An der Basis ist man noch vorsichtig

Corona-Lockerungen: Altenheime tasten sich zurück

Gemeinsam feiern können Senioren jetzt wieder in den Wohn- und Pflegeeinrichtungen. Das hat zumindest Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in Aussicht gestellt und in einer neuen Coronaschutzverordnung verankert. In den meisten Seniorenheimen in Werdohl und Neuenrade sind die Verantwortlichen aber noch vorsichtig.
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Gemeinsam feiern können Senioren jetzt wieder in den Wohn- und Pflegeeinrichtungen. Das hat zumindest Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in Aussicht gestellt und in einer neuen Coronaschutzverordnung verankert. In den meisten Seniorenheimen in Werdohl und Neuenrade sind die Verantwortlichen aber noch vorsichtig.

Dass das Leben von den Bewohnern nach harten Pandemie-Monaten „wieder schöner“ werden soll, wie es Minister Karl-Josef Laumann formuliert hatte, versteht Ralf Lohscheller sehr gut.

Lohscheller ist Geschäftsbereichsleiter für die Perthes-Altenhilfe Süd und damit Vorgesetzter für die Perthes-Seniorenheime im Märkischen Kreis, zu denen auch das Evangelische Altenhilfezentrum Wicherhaus in Werdohl und das Evangelische Seniorenzentrum in Neuenrade zählen. Dennoch dürfe man jetzt nicht so tun, als wäre es nach den Impfungen in den Senioreneinrichtungen wie vorher und die Gefahr gebannt, warnt Lohscheller.

Bei gemeinsamen Aktivitäten wie dem Singen wäre er persönlich „eher zurückhaltend“, auch mit Impfschutz. „Wir bringen die Bewohner in kleinen Gruppen zusammen“, sagt Ralf Lohscheller, bei dem in Bezug auf die Lockerungen in Seniorenheimen trotz der gewissen Sicherheit durch die Impfungen eine leichte Skepsis herauszuhören ist: „Wir müssen vorsichtig bleiben.“ Die großen Speisesäle in den Einrichtungen der Perthes-Seniorenheime jedenfalls hätten noch nicht alle wieder geöffnet; wo es geht, werde in kleinen Gruppen zusammen gespeist.

Schon „Herdenimmunität in den Altenheimen“?

Denn ob es wirklich schon eine „Herdenimmunität in Altenheimen“ gibt, wie es Minister Laumann verlauten ließ, darf mit Blick auf das jüngste Zahlenwerk zumindest angezweifelt werden. Nach Angaben des Märkischen Kreises waren am Wochenanfang in Pflegeeinrichtungen im MK noch 30 Bewohner mit dem Coronavirus infiziert, 40 Beschäftigte befanden sich in häuslicher Quarantäne. Der Schutz der besonders vulnerablen Gruppen macht zwar große Fortschritte (zum Vergleich: Am 23. Dezember 2020 waren im MK noch 269 Bewohner in Pflegeeinrichtungen mit dem Coronavirus infiziert).

Obwohl die Impfungen in den stationären Altenpflegeeinrichtungen im Märkischen Kreis abgeschlossen und die Infektionen in den Seniorenheimen deutlich gesunken sind, besteht offensichtlich dennoch weiterhin das Risiko einer Erkrankung, wie die Zahlen im Kreis zeigen.

Nicht alle Bewohner und Mitarbeitende sind geimpft

Ralf Lohscheller weist darauf hin, dass in den Senioreneinrichtungen aus verschiedenen Gründen ja „nicht alle Bewohner und Mitarbeitende gegen das Coronavirus geimpft“ worden seien. Im Wichernhaus zum Beispiel wurden Senioren, die zuvor schon an Covid-19 erkrankt waren, zunächst von der Impfung zurückgestellt. Wie lange sie gegen eine neuerliche Ansteckung mit dem Virus immun sind, ist nicht bekannt. Außerdem würden in den Einrichtungen zum Teil auch neue Bewohner einziehen, die noch nicht geimpft worden sind oder noch nicht den vollen Impfschutz genießen.

Ralf Lohscheller begrüßt daher ausdrücklich die getroffene Regelung, dass bei sechs neuen Bewohnern in einer Einrichtung ein mobiles Impfteam ausrückt und das Vakzin verimpft, zudem könnten mobile Bewohner natürlich weiterhin einen Termin im Impfzentrum erhalten.

Weiterhin Hygiene- und Schutzmaßnahmen

Generell aber bleibt für Ralf Lohscheller, der auf die „hohe Ansteckbarkeit durch die Mutationen“ hinweist, daher Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Die Einhaltung von Hygiene- und Schutzmaßnahmen bleiben wichtig und nötig. „Wir werden es in unseren Einrichtungen weiterhin professionell angehen“, sagt der Geschäftsbereichsleiter für die Perthes-Altenhilfe Süd aus voller Überzeugung. „Unsere Mitarbeiter, ob geimpft oder nicht, tragen weiterhin Masken“, betont Lohscheller, zudem werde weiter penibel auf die Einhaltung der erforderlichen Maßnahmen geachtet, um den Eintrag von Coronaviren zu erschweren und alle Bewohner und Personal bestmöglich zu schützen.

Vorsicht lässt man auch noch im privat geführten Seniorenzentrum Haus Versetal walten. Auch dort sind nicht alle Bewohner geimpft, weil der Corona-Ausbruch mitten in die Impfkampagne fiel. Vier Bewohner warten nach Angaben von Pflegedienstleiter André Sikora noch auf ihre Impfung. Sikora und auch Einrichtungsleiterin Susanne Thöne wollen nach den Erfahrungen mit dem Virus nun nichts überstürzen. Es werde nun ein „umsetzungsfähiges und tragbares Konzept“ erarbeitet, nach dem den Bewohnern wieder etwas mehr Freiheiten ermöglicht werden könnten, sagte Sikora. Angebote für größere Gruppen, in denen gemeinsam gesungen, gebastelt oder einfach erzählt werden kann, wird es deshalb am Pungelscheider Weg kurzfristig noch nicht geben. Auch zu Ostern sind keine Veranstaltung vorgesehen. „Eine größere Osterfeier hat bei uns aber noch nie gegeben“, sagt Sikora. Allerdings erwartet das Haus Versetal einen größeren Besucherandrang an den Osterfeiertagen. „Wir werden dann die Testkapazitäten erhöhen müssen, aber dem sind wir gewachsen“, ist der Pflegedienstleiter sicher, das ebenfalls bewältigen zu können.

Seniorenzentrum plant Osterfest

Lockerungen gibt es dagegen ab sofort im Märkischen Seniorenzentrum an der Stadtklinik. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden jetzt nur noch alle drei Tage getestet, bei Bewohnern testen wir nur noch bei einem Verdacht oder wenn sie Symptome zeigen“, erklärte Leiterin Sonia Tabiadon, wie die Einrichtung auf die neue Verordnung reagiert. Zudem könnten die Bewohner jetzt wieder bis zu fünf Besucher aus zwei Haushalten empfangen. Auch Veranstaltungen mit größeren Gruppen sollen bald schon wieder möglich gemacht werden. „Unser Sozialer Dienst plant beispielsweise ein Osterfest in unserem Veranstaltungsraum und eventuell auch noch im Innenhof“, nannte Tabiadon ein Beispiel. Bei den Senioren komme der Kurswechsel gut an: „Die freuen sich, atmen regelrecht auf“, beschrieb Tabiadon die Stimmung im Haus.

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