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Corona: So ist die Lage in den Werdohler Kitas

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Von: Volker Griese

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Mit bangem Blick schauen manche Eltern und Kinder derzeit auf ihre Coronatests.
Mit bangem Blick schauen manche Eltern und Kinder derzeit auf ihre Coronatests. © Friso Gentsch

Die Corona-Situation in den Werdohler Kindertagesstätten ist mitten in der Omikron-Welle durchaus angespannt. Das Lagebild ist aber heterogen. Und auch wenn die Zahlen aus einzelnen Einrichtungen auf den ersten Blick wenig Anlass zur Besorgnis bieten, schlagen die Betreiber Alarm.

Werdohl ‒ Für die vier städtischen Kitas berichtet die administrative Leiterin des Jugendamtes, Sabine Bleckmann, von einer uneinheitlichen Lage, ohne die Einrichtungen namentlich zu nennen. In einer Kita seien von 14 Mitarbeiterinnen neun, also fast zwei Drittel, an Covid-19 erkrankt gewesen. Weil dort auch andere Erkrankungen hinzugekommen seien, habe die Kita auch bis zum vergangenen Freitag für zwei Wochen nur im Notbetrieb laufen können. In den anderen drei städtischen Kitas seien jeweils eine bis zwei Mitarbeiterinen mit dem Coronavirus infiziert, das beeinträchtige den Betrieb nicht.

Kinder der städtischen Tageseinrichtungen sind nach Darstellung von Sabine Bleckmann derzeit kaum von Covid-19 betroffen. „Auffallend ist aber aktuell, dass viele Kinder gar nicht erst in die Kita gebracht werden, weil ältere Geschwisterkinder in der Schule positiv getestet worden sind“, berichtete Bleckmann.

„Angespannte Personalsituation“

Von der Pandemie betroffen, wenn auch nicht in dem starken Maße wie eine der städtischen Einrichtungen, sind die Kitas in kirchlicher Trägerschaft. Für die beiden katholischen Kindertagesstätten, St. Michael und St. Bonifatius, berichtet Iris Leidel vom Zweckverband Katholische Tageseinrichtungen für Kinder, dass von 21 Mitarbeiterinnen derzeit fünf (23,8 Prozent) an Covid-19 erkrankt beziehungsweise in Quarantäne seien. Eine Kita sei Anfang Februar auf Empfehlung des Gesundheitsamtes für eine Woche geschlossen gewesen, derzeit befinde sie sich aufgrund der angespannten Personalsituation noch bis Freitag im Notbetrieb.

„Herausfordernde Situation“

Von den 112 Kinder, die in den katholischen Einrichtungen Werdohls betreut werden seien derzeit neun (8 Prozent) an Covid-19 erkrankt, sagte Leidel am Dienstag. „Eine Vielzahl von Kindern ist aber in Quarantäne, ohne bisher infiziert zu sein“, ergänzte sie.

Etwas besser ist die Situation in den beiden evangelischen Kindertagesstätten. Pfarrer Dirk Grezgeorek berichtet von einem Anteil von 13 beziehungsweise 14 Prozent erkrankten Mitarbeiterinnen in den Kitas Arche Noah und Sternschnuppe. Die Infektionslage unter den Kindern ist seiner Darstellung zufolge noch weniger dramatisch: In der Sternschnuppe, die zwischendurch in den Notbetrieb habe umstellen müssen, sei derzeit kein Kind an Covid-19 erkrankt, in der Arche seien es aktuell drei von 74 (4,1 Prozent).

Dennoch warnte Grzegorek: „Diese Zahlen klingen so, als wären beide Einrichtungen kaum betroffen. Es ist aber von einigen Familien bekannt, dass Familienmitglieder von Kita-Kindern infiziert sind, sodass man damit rechnen kann, dass demnächst Meldungen von positiv getesteten Kindern kommen werden.“ Auch liege der Personalausfall durch Infektionen in Familien von Mitarbeiterinnen höher. „Aufgrund der herausfordernden Situation kann generell nicht von einem normalen Betrieb die Rede sein“, sagte Grzegorek.

„Unverständnis der Eltern“

Die Awo-Kita in Pungelscheid besuchen derzeit 44 von normalerweise 90 Kindern. „Wir erfahren nicht unbedingt, ob Kinder in Quarantäne oder an Corona erkrankt sind. Die Kinder werden von den Eltern abgemeldet“, erklärte Nicole Neises-Weiler vom Awo-Unterbezirk Hagen/Märkischer Kreis. Die Mitarbeiterinnen seien derzeit alle im Dienst, aber in den vergangenen Wochen habe es mehrfach Ausfälle durch Covid-19-Erkrankungen gegeben. Durch eine Energieleistung der Beschäftigten habe der Betrieb aber aufrecht erhalten werden können.

„Neben der Angst, sich anzustecken, ist es vor allem das Unverständnis der Eltern, das die Mitarbeitenden zunehmend unter Druck setzt“, erklärte Birgit Buchholz, Geschäftsführerin des Awo-Unterbezirks. „Jetzt rächt es sich, dass es in NRW keine landeseinheitliche Regelung im Umgang mit Schließungen gibt. Völlig unterschiedliche Vorgehensweisen der überlasteten Gesundheitsämter führen zum Teil dazu, dass die Träger gezwungen sind, eigene Entscheidungen zu treffen und zu verantworten“, schob sie Kritik an den politischen Entscheidungsträgern in Düsseldorf hinterher.

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