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Corona-Probleme: Grundschule hisst die weiße Fahne

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Von: Volker Heyn

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Das Kollegium der städtischen Gemeinschaftsgrundschule Werdohl hat an beiden Schulstandorten (hier in Kleinhammer) symbolisch die weiße Fahne in Schulfenster gehängt. Die Coronasituation sei nicht mehr beherrschbar, ein halbwegs geregelter Unterricht kaum noch zu gewährleisten.
Das Kollegium der städtischen Gemeinschaftsgrundschule Werdohl hat an beiden Schulstandorten (hier in Kleinhammer) symbolisch die weiße Fahne in Schulfenster gehängt. Die Coronasituation sei nicht mehr beherrschbar, ein halbwegs geregelter Unterricht kaum noch zu gewährleisten. © Manns

Das rund 25-köpfige Kollegium der Gemeinschaftsgrundschule Werdohl hat an beiden Schulgebäuden in Kleinhammer und auf der Königsburg symbolische weiße Fahnen gehisst.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für Grundschulen hatte Lehrerinnen und Lehrer landesweit zu dieser Aktion ermutigt. Schulleiterin Nina Manns trägt diese Aktion mit und berichtet, warum es dem Kollegium kaum noch möglich ist, Grundschulkinder vernünftig zu unterrichten.

Endgültig die Nerven verloren hatten die pädagogischen Kräfte am Donnerstagabend. Da wurde dem Kollegium deutlich, dass die Antigentests, die die Eltern mit ihren Kindern vor Schulbesuch machen, offensichtlich nicht genau genug sind. Am Abend war wieder ein positiver Klassenpool bekannt geworden. Die Lehrkräfte hatten aber den ganzen Tag schon mit einer mutmaßlich infizierten Klasse in einem Raum gesessen.

Normaler Unterricht „nicht mehr möglich“

„Die Kolleginnen und Kollegen stehen vor der Kapitulation“, sagte Nina Manns am Freitagvormittag. Das von Schulministerin Gebauer vorgeschriebene neue Testverfahren bündele soviele Kräfte im Kollegium, dass ein normaler Unterricht nicht möglich sei. Wie bereits berichtet, waren am Dienstag vier positive Klassenpools aufgefallen. Weil an diesem Dienstag die Labore aufgrund des Ansturms in die Knie gegangen waren, bat Nina Manns die Eltern, ihre Kinder vor Unterrichtsbesuch einem Schnelltest in einer Schnellteststelle zu unterziehen. Das hätten so gut wie alle Eltern gemacht, hätten sich in die Autos gesetzt und ihre Kinder teilweise bis nach Plettenberg gefahren, um dort einen Antigentest machen zu lassen. Manns: „Kein einziges Kind wurde positiv getestet.“

Also kamen alle brav in die Schule zum Unterricht. Schon am Mittwoch gab es einen weiteren positiven Pooltest. Es habe ja sein können, so Manns, dass die Virenlast bei den Kindern am Dienstag noch nicht so hoch gewesen sei, dass es zu einem positiven Antigentest geführt habe.

Teststraße auf dem Schulhof eingerichtet

Deshalb wurden am Donnerstag 90 Kinder durch eine Teststraße auf dem Schulhof geschleust. Die Kinder können nicht selbstständig die Teströhrchen aufdrehen, dazu brauchen sie Hilfe. Sie müssen sich bekanntlich selbst die Probe nehmen, das seien sie aber gewohnt. Der personelle Aufwand für die Schule sei enorm gewesen, so Manns. Mehr als eine Stunde waren acht Kolleginnen mit dem Testen gebunden – Unterricht konnte nicht stattfinden. Zudem seien die Tests nur mit Unterstützung von Eltern gelungen. Manns fasst das Ergebnis zusammen: „Positive Schultests: Null. Verunsicherung: Riesig.“ Waren doch nach Auswertung am Donnerstagabend drei Pooltests wieder positiv. Also seien zwei Kolleginnen Stunden durch Werdohl gefahren, um den Kindern Materialien für den Distanzunterricht nach Hause zu fahren.

Manns: „Das ist wirklich nicht mehr zu leisten. Wir wissen nicht, wie wir weiter unsere eigentliche Arbeit machen können.“ Fünf aus dem Kollegium seien trotz Booster positiv getestet und nicht arbeitsfähig. Manns: „Mein Kollegium geht am Krückstock, die drücken sich nicht vor der Arbeit und geben echt alles, aber viele sind am Ende ihrer Kräfte.“

Enorme psychische Belastung

Die psychische Belastung ziehe einen herunter. „Die stehen den ganzen Tag in der Klasse und abends kommt das positive Ergebnis.“ Niemand wolle sich mit Corona infizieren, die Angst vor Long Covid sei groß, auch wenn man vielleicht im Moment nur eine Erkältung verspüre. Manns: „Ich kann einfach nicht mehr nichts dazu sagen.“ Mit diesem Hilferuf wende sie sich an die Öffentlichkeit, während die Kollegen die weiße Fahne in die Fenster hingen.

Großen Respekt habe sie vor den tapferen Familien, die einen großen Teil der Belastung trügen. Von den Eltern gebe es erstaunlich wenig Protest.

Es geht weiter „für unsere Kinder und Eltern“

„Obwohl uns gerade der Standort Kleinhammer um die Ohren fliegt“, so Manns, „versuchen wir, die Belastung irgendwie zu stemmen.“ Selbstverständlich halte sich die Schule an alle Regeln. „Natürlich schaffen wir das, natürlich machen wir weiter für unsere Kinder und Eltern. Aber die Stabilität bröckelt ganz gewaltig.

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