Kritik auch an der Testpflicht

Corona-Hickhack verärgert Friseure

Maria Klöcker, Inhaberin des Salons Magic Hair, ärgert sich über das politische Hick-Hack während der Corona-Pandemie.
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Maria Klöcker, Inhaberin des Salons Magic Hair, ärgert sich über das politische Hick-Hack während der Corona-Pandemie.

„Um halb drei in der Nacht kann man ein schönes Glas Rotwein trinken, aber ob diese Uhrzeit besonders geeignet ist, um weitreichende Entscheidungen zu treffen, das kann man durchaus kritisch hinterfragen“, stellte Karsten Groll fest.

Der Inhaber des Haargenau Beauty Centers Groll an der Bahnhofstraße stellt den politisch Verantwortlichen von Bund und Ländern kein gutes Zeugnis aus. Die Verordnung der coronabedingten Osterruhe sei nicht die einzige inkonsistente Entscheidung, die im Verlauf der Pandemie getroffen worden sei, erklärte Groll.

Als ihn am Mittwochvormittag die Nachricht erreichte, dass Kanzlerin Angela Merkel die Osterruhe zurückzieht und einen Fehler einräumt, hatte das Team des Beauty Centers bereits damit begonnen, den Kunden abzusagen, die sich für Gründonnerstag einen Termin gesichert hatten. Weitere Telefonate würden nun aber nicht mehr geführt. „Wir werden jetzt abwarten, ob wir vielleicht doch öffnen dürfen“, sagte Karsten Groll.

Allen Kunden bereits abgesagt

Für Maria Klöcker, die Inhaber des Salons Magic Hair, war die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits gefallen. „Wir haben alle Kunden abbestellt und uns stattdessen entschieden, ausnahmsweise am Montag zu öffnen“, berichtete Klöcker. Eigentlich wolle sie jetzt nicht wieder umschwenken, weil die Politik einen Rückzieher mache. „Wir machen uns doch unglaubwürdig bei den Kunden. Dieses ganze Hickhack ist langsam kaum noch zu ertragen.“

Dem konnte Yvonne Wiesemann-Maul uneingeschränkt zustimmen. Die Inhaberin der Haarwerkstatt in Affeln erfuhr am Mittwochvormittag kurz nach dem Bekanntwerden der politischen Kehrtwende im Gespräch mit der Redaktion von der Entwicklung – und konnte es kaum glauben. Die meisten Kunden, die einen Termin am Gründonnerstag oder Karsamstag gehabt hätten, hätten sich bereits von sich aus gemeldet. „Es ist alles abgesagt“, stellte Yvonne Wiesemann aufgewühlt fest. Vermutlich werde sie nun tatsächlich nicht öffnen – und ihrem Team frei geben. Die Inhaberin der Haarwerkstatt ärgerte sich sehr über die „mangelhafte Kommunikation“ der Politik: „Keiner weiß mehr Bescheid, jeder macht was er will. Das sind doch chaotische Zustände.“

Ab Samstag gilt Testpflicht für Friseurkunden

Kritik übte sie auch an der Testpflicht, die ab Samstag für Friseurkunden gilt. Sie habe bereits mehrmals mit dem Ordnungsamt und der Handwerkskammer telefoniert. „Denn die Termine für die Schnelltests in Neuenrade sind ausgebucht.“ Zwar bestehe beispielsweise am Aquamagis in Plettenberg die Möglichkeit, sich kostenfrei und spontan auf das Coronavirus testen zu lassen. „Doch gerade Senioren aus Affeln haben nicht unbedingt die Möglichkeit, kurzfristig dorthin zu gelangen“, unterstrich Yvonne Wiesemann-Maul. Aufgrund dieser Vorgabe seien ab Samstag bereits zahlreiche Friseurtermine abgesagt worden. „Und ich rechne damit, dass es bis zu 70 Prozent der Termine werden.“

Grundsätzlich habe sie kein Problem damit, wenn Kunden einen Selbsttest mitbringen und diesen vor dem Einlass in den Salon durchführen würden. Ob das aber wirklich möglich sei, hänge von den genauen Vorschriften ab. Die Möglichkeit, Selbsttest für die Kunden vorzuhalten, hat Wiesemann-Maul ebenfalls erwogen. „Aber die müsste ich zunächst selbst einmal alle kaufen. Und das, obwohl wir wochenlang nichts verdienen durften.“ Zudem sei sie gezwungen, die Kosten dann an die Kunden weiterzugeben. „Auch das stößt sicher nicht bei jedem auf Verständnis.“

Selbsttests werden nicht akzeptiert

Für Maria Klöcker dagegen steht schon fest, dass sie Selbsttest nicht zulassen kann. „Denn das müsste ja vor dem Laden passieren. Denn sollte jemand hier in den Räumen positiv getestet werden, würde man mir das Geschäft sicher sofort schließen.“ Zudem habe sie zeitlich nicht die Möglichkeit, die Kunden bei möglichen Selbsttests zu überwachen. „Folglich müssen die Kunden absagen, die vor ihrem Friseurbesuch keinen Termin für einen kostenfreien Test bekommen können.“

Karsten Groll berichtete, seine Kunden seien bereits von seinem Team über die Testmöglichkeiten am ehemaligen Hallenbad informiert worden. Allerdings wird dort nicht jeden Tag getestet – und Friseurkunden benötigen einen tagesaktuellen Test. Einen Selbsttest wolle er eher nicht akzeptieren: „Die Fehlerquote bei diesen Tests ist relativ hoch.“

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