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Corona-Defizite bei Schülern: Pantomime-Workshop als Ausgleich an Grundschule

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Von: Volker Griese

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Die wortlose Kunst des Bühnenspiels übte der Pantomime Peter Paul am Donnerstag mit Viertklässlern der Martin-Luther-Grundschule. Am Freitag sind weitere Klassen der Schule an der Reihe.
Die wortlose Kunst des Bühnenspiels übte der Pantomime Peter Paul am Donnerstag mit Viertklässlern der Martin-Luther-Grundschule. Am Freitag sind weitere Klassen der Schule an der Reihe. © Griese, Volker

Der Pantomime und Theaterpädagoge Peter Paul bringt in diesen letzten Tagen des Schuljahres Abwechslung in den Stundenplan der Martin-Luther-Grundschule. Anstatt mit Rechnen, Schreiben, Lesen verbringen die Kinder Zeit in der Turnhalle, wo ein Theaterworkshop stattfindet. Was sich nach Spaß anhört, hat einen durchaus ernsten Hintergrund.

Werdohl – „Wir haben festgestellt, dass die Coronapandemie die Kinder verändert hat“, sagt Schulleiterin Britta Schwarze. Mit dem Theaterworkshop wolle die Schule bei den Kindern das Sprechen fördern und die Kreativität wecken. Finanziert wird das Projekt aus dem Aktionsprogramm „Aufholen und Ankommen nach Corona“, mit dem das Land Schulen darin unterstützt coronabedingte Defizite auszugleichen.

Der Pantomine Peter Paul ist extra aus Münster nach Ütterlingsen gekommen, um mit den Kindern Theater zu spielen. Zuerst macht der Schauspieler mit den Sechs- bis Zehnjährigen ein paar Übungen mit den Händen, dann übt er mit ihnen pantomimische Gesten und Abläufe. Die Mädchen und Jungen lernen, vor eine unsichtbare Scheibe zu laufen, ein „Zitronengesicht“ zu machen oder an einer nicht vorhandenen Theke ein Glas Cola zu trinken, das es gar nicht gibt.

Schließlich verteilt Peter Paul die Rollen für ein kleines Theaterstück: „Wer möchte Schaufensterpuppe sein, wer Einbrecher, Polizist, Hund oder Dekorateur?“, fragt er. Die Aufgaben sind schnell vergeben, dann geht es auch schon los.

Die Handlung dreht sich um einen Dieb, der in ein Geschäft einbricht und zur Schaufensterpuppe erstarrt, als er vom Hund eines Polizisten entdeckt wird. Die Dekorateurin verfügt über die Gabe, alle Puppen durch Handauflegen lebendig werden zu lassen.

Die Kinder sind mit so viel Eifer bei der Sache, dass Peter Paul immer mal wieder eingreifen muss. Denn die Grundschüler sollen das ganze Geschehen pantomimisch darstellen, also Bewegungen, Gesten und Gesichtsausdrücke so einsetzen, dass die Handlung auch ohne Worte zu verstehen ist.

In einem weiteren Spiel werden die pantomimischen Fähigkeiten der Kinder vertieft. Diesmal geht es darum, vor den Mitschülern eine imaginäre Frucht zu essen. Anhand der Gesten und Gesichtsausdrücke sollen die Zuschauer herausfinden, um welche Frucht es sich handelt. Die Kinder merken, dass es gar nicht so einfach ist, sich ohne Worte verständlich auszudrücken.

Das Ganze hat auch einen pädagogischen Nebeneffekt: Die Grundschüler steigern mittels Körpersprache ihre Kommunikationsfähigkeit. Peter Paul vermittelt auf heitere, spielerische Art, was Kinder benötigen, um pantomimisch agieren zu können. Immer wieder weist er sie darauf hin, dass sie entscheiden müssen, welche Bewegungen, welcher Gesichtsausdruck zu einem zu erklärenden Begriff oder zu einer auszuführenden Handlung am besten passt. Dabei kommt es auch auf Körperbeherrschung an. Neben dem Improvisationstalent und der Kreativität werden durch das Pantomimespiel also vielerlei Fähigkeiten gefördert.

Schulleiterin Britta Schwarze hat das Geschehen in der Turnhalle aufmerksam verfolgt, während sich Peter Paul dort mit der Klasse 4b beschäftigt. Alle 180 Kinder der Martin-Luther-Grundschule absolvieren in zwei Tagen diesen Theaterworkshop. Das kleine Schauspiel mit dem Einbrecher im Geschäft soll in der nächsten Woche auch noch einmal für alle Schüler aufgeführt werden. „Ich bin sehr gespannt, wie das ankommt“, sagt Schwarze, die aber vom Wert des Workshops überzeugt ist. Sie könne sich vorstellen, dass dies ein regelmäßiges Angebot an der Ütterlingser Schule werden könnte. „Die Kinder lernen dabei sich auszudrücken“, verdeutlicht die Schulleiterin, wie die Schülerinnen und Schüler von dieser besonderen Art des Unterrichts profitieren können.

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