Corona: Kritik an Bund-Länder-Beschlüssen

Warnung: Zwei-Klassen-Gesellschaft

Coronavirus: Testcenter
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Ab Oktober könnte es für Werdohler und Neuenrader deutlich schwieriger werden, eine Testmöglichkeit in der Nähe zu finden.

Für Werdohler und Neuenrader, die sich gegen eine Corona-Schutzimpfung entscheiden, könnte es im Herbst deutlich schwieriger werden, eine Testmöglichkeit zu finden, um beispielsweise einen Friseur-Termin wahrnehmen zu können oder ein Restaurant zu besuchen.

Nachdem die Teilnehmer des Bund-Länder-Gesprächs das Aus für die kostenfreien Corona-Tests ab dem 11. Oktober angekündigt haben, kann Ifam-Geschäftsführer Moritz Marl noch nicht sagen, wie lange das Testzentrum am Riesei noch bestehen bleibt. „Wir möchten das Testzentrum dann aber zumindest noch für eine gewisse Übergangszeit geöffnet halten. Besonders für diejenigen, die sich nicht impfen lassen dürfen.“ Es werde wohl „ganz grob“ bei den bisherigen Öffnungszeiten bleiben.

Eine Überlegung für die Zukunft sei, das Testzentrum am Ifam-Standort in Neuenrade wieder zu reaktivieren. „Wir haben es im Dezember geschlossen, als die öffentlichen Tests Fahrt aufgenommen haben. Möglicherweise könnten wir für Selbstzahler dort wieder Tests nach Terminabsprache durchführen.“

„Offener Impftag“ in Neuenrade

Parallel zum Betrieb der Testzentren am Riesei und am Aquamagis in Plettenberg sorgen die Ifam-Verantwortlichen für weitere Impfangebote: Am Mittwoch konnten sich Kurzentschlossene ohne vorherige Terminvergabe in Neuenrade gegen das Corona-Virus impfen lassen. Dieser „offene Impftag“ sei sehr gut angenommen worden – und soll deshalb bereits am kommenden Mittwoch, 18. August, wiederholt werden. Zwischen 8 und 12 Uhr besteht dann am Gevener Weg 38 die Möglichkeit, sich wahlweise mit dem Vakzin von Biontech oder Johnson & Johnson immunisieren zu lassen. Alternativ dazu bestehe seit Kurzem auch die Möglichkeit über die App CovCheck, in der die Nutzer ihre Ifam-Testergebnisse abrufen können, einen Impftermin in Neuenrade zu buchen.

Sommerpause für Tests in der Neuen Apotheke

Die zweite Teststelle in Werdohl, in der Neuen Apotheke, ist momentan in der Sommerpause. „Vor den Ferien war der Andrang hier groß, aber momentan gibt es so gut wie keine Nachfrage“, sagt Apotheker Kenan Karakas. Noch wisse er nicht, wann der Testbetrieb in der Innenstadt wieder aufgenommen werde. „Wir warten die Entwicklung ab. Momentan ist kaum etwas planbar.“ Das gelte auch für einen möglichen Testbetrieb ab Oktober für Selbstzahler. Grundsätzlich könne er sich aber vorstellen, die Tests weiterhin anzubieten. „Die Kosten pro Test würden sich vermutlich im Bereich zwischen 15 und 20 Euro einpendeln“, schätzt der Apotheker.

Ob in der DRK-Begegnungstätte am Neuenrader Stadtgarten im Herbst noch Corona-Tests angeboten werden, steht momentan in den Sternen. „Wir haben noch keine Informationen zu den Rahmenbedingungen oder zu rechtlichen Grundlagen, wenn die Tests nicht mehr kostenfrei sind“, sagt Dr. Rafaela Wingen, die Vorsitzende des DRK in Neuenrade. Um eine Entscheidung über den weiteren Betrieb des Testzentrums treffen zu können, müsse man diese Informationen abwarten.

Hoffen auf sinkende Inzidenz nach den Ferien

Werdohls Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) ist mit den Beschlüssen der Bund-Länder-Runde nicht glücklich. „Es ist alles wieder sehr unausgegoren“, stellt das Stadtoberhaupt fest. Er gehe davon aus, dass alle Neuerungen in einer weiteren Coronaschutzverordnung geregelt würden. „Wenn diese vorliegt und wir Genaueres wissen, können wir über die Zukunft des Testzentrums am Riesei sprechen.“ Er sei sehr zweigespalten, ob es richtig sei, Tests demnächst nicht mehr kostenfrei anzubieten. „Wir sollten mehr Überzeugungsarbeit leisten, damit die Menschen sich impfen lassen“, unterstreicht Späinghaus. Es könne durchaus auch kontraproduktiv sein, den Druck auf Ungeimpfte zu erhöhen. Mit Blick auf die Inzidenz in Werdohl, die am Mittwoch bei 147,2 lag, hofft Späinghaus, dass sich die Lage nach den Sommerferien wieder beruhigt. „Die Auslandsrückkehrer, darunter sind auch deutsche Urlauber, sorgen für den starken Anstieg der Infektionszahlen. Zum Glück können wir den Kreis der Infizierten genau eingrenzen.“

So verhalte es sich auch in Neuenrade (Inzidenz Mittwoch 134,6), erklärt Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU). Vier Familien seien infiziert aus dem Urlaub zurückgekehrt. Im Gegensatz zu Späinghaus hat Wiesemann wenig Verständnis für Menschen, die sich nicht immunisieren lassen. „Sie werden ihrer Verantwortung der Gesellschaft gegenüber nicht gerecht“, unterstreicht er, und verweist auf das „tolle Impfangebot, das jeder wahrnehmen könne“. Deshalb sei es völlig gerechtfertigt, wenn Ungeimpfte den Corona-Test demnächst selbst bezahlen müssten.

Nachteile für Friseure und Gastronomiebetriebe

Maria Klöcker, Inhaberin des Salons Magic-Hair in der Werdohler Freiheitstraße, ist sich noch nicht sicher, wie sich die Testpflicht für Ungeimpfte auf ihren Betrieb auswirken wird. „Es kann durchaus sein, dass der eine oder andere dann nicht mehr kommt“, schätzt Klöcker. Andererseits seien aber viele Kunden inzwischen geimpft. „Vor allem die Älteren.“ Grundsätzlich bedauere sie aber, dass die neuen Regeln einen „Schritt zurück“ bedeuten würden. „Wir waren froh, dass wir inzwischen wieder ein großes Stück Normalität erleben konnten. Jetzt müssen wir wieder abwarten, was noch kommt.“

Heinz Friedriszik, stellvertretender Kreisvorsitzender des Deutschen Hotels- und Gaststättenverbandes (Dehoga) sieht erneut deutliche Nachteile für die Gastronomie. „Wir können wieder nicht absehen, wie es weitergeht“, sagt der Gastronom, der unter anderem die Gaststätten „Im Kohl“ in Neuenrade und „Haus Drei Könige“ in Balve betreibt. Beide seien noch nicht geöffnet. „Eigentlich wollten wir den ,Kohl’ Anfang September öffnen, aber wenn wir weiterhin weniger Menschen hereinlassen dürfen und andere vielleicht nicht mehr kommen, ist das einfach nicht wirtschaftlich.“

Das Ende der kostenfreien Tests bedeute eine „Impfpflicht durch die Hintertür“, unterstreicht der Gastronom: „Ich kann nur allen Menschen empfehlen, sich impfen zu lassen. Ansonsten haben wir hier in Deutschland bald eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, die sich niemand wünschen kann.“

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