Viele Hygienemaßnahmen

Coronavirus kommt in Kirchen und Moscheen an: Was heute wichtig ist

+
Christliche Gemeinden haben Hinweise bekommen, wie trotz Corona das Abendmahl angeboten werden kann, zum Beispiel mit der sogenannten „Intinctio“, dem Eintauchen der Abendmahls-Oblate in den Kelch.

Werdohl - Die Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist in allen Lebensbereichen in der Stadt angekommen. Von Verhaltensmaßregeln beim Umgang mit Klingelbeutel und Abendmahl über große kirchliche Feste wie Erstkommunion und Konfirmation bis hin zur Einlagerung muslimischer Gebetsketten reicht die Bandbreite.

Auch für die Kletterhalle auf Rosmart ist Corona ein Thema. Pfarrer Irenäus Wojtko von der katholischen Kirchengemeinde St. Michael in Werdohl möchte keine übertriebene Ängstlichkeit verbreiten. Gottesdienste seien ein Ort der Besinnung.

Die Empfehlungen des Bistums von vor zwei Wochen seien selbstverständlich umgesetzt: Weihwasser ist aus den Kirchen entfernt worden, die Kommunionhelfer waschen sich besonders sorgfältig die Hände in der Sakristei. In der Fastenzeit bis Ostern seien keine größeren Veranstaltungen geplant. In die Gottesdienste kommen ohnehin nicht mehr als 100 Personen.

Die Kommunionvorbereitung erfolge in Gruppen von fünf oder sechs Kindern. Die nächste größere Veranstaltung sei die Pfarrversammlung Ende April, über eine Absage könne man kurzfristig entscheiden. Vorbereitungen für die Firmung im Oktober beginnen erst Mitte Mai, die Erstkommunion ist für den 17. Mai geplant. Die geplante Reise Wojtkos im April zum Papst in Rom ist hingegen abgesagt.

Pater Irenäus Wojtko (vorne) wird im April nun doch nicht zum Papst nach Rom reisen.

Mit einer Gemeindegruppe wollte Pater Irenäus Ende März nach Assisi fahren, auch dieser Italien-Trip musste ausfallen. Irenäus möchte weiterhin die Kirche offen halten und Gläubigen die Teilnahme an der Messe anbieten: „Wir haben nicht die Möglichkeit, die Messe per Internet zu übertragen.“ Ganz persönlich gehe er seinen Dingen wie gewohnt nach: So besuche er zum Beispiel weiterhin das Werdohler Fitness-Studio ohne Angst vor einer Übertragung durch die Griffe an den Geräten.

Die Evangelische Kirchengemeinde Werdohl traf sich Donnerstagabend zu einer Corona-Sitzung. Gott habe nicht den Geist der Furcht, sondern den der Besonnenheit gegeben, schreiben beide Pfarrer und Presbyteriumsmitglieder in einer Erklärung. Sie haben festgelegt, dass bis auf Weiteres alle Gottesdienste wie geplant gefeiert werden, Abendmahlfeiern würden angepasst oder fielen aus. Auch die Gruppen und Kreise sollen möglichst weiterhin stattfinden.

Die grundsätzliche Haltung der Kirchengemeinde beschreibt der Presbyteriumsvorsitzende Dirk Grzegorek: „Gerade in Zeiten großer Verunsicherung ist der Gottesdienst ein Ort, an dem Menschen (. . .) von der Menschenliebe Gottes Zuspruch erfahren und Hoffnung schöpfen können.“ Sozialer Ausgrenzung, die nicht der medizinischen Quarantäne diene, werde „mit seelsorgerlichem Beistand für Kranke und Schwache entgegengetreten.“

Der kirchliche Unterricht wird analog zu den Schulschließungen abgesagt, Veranstaltungen, die „ohne Not“ zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden können, werden verschoben. Das Kirchencafé könne weiter angeboten werden. Die Landeskirchliche Gemeinschaft Eveking hat sich gestern ähnlich geäußert. Gemeinschaftsstunden und Gruppenstunden finden statt, Abendmahl wird nur noch als Intictio gefeiert.

Bei den Werdohler Muslimen sind Hinweise zum hygienischen Verhalten in den Moscheen vor ein paar Tagen angekommen. Per Internet und im Streaming-Fernsehen weist der Werdohler Ditib-Imam Özgür Yalci darauf hin, dass sich die Gläubigen nicht mehr zur Begrüßung die Hände schütteln und sich nach den Gebeten auch nicht mehr umarmen sollten. Sogar die Gebetsperlen werden aus hygienischen Gründen in der Moschee nicht mehr benutzt.

Der Werdohler Imam Özgür Yalci gibt seinem Gebetsrufer Sefik Oral demonstrativ ein letztes Mal die Hand. Die Mitglieder der Ditib-Gemeinde sind damit aufgerufen worden, sich nicht mehr auf diese Weise zu begrüßen.

Yalci: „Diese Gebete können wir auch ohne die Perlen mit den Augen und Fingern machen.“ Das gestrige Freitagsgebet in der Ditib-Moschee ist abgesagt worden, der Koran-Unterricht ist ausgesetzt. Die IGMG-Gemeinde an der Altenaer Straße war angewiesen worden, das Freitagsgebet kurz zu halten. Nach Möglichkeit solle jeder Muslim seinen eigenen Gebetsteppich mitbringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare