Eine Tour durch acht Kommunen

Coronavirus im Lennetal: Das ist los an den Touristen-Hotspots

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Wo sonst am Wochenende kaum ein Parkplatz zu bekommen ist, herrscht am Samstag gähnende Leere: Am AquaMagis in Plettenberg.

Lennetal – Was kann man in Corona-Zeiten eigentlich noch machen? Und unternimmt am Wochenende eigentlich noch irgendjemand irgendwas? Die Redaktion hat nachgeschaut an den Touristen-Hotspots in der Region und im Lennetal.

Samstag, 10.15 Uhr: Das Wetter ist gut, 10 Grad, blauer Himmel, strahlender Sonnenschein. Erste Station: Der Wanderparkplatz auf der Nordhelle bei Herscheid. Die Parkplätze sind hier fast alle belegt, nur wenige Lücken tun sich auf. Die Nordhelle mit den verschiedenen Rundwegen ist ein beliebtes Ziel – nicht nur bei Märkern. Gut erkennen lässt sich das auch an den Kennzeichen der Fahrzeuge, die auf dem Parkplatz stehen: Olpe, Hagen und Ennepe-Ruhr-Kreis ist dort in Kurzform unter anderem zu lesen. 

Kein Wunder: Es ist schön und ruhig, der Wind weht durch die Bäume, Vögel zwitschern. Ein älterer Mann hat sich ein Buch mitgenommen und es sich auf einer Bank bequem gemacht. „Man kann ja sonst nichts machen”, sagt er. Mit dem Enkel treffen, das wäre schön, meint er. „Geht aber nicht.“ An der Parkbucht gegenüber holt gerade eine Familie den Kinderwagen aus dem Kofferraum, zwei andere Wanderer packen ihre Walking-Stöcke aus. Sie rüsten sich für ihre Tagestour. 

Coronavirus im Lennetal: Spaziergänge noch erlaubt

Die Personengruppen, die auf dem Weg zur Gaststätte Nordhelle und dem Robert-Kolb-Turm gut einen Kilometer weiter sind, ziehen sich wie ein roter Faden durch den ganzen Tag. Wir treffen viele junge und alte Paare, Läufer, Radfahrer und Familien, die gemeinsam etwas unternehmen. Groß verwunderlich ist das nicht, denn nur das ist erlaubt. Am Plettenberger Tanneneck geht ein Märker mit seinem Hund spazieren, ein anderer startet gerade die Stoppuhr auf seinem Smartphone und joggt los. Zur Mittagszeit ist hier wenig los. 

Plettenberg 

Wie ausgestorben wirkt es am Erlebnisbad AquaMagis in Plettenberg, wo am Samstag exakt ein Auto auf dem riesigen Parkplatz steht. Die Stellplätze sind an normalen Wochenenden meist brechend voll, am hinteren Ende stehen Wohnmobile, Kinder tollen auf dem Spielplatz. Die nächsten Wochen wird das aber nicht so sein, stattdessen weiterhin gähnende Leere herrschen. Denn mindestens bis zum 19. April, dem letzten Tag der Osterferien, hat auch das Erlebnisbad in der Vier-Täler-Stadt coronabedingt geschlossen. 

Schnell wird klar, wo es die Menschen am Samstag stattdessen vielfach hin verschlagen hat: auf den Lenneradweg. Auf dem Weg zur Fischbauchbogenbrücke sind zahlreiche Personen unterwegs. Mittlerweile, gegen 13 Uhr, ist es warm geworden, jedenfalls so um die 16 Grad. Auf der gegenüberliegenden Uferseite hat sich ein Angler seines T-Shirts entledigt. 

Sundern 

Nächstes Ziel: Die Sorpe. Auf dem Weg über Affeln und Balve sind viele Motorradfahrer unterwegs. Schließlich ist auch perfektes Wetter für eine der wohl ersten Ausfahrten in diesem Jahr. An der Talsperre zeigt sich das sorpetypische Bild an einem frühlingshaften Sonnetag: Viele Inliner und Radfahrer sind unterwegs. Dazu natürlich die Spaziergänger, die mal gemütlich, mal eilig ihre Runde machen. Die Promenade hat auch in Corona-Zeiten ihren Reiz nicht verloren – und trotzdem ist vieles anders an diesem Tag. 

In Coronazeiten zieht es die Menschen raus in die Natur zu einem Spaziergang. Viel los war an der Sorpe.

