Im Seniorenzentrum

Corona-Impfstart in Werdohl

Dr. Hussein Al Shami spritzt dem 78-jährigen Walter Gluth das Vakzin, das den Senior vor Corona schützen soll. Insgesamt fast 70 Bewohner und mehr als 40 Mitarbeiter des Seniorenzentrums Werdohl hat der Mediziner am Dienstag geimpft. „Ich bin begeistert, wie es gelaufen ist“, sagte er kurz vorm Ende der Aktion.
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Dr. Hussein Al Shami spritzt dem 78-jährigen Walter Gluth das Vakzin, das den Senior vor Corona schützen soll. Insgesamt fast 70 Bewohner und mehr als 40 Mitarbeiter des Seniorenzentrums Werdohl hat der Mediziner am Dienstag geimpft. „Ich bin begeistert, wie es gelaufen ist“, sagte er kurz vorm Ende der Aktion.

Die Bewohner und Mitarbeiter des Seniorenzentrums an der Stadtklinik sind am Dienstag als erste Werdohler in einer Senioreneinrichtung gegen Corona geimpft worden.

Dr. Husein Al Shami und sein dreiköpfiges Team spritzten etwa 65 Senioren und 43 Pflegern, Sozialassistentinnen und sonstigen Angestellten das Vakzin, das sie vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen soll.

Der 78-jährige Walter Gluth ist einer der Senioren, die sich gegen das Virus impfen lassen, das seit nunmehr einem Jahr die Welt in Atem hält. Fast ebenso lange hat der Senior die Kontakte zu seinen Familienangehörigen einschränken müssen. Vor allem die vier Enkel fehlten ihm, bekennt er freimütig. Aus Vorsicht, um den Opa nicht anzustecken, haben sie die Kontakte deutlich reduziert. Jetzt hofft Walter Gluth, dass er durch die Impfung immun wird gegen das Coronavirus – und dass er dann seine Enkel wieder häufiger treffen kann.

Mit der Nadel in den Oberarm

Die Impfung lässt der 78-Jährige, der zur Tagespflege ins Seniorenzentrum kommt, gelassen über sich ergehen. „Das war’s schon?“, fragt er überrascht, als Dr. Hussein Al Shami die Nadel der Spritze wieder aus seinem Oberarm zieht. Es kommt noch ein Pflaster auf die Einstichstelle, dann kann Walter Gluth den Ärmel wieder herunterkrempeln. Noch eine halbe Stunde muss er warten, ob sein Körper vielleicht doch ungewöhnlich auf die Impfung reagiert, dann ist alles vorbei.

Die Impfbereitschaft bei den Bewohnern des Seniorenzentrums sei sehr groß, berichtet die Medizinische Fachangestellte Susanne Voß, die wie auch ihre Kolleginnen Sandra Nöbel und Melika Esmer Dr. Al Shami unterstützt. „Manche Bewohner erwarten uns schon mit aufgekrempelten Ärmeln“, berichtet sie. Auch Al Shami spricht von einer großen Offenheit der Senioren gegenüber dem neuartigen mRNA-Impfstoff. „Nur einer hat eine Impfung abgelehnt, eine weitere Person konnte ich aus medizinischen Gründen jetzt nicht impfen“, zieht er kurz vor Mittag eine Bilanz.

Gute Aufklärungsarbeit im Vorfeld

Seit dem frühen Morgen ist er mit seinem Team im Seniorenzentrum unterwegs, um zu impfen. „Das hat besser geklappt als gedacht“, sagt er auf der Zielgeraden. Die Bewohner seien sehr gut über die Impfung aufgeklärt gewesen, wozu Al Shami als Arzt freilich selbst einen Beitrag geleistet hat. Einmal wöchentlich ist der Mediziner ohnehin in der Einrichtung, um seine Patienten zu besuchen. Dabei sei natürlich auch mit dem einen oder anderen schon über die bevorstehende Coronaschutzimpfung gesprochen worden, erzählt er. Das eigentlich obligatorische Arztgespräch vor dem kleinen Pieks war damit praktisch hinfällig geworden.

Pflegeassistent Michel Reuse ließ sich auch gegen Corona impfen. „Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass jemand an Covid-19 erkrankt“, sagt er.

Al Shami zieht währenddessen weitere Spritzen mit dem von der deutschen Pharmafirma Biontech in Kooperation mit dem US-amerikanischen Pharmaunternehmen Pfizer entwickelten Impfstoff auf: Der emulsionsartige Inhalt der kleinen Ampulle muss zunächst mit Kochsalzlösung verdünnt und dann geschwenkt werden. „Aber nicht schütteln“, betont Al Shami. Dann können aus jeder Ampulle sechs Impfdosen à 0,3 Milliliter entnommen werden.

Belegschaft: Etwa 60 Prozent wollen sich impfen lassen

So verfährt der Impfarzt auch bei den Mitarbeitern des Seniorenzentrums, die sich impfen lassen möchten. Unter der Belegschaft ist die Impfbereitschaft nicht ganz so hoch wie bei den Bewohnern. 58,5 Prozent wollten sich impfen lassen, berichtete Einrichtungsleiterin Sonia Tabadion. „Die jüngeren Leute haben Angst, dass die Impfung eine Genveränderung auslösen könnte“, nennt Al Shami ein häufig genanntes Argument der Impfverweigerer. Verstehen könne er das nicht, sagte er kopfschüttelnd.

Nachtschwester Gabriele Kolodziej gehört zu denen, die sich impfen lassen. Die 56-Jährige stammt aus Polen und erinnert sich, wie schlecht dort nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 über die gesundheitlichen Folgen aufgeklärt worden sei. Der radioaktiven Belastung habe man damals mit einer Art Schluckimpfung begegnen wollen. „„Ich war damals schwanger. Aber niemand hat uns etwas erklärt“, blickt Koldziej zurück. Im Gegensatz dazu fühle sie sich jetzt gut informiert. Dennoch habe sie „erst einmal überlegt“, dann aber doch entschieden, sich impfen zu lassen.

Enger Kontakt zu betagten Menschen

Für Sabine Koch, die in der Pflege des Seniorenzentrums arbeitet, ist es vor allem der enge Kontakt zu den betagten Menschen im Beruf, aber auch zu den Schwiegereltern, der sie zu dem Entschluss geführt hat, sich den Corona-Impfstoff spritzen zu lassen. Und sie würde sich wünschen, dass es ihr viele nachmachen. „Je mehr sich impfen lassen, desto besser ist das doch für alle. Desto schneller sind wir durch diese Pandemie“, gibt die 58-Jährige zu bedenken.

Auch für den Pflegeassistenten Michel Reuse (32) ist die tägliche Arbeit mit den Bewohnern des Seniorenzentrums der Grund, sich gegen Corona impfen zu lassen. Darüber hinaus sei er auch noch im Deutschen Roten Kreuz engagiert, erzählt er. „Ich möchte ganz einfach nicht dafür verantwortlich sein, dass jemand an dem Coronavirus erkrankt“, sagt er über seine Beweggründe. Ob allerdings geimpfte Menschen das Virus nicht mehr übertragen können, ist noch nicht bewiesen.

Der erste Schritt auf dem Weg zur Immunität

Die Impfung am Dienstag war für Bewohner und Mitarbeiter des Seniorenzentrums der erste Schritt auf dem Weg zur Immunität gegen das Sars-Co2-Virus. In drei Wochen müssen alle noch einmal geimpft werden, erst dann haben sie den vollen Schutz vor einer Coronainfektion.

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