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Corona: Impfdiskussionen am Arbeitsplatz

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Von: Volker Heyn

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In den Räumen der Woge im Werdohler Bahnhof herrschen nach Darstellung des Geschäftsführers Ingo Wöste eine offenen Unternehmenskultur und Respekt voreinander. Dennoch gibt es Grenzen.
In den Räumen der Woge im Werdohler Bahnhof herrschen nach Darstellung des Geschäftsführers Ingo Wöste eine offenen Unternehmenskultur und Respekt voreinander. Dennoch gibt es Grenzen. © Griese, Volker

Die Diskussionen zwischen Geimpften und Ungeimpften ziehen sich durch alle öffentlichen Lebensbereiche bis tief ins Private.

Wie ein in einer gewissen Öffentlichkeit stehender Arbeitgeber wie die Wohnungsgesellschaft Werdohl mit Impfverweigerung umgeht, lässt sich an der Situation der hauptamtlichen Woge-Mitarbeiterin und ehrenamtlichen Kreisvorsitzenden der Partei „Die Basis“, Silke Kreikebaum, nachzeichnen.

Die 57-jährige Neuenraderin ist seit mehr als einem Jahrzehnt als Quartiersmanagerin bei der Woge beschäftigt und engagiert sich seit vergangenem Sommer als Vorsitzende der Partei „Die Basis. Was für die ehrenamtlichen Mitglieder des Quartiervereins Königsburg einen handfesten Konflikt darstellte, ist für Woge-Geschäftsführer Ingo Wöste als Arbeitgeber eine eindeutig zu regelnde Angelegenheit.

Auch Geimpfte müssen sich testen

Jedem Arbeitnehmer stehe es selbstverständlich frei, sich ehrenamtlich politisch zu engagieren, sich impfen zu lassen oder sich nicht impfen zu lassen. Den Arbeitgeber haben die Dinge, die die Mitarbeiter in ihrer Freizeit tun, nichts anzugehen. Natürlich weiß Wöste um den Impfstatus seiner Beschäftigten, das ist sein Recht als Arbeitgeber. Geimpfte Personen müssen sich zwei Mal pro Woche testen lassen, Ungeimpfte jeden Tag. Wöste: „Als Arbeitgeber diskutiere ich nicht die Vorgaben des RKI, wir setzen sie einfach um.“ Soweit die formalen Regelungen.

„Natürlich nehme ich das gesellschaftspolitische Spannungsfeld wahr“, so Wöste. Auch bei der Woge gebe es Impfbefürworter wie Impfskeptiker. Man spreche viel miteinander. Seit 16 Jahren fahre er mit seiner kompletten Belegschaft einmal im Jahr mit einem Kommunikationstrainer zu einer Weiterbildung. Der Zusammenhalt im Team sei wichtig und Basis einer offenen Unternehmenskultur. Die Stärke der Woge sei die Vielschichtigkeit. Er als Geschäftsführer brauche keine Mitarbeiter, die ihm nur nach dem Mund redeten. Bei der Woge herrsche Respekt vor der Meinung des anderen: „Deshalb ist diese Firma auch so gut.“ Die Etablierung von gegenseitiger sachlicher Kritikfähigkeit sei aber eine nicht ganz leichte Aufgabe gewesen.

„Ein gutes Team“ auch in der Pandemie

„Auch in der Pandemie sind wir ein gutes Team“, behauptet Wöste, obwohl er die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen Impfbefürwortern und Impfgegnern auch in seinem Betrieb als ein „Minenfeld“ ansieht. Deshalb von ihm zunächst Grundsätzliches: Wie alle anderen Woge-Beschäftigten auch sei Silke Kreikebaum eine tolle Mitarbeiterin, die einen guten Job mache. Er wisse von ihrem Engagement bei „Die Basis“ und kenne zum Teil deren Haltung. Wöste: „Ich habe mit ihr darüber gesprochen, ich bin ein proaktiv eingestellter Mensch.“

Er könne als Arbeitgeber keinerlei Recht erkennen, einem Beschäftigten politisches Engagement zu untersagen. „Ich kann ja auch niemandem verbieten, zum Skiurlaub in Gebiete mit Inzidenzen von 1700 zu fahren“, schlägt Wöste eine gedankliche Brücke.

Es gibt ganz klare Grenzen

Dennoch gebe es für ihn Grenzen: „Würde jemand von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in rechtsradikale Tendenzen abrutschen, würde ich mich fragen, ob die Person in unserer Firma noch einen Platz hat.“ Die Woge stehe gegen Diskriminierung, sei antirassistisch, für freie sexuelle Orientierung und für freie Religionsausübung. Wenn jemand aus der Mitarbeiterschaft offen gegen diese Grundsätze arbeite, passe das nicht zur Woge. „Wir würden darüber sachlich, aber mit einer bestimmten Härte sprechen.“ Als Arbeitgeber stünden Wöste „informelle starke Druckmöglichkeiten“ zur Verfügung, um zum Beispiel auf einen offen rechtsradikalen Mitarbeiter einzuwirken. Würde jemand diskriminierende Themen ins Unternehmen ziehen, bekomme derjenige ein Problem.

Kreikebaum ist, wie berichtet, von Vorstandsmitgliedern des mit Leader-Mitteln geförderten Quartierverein Königsburg aus dem Verein gedrängt worden. Die beiden Vorstandsmitglieder Udo Böhme und Michael Koll – einst in einem freundschaftlichen Miteinander mit Kreikebaum – hatten Wöste auf impfablehnende Äußerungen Kreikebaums gemacht. Sie hatten Wöste vor eine Entscheidung gestellt: Entweder Kreikebaum oder sie beide schieden aus dem Verein aus.

Nicht zu einem Rückzug gedrängt

Wöste stellt ganz klar, dass er Silke Kreikebaum nicht zu einem Rückzug gedrängt habe. Kreikebaum hatte, wie sie selbst gegenüber der Redaktion sagte, aus freien Stücken den Vorstandsposten geräumt. Wöste habe aber den Mitgliedern des Quartiervereins klar gemacht, dass sie weiterhin mit Kreikebaum als Woge-Mitarbeiterin und Quartiermanagerin zusammen arbeiten müssten. Die Woge ist formell mit der Mietbetreuerin Birgit König weiterhin im Vorstand des Quartiervereins vertreten.

Die Vereinsaktivitäten ruhen ohnehin vollständig, es gebe weder einen Vorsitzenden noch eine Stellvertretung. Wegen der Corona-Pandemie ist seit gut zwei Jahren keine soziale Nachbarschaftsarbeit auf der Königsburg möglich. Auch die Quartiersmanagerin, so Wöste, arbeite wegen der Pandemie ausschließlich im Büro.

Alle sollen sich noch „in die Augen gucken können“

Als Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft setze Wöste sich mit seinem Team dafür ein, dass sich „alle auch nach Ende der Pandemie noch in die Augen gucken können.“ Und als Privatmann fügt er an: „Ich wünsche mir, dass die Gesellschaft insgesamt wieder zusammenkommt.“

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