Am Ticketautomaten halten die Menschen deutlichen Abstand. Einige Parkplätze sind abgesperrt, zwei Ordnungsamtsmitarbeiter laufen mit hellen Warnwesten Patrouille. Restaurants und Cafés haben geschlossen, die Sitzgelegenheiten sind mit Flatterband abgesperrt. „Warum kann ich nicht rutschen?“, fragt ein Kind seinen Vater, der dem Nachwuchs mit trauriger Miene die aktuelle Ausnahmesituation zu erklären versucht. Denn wegen der Corona-Pandemie sind auch die Spielplätze bis auf weiteres gesperrt. Eine Schranke versperrt zudem den Zugang zum Outdoorzentrum Mosaik

Balve 

Einen abgesperrten Spielplatz gibt es auch an der Balver Luisenhütte in Wocklum zu sehen. Der Technikspielplatz „Kleine Luise“ ist derzeit ebenfalls tabu. Während es sonst Tausende zu den Großveranstaltungen wie der Saisoneröffnung des Museums oder „Luise heizt ein“ nach Wocklum zieht, sind an diesem sonnigen Nachmittag nur vereinzelt Spaziergänger und Mountainbiker unterwegs. 

Coronavirus: Das war los an den Wochenendzielen im Lennetal

Neuenrade 

Anlaufstelle für eine gemütliche Familienwanderung sind stattdessen eher die Waldlehrpfade in Neuenrade. Vier Strecken gibt es hier, alle knapp drei Kilometer lang. Einmal gibt es eine schöne Aussicht ins Lennetal, auf einer anderen Tour lässt sich ein Baumtelefon ausprobieren. 

In Werdohl sind der Kletterfelsen und die Boulder-Anlage gesperrt.

Kaum noch Parkplätze gibt es schräg gegenüber am Kohlberg. Mehr als 50 Autos stehen am Startpunkt des Vita-Parcours, der Sportlern auf einer drei Kilometer langen Strecke 15 Übungsstationen bietet. Ein Highlight ist auch der Quitmannsturm, der von seinen 14 Metern Höhe einen schönen Blick über Neuenrade bietet. Links ragt die Kirche St.-Mariä-Heimsuchung aus dem Stadtbild heraus. 

Werdohl 

Sonne, blauer Himmel und angenehm warme Temperaturen: Der Samstag bietet auch das perfekte Wetter für eine Kletterpartie im Freien – eigentlich. Denn auch dies ist aktuell nicht möglich. Der Kletterfelsen und die Boulder-Anlage an der Altenaer Straße in Werdohl sind ebenfalls gesperrt. Diese weitere coronabedingte Einschränkung des öffentlichen Lebens sorgt auch hier dafür, dass kaum etwas los ist. 

Altena 

Nach diesem kurzen Zwischenstopp in Werdohl geht es weiter nach Altena. Gegen 17.30 Uhr verschwindet die Sonne langsam hinter den Dächern, nur noch die Burg hoch über der Stadt erstrahlt in goldenem Licht. Deshalb geht es nach oben, vorbei am geschlossenen Erlebnisaufzug, durch eine wie leer gefegte Innenstadt. Sofort ins Auge fallen dabei Zettel und Plakate in den Schaufenstern der Einzelhändler. „Bis auf weiteres geschlossen“, „Bleibt gesund“ und „Kommt bald wieder“ steht da. An der Burg angekommen, ist niemand sonst da. Nach ein paar Metern stoppt den Weg wenig überraschend ein Gitter, daneben hängt ein Zettel: „Wegen des Coronavirus sind die Museen Burg Altena und das Deutsche Drahtmuseum zunächst bis zum 19. April geschlossen.“ 

Auch auf dem Weg zur Burg Altena ist auf dem Weg durch die Altenaer Innenstadt kein Mensch zu sehen.

Nachrodt-Wiblingwerde 

Die samstägliche Tour durchs Lennetal endet in Nachrodt-Wiblingwerde an der Brenscheider Mühle. Hier ist es so ruhig wie an all den anderen Touristen-Attraktionen, denn auch die Mühle hat bis auf weiteres geschlossen. Einzig ganz in der Ferne sind zwei Spaziergänger zu erkennen. Sie drehen noch eine Runde, bevor die Sonne endgültig untergegangen ist und ein weiterer Tag im Lennetal endet, der vielerorts durch die Einschränkungen in Zeiten der Corona-Pandemie gekennzeichnet ist.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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