Am 1. April ist nach drei Jahren Schluss

Corona zwingt Pächter zur Aufgabe: Verein will bekannte Musikkneipe im MK retten

Bands wie The Vagrants traten vor der Corona-Zeit regelmäßig bei Konzerten im Alt Werdohl auf. Damit die Musikkneipe auch nach der Pandemie noch besteht, möchte ein Verein die Nachfolge als Pächter von Markus Niggemann antreten.
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Bands wie The Vagrants traten vor der Corona-Zeit regelmäßig bei Konzerten im Alt Werdohl auf. Damit die Musikkneipe auch nach der Pandemie noch besteht, möchte ein Verein die Nachfolge als Pächter von Markus Niggemann antreten.

Über die Stadtgrenzen hinaus hat die Musikkneipe Alt Werdohl an der Freiheitstraße in Werdohl eine hohe Bedeutung als kulturelle Anlaufstelle, da dort regelmäßig Livekonzerte über die kleine, aber feine Bühne gehen.

Wenn dort Chris Kramer, Martin Engelien, The Vagrants oder andere auftreten, kommen die Zuschauer nicht selten aus dem gesamten Märkischen Kreis oder sogar dem angrenzenden Ruhrgebiet.

Doch zum 1. April 2021, genau drei Jahre, nachdem er den Staffelstab vom Vorbesitzer Jürgen „Pöngse“ Krutzsch übernommen hat, gibt Alt-Werdohl-Wirt Markus Niggemann auf. „Das war keine leichte Entscheidung“, gibt der Endvierziger zu, „ich will das eigentlich auch nicht, aber ich muss.“

Arbeitsbelastung stark gestiegen

Durch die Corona-Pandemie sei die Arbeitsbelastung stark angestiegen, weil der Pool, aus dem sich sein Personal speist, stetig kleiner geworden sei. „Immer öfter musste ich vor dem Teil-Lockdown selbst am Zapfhahn stehen – und das neben meinem eigentlichen Job“, verrät der staatlich geprüfte Techniker, Fachrichtung Automatisierungstechnik.

Das Alt Werdohl an der Freiheitstraße: Die Musikkneipe ist derzeit und wohl noch mindestens bis 20. Dezember coronabedingt geschlossen.

Virusbedingt kamen immer weniger Gäste in die Gaststätte, Musik-Veranstaltungen konnten seit Monaten gar nicht mehr durchgeführt werden und mit der geplanten Verlängerung des Teil-Lockdowns bleibt das Lokal wohl mindestens bis 20. Dezember zwangsgeschlossen. „Damit die Kneipe nicht vor die Hunde geht und wir hier in Werdohl Kultur erhalten können, ist es wichtig, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen“, begrüßt Niggemann, dass sich nun einige seiner Mitarbeiter, ein paar Stammgäste und lokale Musiker, die selbst schon auf der Alt-Werdohl-Bühne musiziert haben, zusammengetan haben, um einen Verein zu gründen, der die Kultgaststätte erhalten soll. Noch-Pächter Niggemann erklärt „auf jeden Fall Mitglied des Vereins“ werden zu wollen.

Konzertveranstalter sichert Unterstützung zu

Unterstützung sichert auch Nach-wie-vor-Konzert-Veranstalter „Pöngse“ Krutzsch zu: „Klar, werde ich auch Mitglied“, sagt er und ruft die Vereinsgründer auf: „Haltet mich mal auf dem Laufenden. Ich finde die Idee auf jeden Fall sehr gut.“ Befürwortung für den Plan einer Vereinsgründung gibt es auch von Harun Cici, dem Werdohler Immobilienmakler, dem das Gebäude, in dem sich das Alt Werdohl befindet, gehört.

Nils Rohleder, einer der Initiatoren des noch namenlosen Vereins, verrät: „Ich habe mich in Kleve bei der Musikkneipe Culucu erkundigt, die zwischenzeitlich auch mal von einem Verein betrieben wurde. Die Verantwortlichen haben mir schon zahlreiche wertvolle Tipps gegeben.“

Steuerrechtliche Vorteile

So ist es beispielsweise steuerrechtlich von Vorteil, wenn der Pächter der Gastronomie ein Verein ist. Rohleder erklärt: „Vor allen Dingen, wenn unser Antrag auf Gemeinnützigkeit von Erfolg gekrönt sein sollte, müssten wir keine Körperschafts- und Gewerbesteuer bezahlen. Und vielleicht würde fürs Alt Werdohl dann auch noch der verringerte Mehrwertsteuer-Satz gelten.“

Philipp Müller, der gemeinsam mit Rohleder innerhalb der vergangenen zwei Monate die Idee für diese Vereinsgründung entwickelte, verrät: „Die Dartsgemeinschaft aus dem Alt Werdohl, zu der zehn Leute gehören, war sofort geschlossen bereit, in dem Verein mitzuarbeiten. Dazu kommen noch fünf bis zehn weitere Stammgäste.“ Insgesamt seien es bereits knapp 20 Aktive.

Mustersatzung liegt bereits vor

Von den Vorreitern aus Kleve haben die Initiatoren bereits eine Mustersatzung für den künftigen Verein erhalten. Doch noch sind weder die Monatsbeiträge beschlossen, noch wurden die Vorstandsämter verteilt. „Der Beitrag“, erklärt Rohleder, „hängt ja auch von der Zahl der Mitstreiter ab. Und wenn sich das Alt Werdohl in einem Jahr in dieser Form trägt, können die Beiträge ja vielleicht auch noch mal angepasst werden.“

Treiben die Vereinsgründung voran: (von links) Nils Rohleder, Philipp Müller, Detlef Hillbrecht und Charly Hesmer (von der Band Comeback).

Müller fügt hinzu, dass es wünschenswert wäre, wenn jedes zukünftige Vereinsmitglied auch gelegentlich selbst in der Musikkneipe aushilft – vom Kassendienst bei Konzerten der Go-Music-Reihe über das Putzen bis hin zum Bierzapfen. Einen Zwang, sich einzubringen, soll es aber nicht geben. „Firmen“, überlegt Müller, „können auch mitmachen – etwa als Sponsoren für Konzerte.“

Kneipe soll öffentlich zugänglich bleiben

Rohleder greift den Gedanken auf: „Gerade zu Corona-Zeiten werden die Kulturtreibenden ja total im Stich gelassen. Dagegen wollen wir etwas unternehmen.“ Müller betont jedoch: „Das Alt Werdohl wird öffentlich zugänglich für jedermann bleiben. Man muss später nicht Vereinsmitglied sein, um noch herein zu kommen.“

Wer Interesse hat, dem Verein beizutreten, im Alt Werdohl mitzuarbeiten, oder sich zunächst einfach weiter informieren möchte, wendet sich an die Vereinsgründer per E-Mail an alt-werdohl@gmx.de.

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