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Corona-Impfung in der Apotheke: Offene Ablehnung

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Von: Volker Griese

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Bei der Grippeschutzimpfung haben viele Apotheker noch mitgemacht, bei der Impfung gegen Corona ist die Bereitschaft nun nicht mehr so groß.
Bei der Grippeschutzimpfung haben viele Apotheker noch mitgemacht, bei der Impfung gegen Corona ist die Bereitschaft nun nicht mehr so groß. © David Inderlied

Die Gesundheitsminister der Länder wollen, dass bald auch in Apotheken gegen das Coronavirus geimpft wird und haben den Bund aufgefordert, dafür die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Möglicherweise machen sie die Rechnung aber ohne die Apotheker. Bei denen ist die Bereitschaft zum Impfen nämlich kaum vorhanden. Das hat eine Umfrage vor Ort ergeben.

Es zähle jede verfügbare zusätzliche Impfstelle, hatte der Vorsitzende des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe, Thomas Rochell, noch am Dienstag erklärt und damit die Bereitschaft der Apoptheker signalisiert, mit Impfungen einen Beitrag zur Bewältigung der Pandemie zu leisten. Noch nicht geschulte Apotheker sollten zeitnah fortgebildet werden, um ebenfalls praktisch impfen zu können, bürokratische Hürden gelte es abzubauen.

Apotheker in Werdohl nicht begeistert

Die Apotheker in Werdohl und Balve sind aber allesamt nicht so begeistert von der Idee, Impfstoffe gegen Covid-19 zu spritzen. Für Oliver Schwarz von der Werdohler Bahnhof-Apotheke steht fest: „Wir werden uns keinesfalls am Impfen beteiligen.“ Um überhaupt in der Apotheke immunisieren zu können, müsste komplett umgebaut werden, schildert Schwarz die Probleme. „Man benötigt einen separaten Raum zum Impfen sowie genügend Platz, damit sich Geimpfte zur Beobachtung hinsetzen können.“ Hinzu komme, dass er zusätzliche Versicherungen abschließen müsse, um Risiken abzudecken. Schwarz stellt fest: „Es kann immer einen Impfschaden geben, auch wenn das selten vorkommt.“ In einem solchen Fall könne er zwar Erste Hilfe leisten, aber einen Notarzt müsse er auf jeden Fall rufen. „Das ist mir zu heiß“, gibt Schwarz zu.

Genauso sieht das Horst Jakobi von der Stadt-Apotheke in Werdohl. „Bei der Grippeimpfung mache ich nicht mit, und bei der Corona-Impfung auch nicht“, sagt er klipp und klar. * Als Apotheker könne er das Risiko beispielsweise von allergischen Reaktionen nicht abschätzen. Auch könne er nicht unbedingt erkennen, ob ein Impfwilliger wegen eines Infektes nicht zur Impfung zugelassen werden dürfte. „Deshalb gehört diese Impfung in die Hand eines Arztes. Mir ist das Risiko zu groß“, lehnt Jakobi eine Beteiligung an der Corona-Impfkampagne rundweg ab.

Noch keine genauen Vorgaben

Olaf Lüdtke hat sich mit der Frage, ob er in seiner Fortuna-Apotheke am Brüninghaus-Platz auch gegen Covid-19 impfen könnte, noch nicht eingehend beschäftigt. „Es kommt auf die Vorgaben an, zum Beispiel hinsichtlich der räumlichen Voraussetzungen“, sagt er nur.

Auch bei den Apothekern in Balve ist die Ablehnung nicht ganz so ausgeprägt wie bei den meisten Werdohler Kollegen. Allerdings sehen sie auch keine unbedingte Notwendigkeit, sich an der Impfkampagne zu beteiligen. Christian Bathe von der Apotheke am Drostenplatz zögert noch mit einer Entscheidung. „Wir haben in Balve ein sehr gut funktionierendes System für die Verabreichung der Booster-Impfungen“, verweist er auf das ärztliche Impfzentrum in der Hauptschule und die privatwirtschaftliche Impfstelle in der ehemaligen Grundschule Langenholthausen. Er halte es deswegen aus derzeitiger Sicht nicht für erforderlich, dass auch die Apotheker noch impfen. In größeren Städten wie Iserlohn oder Dortmund, glaubt Bathe, könne die Apotheker-Impfung aber sinnvoll sein, um die Impfquote zu erhöhen.

Bereits „gute Versorgung in Balve“

Deutlicher wird Thilo Jansen von der Adler-Apotheke: „Wir haben eine gute Versorgung in Balve“, sagt auch er. Allerdings sieht Jansen derzeit überhaupt keine Möglichkeit, in seiner Apotheke auch noch zu impfen. „Wir haben jetzt schon kein Personal mehr. Nach anderthalb Jahren Pandemie sind die Mitarbeiter am Ende. Man kann sie auch nicht bis zur totalen Erschöpfung verheizen“, beschreibt er die Stimmung in der Branche. Bevor nun die Apotheker gegen Corona impfen, „sollten erstmal alle Fachärzte ran“, meint Jansen, dem im Übrigen die Kommunikation zwischen Politik, Ärzten und Apothekern zu kurz kommt. „Wenn man mehr miteinander reden würde, könnte wirklich Großes dabei herauskommen“, glaubt er.

Die Diplom-Pharmazeutin und Apothekerin Alexandra Simons, die in Neuenrade die Gertruden-Apotheke betreibt, war am Mittwoch für eine Stellungnahme ebenso wenig zu erreichen wie Kenan Karakas, der Inhaber der Neuen Apotheke in Werdohl.

* In einer früheren Version des Artikels hatten wir Horst Jakobi von der Stadt-Apotheke mit den Worten zitiert, dass er bei der Grippeimpfung mitmache. Das war nicht richtig. Wir haben die Passage des Artikels entsprechend korrigiert.

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