Jugendarbeit mit Hindernissen

+
Der Nachwuchs aus Werdohl ist froh, wieder die Jugendeinrichtungen besuchen zu können, auch wenn in den Räumen Masken getragen werden müssen.

Werdohl  - Drastische Einschränkungen auf der einen Seite, ein gewisser Luxus für die Betreuer und Kinder auf der anderen Seite: In Zeiten der Corona-Pandemie hat sich auch die Jugendarbeit in Werdohl stark verändert.

Jugendpfleger Tobias Chylka berichtet von ganz unterschiedlichen Erfahrungen in den Jugendeinrichtungen und während der Ferienspaß-Aktionen in den vergangenen Wochen. Maximal 20 Mädchen und Jungen durften im Sommer pro Ferienspaß-Block teilnehmen. „Das war sehr angenehm, denn wir waren personell so aufgestellt, wie es auch bei 50 Kindern der Fall gewesen wäre“, stellt Chylka fest. Angesichts des ungewöhnlichen Betreuungsschlüssels von 3:1 sei es möglich gewesen, während der gesamten Zeit auf die Wünsche der Kinder gezielt einzugehen. „Wir haben zum Beispiel mit einer Unterwasserkamera Fische in der Lenne beobachtet. Das wäre mit der regulären Teilnehmerzahl natürlich nicht möglich gewesen. Es war wirklich ein toller Ferienspaß.“

Zusatz-Angebot in den Herbstferien

Auch für die Herbstferien versprechen Chylka und das Team im Jugend- und Bürgerzentrum (JBZ) an der Schulstraße „ein Programm, das garantiert ankommt“: „Wir werden viel raus gehen – zur Lenne, in die Wälder oder zum Fußballspielen. Es wird nicht weniger spannend und witzig als es ohne die Corona-Einschränkungen der Fall wäre.“ Doch nicht nur die Kinder, die für den Ferienspaß angemeldet sind, sollen sich in Pandemie-Zeiten nicht langweilen. „Wir werden einzelne Jugendzentren in den Ferien öffnen, damit auch dort Angebote wahrgenommen werden können“, kündigt Tobias Chylka an. In einer Herbstferienwoche sind Besucher im Schrottkeller willkommen, in der anderen Woche soll es Angebote im Freizeittreff in Pungelscheid geben. Die genauen Öffnungszeiten möchte der Jugendpfleger rechtzeitig bekannt geben. „Es werden mehrere Stunden täglich sein.“

Mit den coronabedingten Einschränkungen müssen sich die Kinder und Jugendlichen wie auch die Mitarbeiter der Jugendpfleger natürlich weiterhin arrangieren. „Wir geben frisch gewaschene Masken an alle Besucher aus und reinigen diese anschließend auch wieder selbst“, weist Chylka auf Mehrarbeit hin, die aus seiner Sicht aber notwendig ist: „So wissen wir, dass nur saubere Masken im Umlauf sind.“

Trotz Maske zum Treffpunkt

Apropos Schutzmasken: Die Kinder, die den Freizeittreff in Pungelscheid besuchen, beurteilen die Maskenpflicht unterschiedlich. Die zehnjährige Fiona und ihre Schwester Laura (sechs Jahre) finden es gut, „dass wir so auch etwas gegen die Krankheit tun und andere schützen können“. Die 13-jährige Lea-Marie empfindet die Maske ebenfalls nicht als störend: „Man gewöhnt sich dran, weil man die Maske ja auch in der Schule immer tragen muss.“ Dagegen mögen Claudius und Luis (beide neun Jahre alt), die Schutzmasken ebenso wenig wie der achtjährige Jakob und sein gleichaltriger Freund: „Masken stören, zum Beispiel beim Sprechen“, stellen sie unisono fest. Und manchmal, so erzählen die Kinder, „kann man auch einfach nicht richtig damit atmen“. Einig sind sich die Mädchen und Jungen allerdings mit Blick auf den Jugendraum: Sie sind froh, dass der Freizeittreff wieder geöffnet ist. „Als wir nirgendwo hingehen durften, auch nicht in die Schule, habe ich nur gezockt“, gesteht Luis. „Es war einfach so langweilig, man durfte ja nicht nach draußen, um mit anderen zu spielen.“

Dass die Besucherzahlen in den Jugendeinrichtungen in Werdohl seit März insgesamt aber deutlich gesunken sind, sei nicht nur der Maskenpflicht geschuldet, stellt der Jugendpfleger fest. „Es gibt viele Eltern, die ihre Kinder nicht zu uns schicken, weil sie Angst vor einer Ansteckung haben“, hat Tobias Chylka in Gesprächen herausgefunden. Doch auch die fehlende Anonymität – laut Coronaschutzverordnung müssen sich alle Besucher in eine Liste eintragen – halte einige Kinder und Jugendliche von einem Besuch der Einrichtungen ab: „Wer noch nicht volljährig ist, muss sich von den Eltern unterschreiben lassen, dass er zu uns kommen darf.“ Hinzu kommt, dass der Jugendraum auf der Königsburg mit Blick auf die verschärften Hygienebedingungen nicht wieder geöffnet werden kann. An zwei Tagen wöchentlich – dienstags und donnerstags – war dieser sonst ein Treffpunkt für den Nachwuchs. „Aufgrund der vorgeschriebenen Reinigungsintervalle ist es uns bis auf Weiteres leider nicht möglich auf der Königsburg zu öffnen“, bedauert Chylka. 

Mobiles Angebot auf der Königsburg

Damit die Zielgruppe in diesem Bereich dennoch erreicht werden kann, hat der Jugendpfleger sich mit seinen Mitarbeitern zu einem mobilen Angebot in diesem Stadtteil entschieden. „Ich werde mich zunächst dort mal umhören, was von den Kindern und Jugendlichen gewünscht wird“, sagt Tobias Chylka. Ein Fußballturnier auf dem Bolzplatz – oder auch etwas ganz anderes. „Wir sind für alles offen. Wichtig ist, dass wir die Kinder- und Jugendarbeit aufrecht erhalten und uns insbesondere in dieser Zeit täglich den neuen Herausforderungen stellen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare