Bürgermeisterkandidat meldet sich zu Wort

Corona-Ausbruch in Werdohler Kita wird zum Politikum

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In der städtischen Kindertagesstätte Momo ist ein Kind an Covid-19 erkrankt. Jetzt kritisiert der SPD-Politiker und Bürgermeisterkandidat Andreas Späinghaus die Informationspolitik der Bürgermeisterin.

Werdohl -  Die Corona-Infektion eines Kindes in der städtischen Kindertagesstätte Momo wird jetzt zum Politikum. Bürgermeisterin Silvia Voßloh (CDU) ist Ziel der Kritik ihres Herausforderers bei der Bürgermeisterwahl im September.

Nachdem Bürgermeisterin Silvia Voßloh (CDU) die Informationen über das Ergebnis der Untersuchung von 15 weiteren Kindern und zwei Mitarbeiterinnen nicht nur auf der Internetseite der Stadt Werdohl, sondern auch auf ihrer privaten Facebook-Seite publiziert hat, hat sich nun auch der SPD-Ratsherr und Bürgermeisterkandidat Andreas Späinghaus zu Wort gemeldet. Er wirft Voßloh eine „katastrophale Informationspolitik“ vor.

Die Presse sei von der Bürgermeisterin nur auf deren Nachfrage darüber informiert worden, dass in der Kita Momo ein Kind positiv auf Covid-19 getestet worden sei, kritisierte Späinghaus. Allerdings hatte nicht Voßloh den Namen der Kita genannt, sondern ihre Jugendamtsleiterin Kirsten von der Crone. Das Jugendamt der Stadt habe am Donnerstagabend durch einen Anruf des Kreisgesundheitsamtes von der Corona-Erkrankung des Kindes erfahren, sagte von der Crone.

Informationen nur für „erlauchten Kreis“

Kritisch sieht Späinghaus auch den Weg, den die Bürgermeisterin für die Information über die Testergebnisse gewählt hat. Darüber hatte Silvia Voßloh am Samstagmorgen schon sehr früh in einem „Elternbrief“ auf ihrer Facebook-Seite informiert.

„Die Facebook-Seite der Frau Voßloh ist eine ausschließlich private Seite, aus der nicht hervorgeht, dass sie Bürgermeisterin unserer Stadt ist. Eine Facebook-Seite der Stadt Werdohl gibt es nicht. Ich stelle mir die Frage, welche rechtlichen Konsequenzen es nach sich zieht, wenn auf einer solchen Seite hochoffizielle, die Bevölkerung betreffende Information getätigt werden“, hinterfragte Späinghaus die Vorgehensweise der Bürgermeisterin. „Wichtige Information werden also über eine private Seite nur einem erlauchten Kreis zugängig gemacht“, kritisierte der SPD-Politiker, dass Voßloh nicht die breite Öffentlichkeit gesucht habe, um über die Entwicklung in der Kita zu informieren.

Ratsmitglieder gar nicht informiert

Die Ratsmitglieder seien noch gar nicht über den Fall informiert worden, merkt Späinghaus weiterhin kritisch an. Jugendamtsleiterin von der Crone verweist in diesem Punkt auf diese Zeitung, die auf ihrer Internetseite bereits am Freitagmittag über das Ausbruchsgeschehen in der Kita Momo berichtet habe.

Späinghaus ergreift auch Partei für die Eltern, die sich nicht gut informiert gefühlt hätten, wie er sagt: „In den Kitas werden oft Eltern über Gegebenheiten durch Aushänge informiert – zum Beispiel, wenn es einen Läusebefall oder Ähnliches gibt. Es wird somit in die Verantwortung der Eltern gegeben, ihr Kind in die Kita zu geben oder mal eben nicht. Das hätten sich Eltern in diesem gravierenden Fall auch gewünscht: klare, eindeutige Information.“

Er habe noch die Hoffnung, „dass zumindest die Eltern der nicht betroffenen Gruppen offensiv und kompetent schriftlich informiert werden“, erklärte Späinghaus weiter. „Viele Eltern möchten mit ihren Kindern jetzt in den Urlaub fahren und sind auf sichere, seriöse Informationen angewiesen“, zeigte er auf, wie wichtig eine gute Informationspolitik aus seiner Sicht ist.

Betroffene Eltern telefonisch unterrichtet

Die Stadt habe auf Empfehlung des Kreisgesundheitsamtes und um keine Zeit zu verlieren, bereits am Donnerstag telefonisch die Eltern informiert, deren Kinder dieselbe Gruppe wie das zu diesem Zeitpunkt noch unter Corona-Verdacht stehende Kind besucht hatten, erklärte Kirsten von der Crone das Vorgehen des Jugendamtes. Den Eltern sei dabei auch mitgeteilt worden, dass ihre Kinder am Freitag auf Corona getestet werden sollen.

Die negativen Ergebnisse aller Tests seien dem Jugendamt dann am Samstagmittag mitgeteilt worden. „Unmittelbar haben Mitarbeiter des Jugenamtes alle Eltern des relevanten Zeitfensters über das negative Ergebnis in Kenntnis gesetzt“, teilte von der Crone mit.

Kreis bestätigt negative Tests am Montag

Am Montag bestätigte der Märkische Kreis dann die Informationen, die Bürgermeisterin Voßloh und das Jugendamt schon am Wochenende verbreitet hatten: Nachdem ein Kind der Werdohler Kita positiv auf Corona getestet wurde, veranlasste das Gesundheitsamt in der vergangenen Woche Abstriche bei den Kindern und Mitarbeitern einer Betreuungsgruppe, die als Kontaktpersonen eingestuft wurden.

„Alle 16 Tests fielen bisher negativ aus. Querkontakte zu anderen Betreuungsgruppen innerhalb der Kita gab es nicht. Die bereits in Quarantäne gesetzten und einmalig negativ getesteten Personen verbleiben weiterhin in Quarantäne und unter Beobachtung durch das Kreisgesundheitsamt. Zum Ende der Quarantänezeit wird eine abschließende Abstrichuntersuchung durch das Kreisgesundheitsamt stattfinden“, heißt es in der Mitteilung des Kreises. Sollte diese abschließende Untersuchung ein positives Testergebnis erzeugen, hätte dies nur Konsequenzen für die betroffene Person und deren häusliche Lebensgemeinschaft im Quarantänezeitraum.

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