Auswirkungen der Pandemie sind verheerend

Corona sorgt für leere Kisten bei der Werdohler Tafel

So sieht es in Zeiten der Corona-Pandemie häufig bei der Werdohler Tafel aus: Heike Schaefer (rechts), Sprecherin der Tafel, steht mit ihren Ehrenamtlichen vor leeren Kisten.
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So sieht es in Zeiten der Corona-Pandemie häufig bei der Werdohler Tafel aus: Heike Schaefer (rechts), Sprecherin der Tafel, steht mit ihren Ehrenamtlichen vor leeren Kisten.

„Das war ein turbulentes und belastendes Jahr“, zeigt sich Heike Schaefer angespannt. „Eigentlich ist uns der persönliche Kontakt zu den Bedürftigen ganz besonders wichtig“, unterstreicht die Sprecherin der Werdohler Tafel. „Doch aufgrund von Corona mussten wir unser Café bei den Ausgabeterminen geschlossen halten.“

Sie erläutert: „Da kam man immer mal miteinander ins Gespräch. Wir kennen alle Familien, die wir betreuen.“ Weiter führt sie aus: „Bei solchen Unterhaltungen haben wir auch schon mal amtliche Papiere mit den Betroffenen angeschaut, oder einfach ein Ohr gehabt für die Sorgen der Menschen.“ Das alles falle aber nun weg, sei ersatzlos gestrichen. „Man merkt den Tafel-Besuchern jetzt eine gereizte Stimmung an“, verdeutlicht sie. „Alle sind unzufrieden.“

Vor 14 Jahren, als die Werdohler Tafel ins Leben gerufen wurde, „haben wir Familien mit 80 Kindern betreut, heute sind es 150 Mädchen und Jungen“. Und durch die Pandemie sei der Bedarf an Sachspenden noch einmal gehörig gestiegen. „Die Geschäfte kalkulieren anders“, hat Schaefer beobachtet. „Die verkaufen jetzt ihre Lebensmittel lieber am Abend zu günstigeren Preisen, als uns etwas zu geben.“

In den Familien wächst der Druck

Die Auswirkungen sind fatal: „Unsere Kisten waren immer prall gefüllt, jetzt sind sie leer.“ Schaefer fährt fort: „Und der Druck in den Familien wächst. Die Kinder sind vermehrt zuhause, müssen in der Zeit nicht nur betreut werden, sondern haben ja auch Durst und Hunger.“

Dann rekapituliert die Tafel-Sprecherin noch einmal dieses ungewöhnliche Jahr: „Im März kam der Lockdown und das war für uns alle eine ganz schwierige Zeit.“ Die Ehrenamtler hätten gerne helfen wollen, durften aber nicht. „Dann haben wir uns entschieden, die Lebensmittel auszufahren. Auch Andreas Späinghaus, der später zum Bürgermeister gewählt wurde, hat als Fahrer geholfen“, erinnert sich Schaefer. „Zwei Monate lang haben wir das gemacht und für die Bedürftigen war das eine willkommene Wertschätzung, dass wir zu ihnen gekommen sind.“

Coronavirus in Werdohl: Zahl der Spenden ist rückläufig

Gleichzeitig sei die Zahl der Spenden in der Zeit zurückgegangen. Hamsterkäufe und Geschäfts- sowie Firmenschließungen hätten deutliche Spuren hinterlassen. „Die Zahl unserer Zukäufe ist rapide angestiegen“, sagt die Tafel-Sprecherin. Dann spricht sie über eine 90-jährige Frau, die monatlich 50 Euro spendet. „All den Einzelspendern wie dieser Dame, aber auch den Institutionen, die immer an uns denken, danken wir in diesem Jahr ganz besonders.“

Ab Juni gab es wieder eine Tafel-Ausgabe. Nunmehr werden, um das Prozedere bei weiterhin sehr hohen Corona-Fallzahlen in Werdohl kontaktarm zu halten, vorgepackte Taschen ausgegeben. „Die Bedürftigen können sich nichts mehr aussuchen. Wer keinen Blumenkohl mag, bekommt ihn jetzt gegebenenfalls trotzdem.“ Und auch für die Tafel-Mitarbeiter sei das neue Verfahren schwer: „Das ist schon körperlich eine ganz andere Nummer“, verdeutlicht Schaefer.

Feste Termine für die Kunden

Die Bedürftigen kommen zu vorab vergebenen Terminen. „Die Ehrenamtler sind höchstens zu zehnt da bei einem Ausgabetermin. Vorher waren es doppelt so viele“, blickt die Tafel-Sprecherin rund ein Jahr zurück. „Einige Ehrenamtliche halten sich derzeit auch ganz zurück, gehören sie doch selbst altersmäßig zur Risikogruppe.“

Wer mehr über die Arbeit der Werdohler Tafel erfahren möchte, kann sich an das Diakonische Werk, Heike Schaefer, Tel. 0 23 91 / 95 40 29, E-Mail h.schaefer@diakonie-luedenscheid-plettenberg.de, wenden. Geldspenden sind möglich auf das Konto der Tafel bei der Evangelischen Kreiskirchenkasse Lüdenscheid (IBAN: DE28 3506 0190 2001 1930 18, Stichwort: Werdohler Tafel).

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