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Corona-Pandemie treibt dunkle Wolken über Sonnenstudio

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Von: Volker Griese

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Ein Foto aus besseren Zeiten: Nach dem Umzug in die neuen Räume hatte das Team des Werdohler Sonnenstudios um Chefin Iris Schweitzer (Mitte) noch Grund zu lachen. Derzeit ist der kleine Betrieb durch die Corona-Einschränkungen in seiner Existenz bedroht.
Ein Foto aus besseren Zeiten: Nach dem Umzug in die neuen Räume hatte das Team des Werdohler Sonnenstudios um Chefin Iris Schweitzer (Mitte) noch Grund zu lachen. Derzeit ist der kleine Betrieb durch die Corona-Einschränkungen in seiner Existenz bedroht. © Volker Griese

Im September 2020 war Iris Schweitzer noch guter Dinge – trotz der damals schon grassierenden Corona-Pandemie. Gerade war sie mit dem Sonnenstudio, das sie zusammen mit ihrem Ehemann Thomas betreibt, umgezogen. Nach dem ersten Corona-Lockdown wollten sie neu durchstarten. 16 Monate später sieht die Welt bei den Schweitzers ganz anders, viel schlechter aus.

Werdohl ‒ Die Einschränkungen der Corona-Pandemie haben den Schweitzers das Leben ohnehin schwerer gemacht, als sie einmal gedacht haben. Durch die seit dem Jahresende 2021 geltende neuen Coronaschutzverordnung sieht die Sonnenstudio-Betreiberin aber noch deutlich dunklere Wolken aufziehen. Denn jetzt dürfen sich Kunden auf den Sonnenbänken nur noch unter 2Gplus-Bedingungen künstlich besonnen lassen, müssen also neben dem Immunitätsnachweis auch noch einen negativen Coronatest vorlegen. Iris Schweitzer befürchtet, dass deswegen die Kunden ausbleiben. „Erst kürzlich war eine Kundin da, die sich für zehn Minuten sonnen anderthalb Stunden im Testzentrum am Riesei anstellen musste, um einen negativen Test vorlegen zu können“, erzählt Schweitzer. Sie könne sogar verstehen, dass dieser zeitlichen Aufwand, der auch durch zu wenige Testmöglichkeiten in Werdohl entstehe, kaum jemand betreiben wolle.

Was Iris Schweitzer nicht verstehen kann, ist, dass Sonnenstudios in der neuen Coronaschutzverordnung genauso behandelt werden wie Hallenbäder, Saunen oder Thermen, „bei deren Nutzung das Tragen von Masken überwiegend nicht möglich ist“, wie es in der Verordnung wörtlich heißt. „Bei uns kann aber überwiegend Maske getragen werden“, betont die Sonnenstudio-Betreiberin und beschreibt den typischen Ablauf des Geschäfts: Die Kunden kommen herein und verschwinden in den Kabinen, wo sie ihre Maske vor dem Sonnen ablegen und anschließend wieder aufsetzen, verlassen die Kabine und gehen wieder. Dazwischen liegt eventuell noch ein kurzer Bezahlvorgang, das wars.

„Unsere Kunden haben also kaum Kontakt untereinander“, betont Schweitzer und sieht Betreiber von Solarien im Vergleich zu anderen Branchen unverhältnismäßig stark in ihren Geschäften eingeschränkt. „In einer Kneipe dürfen 40 Leute Silvester feiern oder ein Konzert besuchen, da ist die Ansteckungsgefahr doch viel größer“, schüttelt sie den Kopf.

In ihrem Sonnenstudio werde dagegen peinlich genau auf Hygiene geachtet, nicht erst seit Ausbruch der Coronapandemie. Nach jedem Besuch eines Kunden werde nicht nur die von ihm benutzte Sonnenbank komplett desinfiziert, sondern auch die ganze Kabine inklusive der Türgriffe. „Im Eingangsbereich und an der Theke stehen Desinfektionsmittelspender, wir haben sogar zwei Luftfilter gekauft – mehr geht nicht“, zählt Schweitzer auf. Deshalb habe es auch noch keinen Infektionsfall im Sonnenstudio gegeben, „in ganz Deutschland nicht“, behauptet sie unter Berufung auf den Bundesverband Besonnung, dem sie angehört.

Iris Schweitzer hat sich anfänglich auch gegen die Umsetzung der Coronaschutzverordnung gewehrt. Bis Mittwoch hatte sie auch ungetestete, aber nachweislich immunisierte Personen auf die Sonnenbänke gelassen. Dann ist das Ordnungsamt eingeschritten. Eine Strafe habe sie nicht aufgebrummt bekommen, wohl aber eine eindringliche Ermahnung, sich an die Regeln zu halten. Seitdem verlangt sie von allen Kunden Genesungs- oder Impfnachweis plus Negativtest.

Die Betreiberin des Werdohler Sonnenstudios würde sich wünschen, dass die politisch Verantwortlichen im Land noch einmal genauer hinschauen und die Coronaschutzverordnung derart überarbeiten, dass die nach ihrer Ansicht zu starken Einschränkungen für Sonnenstudios gelockert werden. Ansonsten sieht sie für ihr kleines Unternehmen die Felle schwimmen. „Schon mit der 2G-Regel haben wir 40 Prozent Umsatzrückgang gehabt“, sagt sie. Seit Dezember könne sie auch schon keine Angestellten mehr beschäftigen, betreibe das Sonnenstudio deshalb nur noch mit Unterstützung ihrer Tochter. Durch die 2Gplus-Regelung werde alles nun noch schlimmer befürchtet sie.

Aufgeben will sie nicht, lieber „irgendwie die Zähne zusammenbeißen“ und sich durchkämpfen. „Wir haben in Werdohl doch schon genug leere Geschäfte...“, sagt sie und lässt den Satz irgendwie unvollendet.

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