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Corona-Booster: In Werdohl wird nicht gebummelt

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Von: Volker Heyn

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Dr. Patrik Roumani-Spree verabreicht im Impfzentrum der Hausarztpraxis an der Freiheitstraße eine Drittimpfung an eine über 80-jährige Patientin.
Dr. Patrik Roumani-Spree verabreicht im Impfzentrum der Hausarztpraxis an der Freiheitstraße eine Drittimpfung an eine über 80-jährige Patientin. © Heyn, Volker

Die Hausarztpraxis von Dr. Atef und Dr. Patrik Roumani-Spree mitten in der Werdohler Innenstadt hat die Corona-Drittimpfungen bereits generalstabsmäßig geplant.

Beim Boostern wird hier nicht gebummelt, sondern durchgeimpft. Vater und Sohn haben Impftermine für ihre Patienten bis in den Januar hinein geplant.

Der Organisationsaufwand ist erheblich, da die Mediziner nur den Status bei den von ihnen selbst zweifach geimpften Patienten wissen. Es gibt viele Varianten: Manche sind mit Johnson&Johnson einmal geimpft, manche haben ihre Erstimpfung im Impfzentrum außerhalb bekommen, wieder andere haben noch nicht einmal eine Erstimpfung.

Systematisches Vorgehen

Die beiden Ärzte und ihr Team gehen jetzt systematisch vor. Die eigenen Patienten, die in die Sprechstunde kommen, werden auf deren Impfstatus angesprochen und auf die Möglichkeit einer Drittimpfung hingewiesen. Wer für diese so genannte Boosterimpfung aus medizinischen Gründen in Frage kommt, wird auf eine interne Liste gesetzt. Bei Impftagen alle zwei Wochen bekommen diese Patienten ihre Auffrischungsimpfung. Auf diese Weise wurden am Mittwoch 63 Männer und Frauen zum dritten Mal geimpft.

Die beiden Ärzte Atef und Patrik Roumani-Spree betreiben mit ihrem Team ein kleines, gut organisiertes Impfzentrum in der ehemaligen Stadtbücherei.
Die beiden Ärzte Atef und Patrik Roumani-Spree betreiben mit ihrem Team ein kleines, gut organisiertes Impfzentrum in der ehemaligen Stadtbücherei. © Heyn, Volker

Die Praxis wird während der „Booster-Tage“ nur im Notbetrieb gefahren. Zwei Großimpftermine im November sind schon verplant, ebenso einer im Dezember. An diesen Tagen wollen Atef und Patrik Roumani-Spree bis zu 100 Personen impfen. Für den ersten Januar-Termin werden schon Listen geführt.

Ausreichend Impfstoff

Es gibt jetzt zwar ausreichend Impfstoff, aber die Mengen müssen zwei Wochen vorher bestellt werden. Noch immer sehen es die Ärzte als ihre Verpflichtung an, aus jeder Ampulle das Optimum – also meist sieben statt sechs Dosen – herauszuholen. Dr. Patrik Roumani-Spree: „Wir haben zwar genug, aber es gibt viele Länder, in denen es zuwenig gibt. Deshalb verschwenden wir hier keine einzige Impfdosis.“

Wer im Moment eine Auffrischungsimpfung bekommen darf, ist durch gesundheitspolitische Rahmenbedingungen vorgegeben: Jeder über 80 Jahre alte Mensch kann einen Booster bekommen. Bei Patienten zwischen 60 und 80 Jahren entscheidet der Arzt. Patienten zum Beispiel mit Immunerkrankungen bekommen auf jeden Fall die dritte Impfung.

Bald neue Empfehlungen für Drittimpfungen?

Wer jünger als 60 Jahre ist, bereits vollen Impfschutz erhalten hat und ein normal funktionierendes Immunsystem hat, braucht aus ärztlicher Sicht im Moment keine Auffrischungsimpfung. Patrik Roumani-Spree gibt eine klare Empfehlung ab: „In zwei oder drei Monaten wird es weiterentwickelte Booster-Impfstoffe von Biontech und Moderna geben. Dann wird es neue Empfehlungen für Drittimpfungen geben. So lange sollten sich alle unter 60-Jährigen noch gedulden.“ Aber: „Wir wissen derzeit nicht, ob die gesamte gesunde Bevölkerung geboostert werden soll.“ Mit den jetzigen Drittimpfungen von Alten und lebensverändernd Erkrankten werde „aktuell nur das Risiko reduziert.“ Biontech und Moderna arbeiteten an Weiterentwicklungen ihrer Präparate, die vor allem gegen die Delta-Variante und andere Mutationen eine höhere Wirksamkeit besitzen.

Im Impfraum haben die beiden Ärzte ihr Zubehör griffbereit ausgelegt. Auf dem Kabelkanal im Hintergrund sind alle leeren Impfampullen aufgereiht.
Im Impfraum haben die beiden Ärzte ihr Zubehör griffbereit ausgelegt. Auf dem Kabelkanal im Hintergrund sind alle leeren Impfampullen aufgereiht. © Heyn, Volker

Der Impfstoff von Astrazeneca spiele keine Rolle mehr, die Einmalimpfung mit Johnson&Johnsaon sei eine Art Auslaufmodell. In Amerika stehe dieser Hersteller im Zulassungsverfahren für ein neues Vakzin, das als Zweifach-Impfstoff konzipiert sei.

Bereits 1800 Impfungen verabreicht

Zusätzlich zu den Drittimpfungen versorgen die Ärzte Patienten mit Erst- und Zweitimpfungen. Seit Beginn der Pandemie hat das Team von der Freiheitstraße neben der eigentlichen Arbeit 1800 Impfungen verabreicht.

„Virale Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Infekte haben im Vergleich zum Vorjahr um 600 Prozent zugenommen“, hat Dr. Patrik Roumani-Spree bei seinen Patienten beobachtet. Vor einem Jahr – bedingt durch Lockdowns und Kontaktbeschränkungen – habe es kaum Infektionskrankheiten gegeben. In diesem Herbst komme jeder dritte Patient mit Symptomen solcher grippalen Infekte.

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