Mittlerweile Besuchsverbot

Corona-Ausbruch im Altenhilfezentrum: Besucherin erhebt Vorwürfe

Durch diesen Eingangsbereich betreten Besucher normalerweise das Wichernhaus, wegen des Massenanfalls von infizierten Bewohnern und Mitarbeitenden hat das Gesundheitsamt ein Besuchsverbot ausgesprochen.
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Durch diesen Eingangsbereich betreten Besucher normalerweise das Wichernhaus, wegen des Massenanfalls von infizierten Bewohnern und Mitarbeitenden hat das Gesundheitsamt ein Besuchsverbot ausgesprochen.

Weil eine Besucherin aus Plettenberg angibt, bei ihrem Besuch am Sonntag im Altenhilfezentrum Wichernhaus nicht über zu diesem Zeitpunkt schon bekannte Corona-Verdachtsfälle informiert worden zu sein, erhebt sie Vorwürfe an die Einrichtungsleitung.

Regelmäßig besuche sie jeden Sonntag einen 89-jährigen Bewohner, diese Besuche seien mit der gesetzlichen Betreuung des dementen Mannes abgesprochen. Ende vergangener Woche waren Corona-Verdachtsfälle in der Einrichtung aufgefallen, daraufhin wurden am Dienstag sämtliche Bewohner und alle Mitarbeitenden im Hause getestet. 31 der 67 Bewohner und 16 der rund 80 Mitarbeitenden sind positiv getestet worden. Fünf Bewohner werden derzeit im Klinikum Lüdenscheid behandelt, darunter auch der 89-Jährige, der vor längerer Zeit schon aus Plettenberg ins Werdohler Wichernhaus umgezogen war.

Die Besucherin gibt an, nach Voranmeldung wie üblich am Eingang empfangen worden zu sein. Dort habe sie eine Maske angelegt und sei zur Station des Bewohners gegangen. In dessen Zimmer habe sie den alten Mann ohne Maske und mit Fieber-Erscheinungen gesehen und habe die Schwestern herbeigerufen. In diesem Zusammenhang sei es zu unmittelbaren körperlichen Kontakten zwischen ihr und dem Bewohner gekommen. Jetzt habe sie selbst Angst vor einer Infektion. Sie habe Kontakt zu vielen alten Menschen und habe sich deshalb Zuhause sofort in Quarantäne begeben.

Wurde nicht über Verdachtsfälle informiert?

Sie wirft der Einrichtung vor, dass die Besucher am Wochenende nicht von den Verdachtsfällen informiert worden seien und weiter Gäste ins Haus gelassen wurden. Außerdem sagt sie: „Ich habe gesehen, dass dieser kranke Mann mit hoch Fieber noch zu anderen Bewohnern im Aufenthaltsraum geschoben worden ist.“

Einrichtungsleiterin Kerstin Medenbach erklärte, wie das Wichernhaus seit dem Wochenende mit Besuchern umgegangen sei. Demnach seien alle beim Betreten auf die Verdachtsfälle hingewiesen worden, die Kenntnisnahme der Hygienevorschriften hätten die Gäste unterschreiben müssen. Bis zu den Ereignissen habe das Tragen eines medizinischen Mund-Nase-Schutzes im Wichernhaus genügt, eine Alltagsmaske sei ohnehin nie akzeptiert worden. Nach Bekanntwerden der Verdachtsfälle seien die Besucher mit den stärker schützenden FFP2-Masken versorgt worden. Auch die Bewohner mussten in Gegenwart von Besuchern diese Masken tragen. Demente Personen können sich die Maske nicht selbst aufsetzen, das erledigten die Pflegekräfte.

Alle Angehörigen wurden informiert

Möglicherweise sei die Besucherin schnell in das Zimmer des Bewohners gegangen und habe nicht auf die Pflegerin gewartet. Dass sie dem Mann körperlich nahe gekommen sei, um ihm zu helfen, liege letztlich in ihrer eigenen Verantwortung. Im Nachgang seien alle Angehörigen und gesetzlichen Betreuer der Bewohner informiert worden. Freunde von Bewohnern – wie diese Besucherin – müssten über den jeweiligen Vormund unterrichtet werden.

Am Donnerstag ist das Wichernhaus für jeglichen Besuch durch das Gesundheitsamt geschlossen worden. Medenbach: „Wir selbst dürfen kein Besuchsverbot aussprechen.“ Deshalb seien auch noch am Wochenende Besucher unter strengen Hygienevorschriften ins Haus gelassen worden.

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