Hamsterkäufe in den Geschäften

Coronavirus: Erste Veranstaltungen abgesagt

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Viele Menschen desinfizieren sich momentan regelmäßig die Hände, um sich vor dem Corona-Virus zu schützen. Doch Desinfektionsmittel sind ausverkauft.

Werdohl/Neuenrade – Die Meinungen sind geteilt – auch in Werdohl und Neuenrade.

Ein Teil der Einwohner spricht im Zusammenhang mit dem Coronavirus von unnötiger „Panikmache“ und sieht keinen Sinn darin, sich im Alltag einzuschränken. Andere sind der Meinung, dass Vorsichtsmaßnahmen durchaus angebracht sind – zumindest, um Risikogruppen in der Bevölkerung so effektiv wie möglich zu schützen. 

In Werdohl denkt man über Veranstaltungsabsagen nach. „Wir werden am Mittwochmorgen gemeinsam mit Frau Wüllner-Leisen von der Stadt entscheiden, ob das Konzert stattindet“, erklärt Peter Kölsche vom Kulturverein „Werdohl heute“ mit Blick auf das für Samstag geplante Gemeinschaftskonzert im Festsaal Riesei. Dort sollten der Shanty-Chor und der Gemischtete Chor gemeinsam auftreten. „Unser größtes Problem wird wahrscheinlich sein, dass kaum Besucher in den Festsaal kommen werden“, glaubt Kölsche. Zudem seien auch einige Vorstandsmitglieder skeptisch, ob es augenblicklich sinnvoll sei, dass viele Menschen in einem Gebäude zusammenkommen. 

Shanty-Chor will auftreten

Der Vorsitzende des Shanty-Chors, Bernd Losert, berichtet dagegen, dass die Sänger aktuell keine Auftritte absagen wollten – obwohl viele Chormitglieder älter und somit vermutlich gefährdeter seien als junge Menschen: „Dann müsste man ja mehr oder weniger das gesamte öffentliche Leben auf Eis legen“, meint Losert. 

Zu einem erheblichen Einschnitt könnte es in der Nachbarstadt Neuenrade kommen: Das Traditionsfest Gertrüdchen, das vom 13. bis 15. März gefeiert werden soll, steht auf der Kippe. „Wir werden frühzeitig – in den nächsten zwei bis drei Tagen – eine Entscheidung treffen, ob wir das Fest absagen“, erklärt Bürgermeister Antonius Wiesemann. 

Tag der offenen Tür abgesagt

Die Verantwortlichen der Neuenrader Waldorfschule, die auch von Werdohler Kindern und Jugendlichen besucht wird, sind bereits einen Schritt weiter: Sie haben den Tag der offenen Tür abgesagt, der am Samstag auf dem Remmelshagen stattfinden sollte. Der Vorstand des Trägervereins und die Schulleitung hätten mit Blick auf eine mögliche Ausbreitung des Virus beschlossen, die Veranstaltung zu verschieben. „Augenblicklich wäre es nicht klug, den Infotag durchzuführen. Zumal wir keinerlei Zeitdruck haben“, sagt Klaus Gilljohann, der kaufmännische Geschäftsführer der Waldorfschule. Ein neuer Termin stehe allerdings noch nicht fest. 

Auch die Skifreizeit der Sechstklässler – sie wollten am Freitag nach St. Johann fahren – sei gestrichen. „Das Nachbartal dieses Ortes steht unter Quarantäne. Wir wollen auf jeden Fall vermeiden, dass auch unsere Schüler und Lehrer in eine solche Situation kommen“, erklärt Gilljohann. Jetzt suche man nach einer Lösung. Möglicherweise werde man mit den Schülern zu einem späteren Zeitpunkt zum Ijsselmeer fahren, um dort zu segeln. „Wenn sich die Situation beruhigt hat“, sagt Giljohann. 

"Nies-Etikette" beachten

In den übrigen Schulen und Kindertageseinrichtungen geht bisher in beiden Städten alles den gewohnten Gang – fast alles: Auch die Kinder sind angehalten, sich regelmäßig und vorschriftsmäßig die Hände zu waschen. „Außerdem sollte auf jeden Fall die Nies-Etikette beachtet werden“, erklärt der für die Werdohler Schulen zuständige Abteilungsleiter Reinhardt Haarmann. Die Stadt sei am 27. Februar per Mail vom NRW-Ministerium für Schule und Bildung über den Umgang mit dem Corona-Virus im Schul-Bereich informiert worden. Aus dieser Mail geht hervor: Die Bekämpfung der Verbreitung des Virus liegt in der Zuständigkeit des NRW-Gesundheitsministeriums. Dieses wiederum halte Kontakt zur Bundesebene und orientiere sich an der Risikobewertung des Robert-Koch-Institutes (RKI). 

Werdohls Jugendamtsleiterin Kirsten von der Crone verweist ebenfalls auf das RKI. „Wenn es Verdachtsfälle in einer Kita geben sollte, würde diese nach Ansprache mit der Leitung vorübergehend geschlossen, bis das Ergebnis vorliegt“, so von der Crone. Im Zweifel sei es sinnvoll, eine Einrichtung lieber ein oder zwei Tage länger zu schließen, um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden. 

Kein Händeschütteln mehr

Das Risiko möchte man auch in den Rathäusern möglichst gering halten – und verzichtet sowohl in Neuenrade als auch in Werdohl größtenteils auf das Händeschütteln zur Begrüßung. Zudem werde die Möglichkeit der Handdesinfektion in den Toiletten rege genutzt, berichtet Vanesse Kunze-Haarmann, die Allgemeine Vertreterin der Werdohler Bürgermeisterin. 

Die Möglichkeit der Desinfektion haben Werdohler und Neuenrader, die sich bisher keinen Vorrat zugelegt haben, allerdings nicht: Desinfektionsmittel für Hände und Flächen sind in Apotheken und Drogeriemärkten ausverkauft, auf Nachlieferungen hofft augenblicklich niemand. 

Konserven sind knapp

Hamsterkäufe sind auch in den Lebensmittelgeschäften zu verzeichnen: Im WK-Warenhaus gibt es momentan kein Mehl mehr, Konserven sind knapp. „Die Menschen sind am Samstag teilweise mit zwei voll beladenen Einkaufswagen zur Kasse gefahren. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte WK-Geschäftsführer Peter Ebener. Heiko Tank berichtet von ähnlichen Erfahrungen. „Bei uns gab es am Samstag kein Toilettenpapier mehr“, stellt der Inhaber des Edeka-Centers im Werdohler Bahnhofsviertel fest.

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