betriebsrat gibt es bei Xlyne nicht, alle Mitarbeiter haben sich einverstanden erklärt. „Samstagmittag bin ich durchgekommen“, so Dittmann, „da hieß es, das mein Antrag erfolgreich gewesen sei.“

Wer möglichst alle Masken für einen pflegerischen Betrieb oder eine Einrichtung abnehmen möchte, wendet sich per E-Mail an khanel@xlyne.com.

Mehr zum Coronavirus und die Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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