Die Frage ist: Wer haftet?

Corona-Impfung beim Tierarzt? Das sagen Veterinäre aus dem MK

Die heimischen Tierärztin Dr. Susanne Trilling (links) will sich lieber ihren tierischen Patienten widmen und eher nicht bei den Corona-Schutzimpfungen einspringen.
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Die heimischen Tierärztin Dr. Susanne Trilling (links) will sich lieber ihren tierischen Patienten widmen und eher nicht bei den Corona-Schutzimpfungen einspringen.

In den USA impfen sie bereits, in Deutschland wird zum Teil darüber diskutiert: Sollten Tierärzte beim Impfen unterstützen und in ihren Praxen das Vakzin gegen Corona spritzen? Was sagen die Veterinäre zu dieser Idee? Ein Stimmungsbild aus dem Lennetal.

Lennetal – Tierarzt Dr. Martin Zöllner aus Plettenberg hat von der Idee schon gehört und ist ihr gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen. Allerdings gebe es dafür auch noch viel Klärungsbedarf und es müssten Schulungen durchgeführt werden.

Zöllner meint außerdem: „Dass die Tierärzte oder auch Feuerwehrkräfte mitimpfen, ist vor allem in Ländern der Fall, in denen es zu wenig Impfpersonal gibt.“

Er sieht die größte Baustelle der Impfkampagne derzeit aber nicht beim Personal „Wir haben eher das Problem, dass zu wenig Impfstoff da ist. Die Hausärzte warten darauf, aber bekommen keinen.“

Solange die Ressourcen bei Humanmedizinern nicht ausgeschöpft sind, sieht Zöllner daher keinen Grund, warum Tierärzte mitimpfen sollten. Diskussionen seien erst angebracht, „wenn wir den Impfstoff raushauen können, dass es nur so knallt“, unterstreicht der Veterinär.

Der Meinung ist auch Andrea Schick aus Altena: „Dass wir mitimpfen, macht nur Sinn, wenn Not am Mann ist. Wenn so viel Impfstoff da wäre, dass wir Probleme hätten, ihn in die Leute zu bekommen.“ In dem Fall müssten vorab aber diverse Rahmenbedingungen geklärt werden. Am meisten beschäftigt die befragten Tierärzte die Frage nach der Haftung. Wer haftet, falls es bei der Impfung zu Komplikationen kommt.

„Was mache ich denn, wenn dann eine Person einen anaphylaktischen Schock bekommt?“, fragt Andrea Schick, wie sie auf eine allergische Reaktion eines Impflings reagieren solle. „Diese Leute sind in humanmedizinischer Begleitung besser aufgehoben“, gibt sie selbst die Antwort und empfiehlt aus diesem Grund vor allem das Impfzentrum.

Dort würde sie grundsätzlich auch mitimpfen, falls Personal benötigt werden sollte, betont die Veterinärmedizinerin. Die Rahmenbedingungen für sie seien dort anders als in ihrer Tierarztpraxis, das Risiko kleiner. Im Notfall könnte schnell Fachpersonal hinzukommen.

Ganz genau so sieht es Tierärztin Dr. Alexandra Gaberle aus Balve, die zum Thema kürzlich auch ein Radiointerview gegeben hat und grundsätzlich mitimpfen würde. „Es wäre aber schon wichtig, dass ein Humanmediziner anwesend ist. Impfen ist zwar unser Tagesgeschäft, aber wir sind an Tieren ausgebildet.

Bei denen weiß ich auch, woran ich eine Impfreaktion schnell erkenne und was ich dann tun muss“, schildert Gaberle. Mit menschlichen Patienten habe sie dagegen keine Erfahrungen, auf die sie im Notfall zurückgreifen kann. Allerdings ist die ganze Diskussion für Gaberle – und auch für die anderen Tierärzte – ohnehin nur hypothetisch.

Die nächste Frage, die sich stellt, ist nämlich wie Coronaimpfungen zeitlich überhaupt im Praxisalltag untergebracht werden können. „Ich bin selbstständig und arg eingespannt“, sagt Alexandra Gaberle. „Wir wissen im Moment schon so nicht, wo uns der Kopf steht.“ Sie berichtet von einer Coronafolge, über die im Alltag wohl die wenigsten Menschen nachdenken: „Wer nicht gerade in Kurzarbeit ist oder um seinen Job bangt, hat mehr finanzielle Möglichkeiten, weil viele Urlaubsreisen ausfallen.“

Folge: Haustiere werden angeschafft, um den Corona-Alltag etwas zu versüßen. „Man sieht das an den leer gefegten Tierheimen“, sagt Alexandra Gaberle. Die neuen Haustiere brauchen zum Teil tierärztliche Unterstützung. Deshalb sind die Terminkalender voll.

So ist es auch bei Tierärztin Dr. Susanne Trilling aus Werdohl, die in Bezug auf Impfungen dieselben Bedenken hat wie ihre Kollegen. „Ich stelle mir das insgesamt nicht so günstig vor“, sagt sie. Es seien sowohl vom Impfstoff, als auch terminlich zu wenig Kapazitäten vorhanden. „Es nützt der Gesamtsituation nicht viel, wenn ich in meinem Praxisalltag 20 Impfungen pro Woche unterbringe“, meint Trilling.

Wichtiger und sinnvoller wäre ihrer Meinung nach, dass die Hausärzte mit ausreichend Impfstoff versorgt werden. Dort oder im Impfzentrum dürfte das Vorhaben logistisch einfacher zu bewältigen sein. Das medizinische Personal, das dort arbeitet, ist außerdem in der Regel selbst geimpft. Anders als die meisten Tierärzte, bei denen noch nicht klar ist, ob sie in der zweiten Prioritätsgruppe das Vakzin erhalten, gibt Dr. Andrea Schick zu bedenken.

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