31 Bewohner positiv getestet

Corona-Massenausbruch im Altenheim: So kam das Virus ins Wichernhaus

Der Corona-Ausbruch in einem Altenheim in Werdohl sorgt für Aufsehen. Fast die Hälfte der Bewohner war am Donnerstag positiv auf das Coronavirus getestet worden. Inzwischen gibt es erste Erklärungen, wie es zu dem Ausbruch kommen konnte.

Werdohl - Im Wichernhaus in Werdohl hat es einen Massenausbruch von Corona gegeben: Stand Donnerstagnachmittag waren 31 der 67 Bewohner und 16 der rund 80 Mitarbeitenden positiv auf das Coronavirus getestet worden. Fünf der Bewohner sind durch ihre Hausärzte ins Klinikum Lüdenscheid eingewiesen worden, weil bei ihnen Symptome festgestellt worden waren. Einrichtungsleiterin Kerstin Medenbach sagte, dass keine der fünf an Corona erkrankten Personen an Atemnotproblematiken gelitten habe.

StadtWerdohl
LandkreisMärkischer Kreis
Fläche33,35 km²
Einwohner17.657 (Dezember 2019)

Corona-Ausbruch in Altenheim in Werdohl: Die Angehörigen werden benachrichtigt

„Es ist wirklich ernst“, so Medenbach, „aber wir sind gut aufgestellt und in engem Kontakt mit den Behörden. Wir haben alles in die Wege geleitet, was nötig ist.“ Aufgrund von positiven Schnelltests von Bewohnern und Mitarbeitenden im Altenheim veranlasste das Gesundheitsamt des Märkischen Kreises am Dienstagvormittag eine Reihentestung aller Personen im Wichernhaus in Werdohl. Aufgrund des ersten Verdachts waren teilweise die Angehörigen informiert worden.

Am Mittwochabend gegen 17 Uhr waren die Ergebnisse der Reihentestung komplett. Den ganzen Donnerstag über wurden alle Angehörigen konkret über die Infektionslage benachrichtigt. Das Haus hat 75 Pflegeplätze, am Mittwoch waren 67 davon belegt.

Der Märkische Kreis als Gesundheitsbehörde hatte zunächst neun Fälle aus dem Wichernhaus angegeben, die im Krankenhaus behandelt würden. Von Corona betroffen seien demnach tatsächlich nur fünf Personen, keine davon mit schweren Symptomen. Die meisten hätten eine erhöhte Temperatur gehabt und erbrochen, so Medenbach. Weitere Bewohner der Einrichtung würden aus anderen medizinischen Gründen im Krankenhaus behandelt. Auch wegen des Massenausbruchs in Werdohl sieht es nicht so aus, als würden die Corona-Zahlen im MK zeitnah sinken.

Eine Pflegerin im Schutzanzug hält die Hand eines Altenheimbewohners. (Symbolbild)

Corona-Ausbruch in Altenheim in Werdohl: Etwa 80 Frauen und Männer arbeiten in der Einrichtung

Für das Altenheim arbeiten etwa 80 Frauen und Männer, mehr als die Hälfte im pflegerischen Bereich bei der Perthes-Stiftung, weniger als die Hälfte im hauswirtschaftlichen Bereich bei Perthes- Service. Wer aus welchem Arbeitsbereich betroffen ist, konnte Medenbach auf die Schnelle nicht sagen.

Kerstin Medenbach (rechts) und ihre Stellvertreterin Anna Miozga leiten das Altenhilfezentrum Wichernhaus seit knapp zwei Jahren.

Das verbliebene, auf Corona negativ getestete Personal werde vermutlich mit der sogenannten „Arbeitsquarantäne“ belegt, so Medenbach. Diese erlaubt nur noch den Besuch der Arbeitsstelle und den Aufenthalt in der eigenen Wohnung. So lebt Kerstin Medenbach selbst schon seit März: „Arbeit, Wohnzimmer, Garten.“ Die Frau aus Werdohl wohnt mit ihren hochbetagten Eltern unter einem Dach.

Corona-Ausbruch in Altenheim in Werdohl: Seit Monaten gibt es einen Krisenstab

Die Einrichtung betreibe seit Monaten einen internen Krisenstab. Deshalb sei das Altenheim in Werdohl sehr gut auf den soeben eingetretenen Krisenfall vorbereitet gewesen. Medenbach zeigte sich überzeugt, dass sich ihre Mitarbeitenden schon allein aus Selbstschutz und aus Sorge um den Schutz ihrer Familien penibel an die Hygienevorschriften halten würden.

Das Wichernhaus in Werdohl

Das Evangelische Altenhilfezentrum Wichernhaus bietet Wohnmöglichkeiten für bis zu 75 Menschen auf zwei Pflegebereichen in 55 Einzelzimmern und zehn Doppelzimmern. Träger ist die Evangelische Perthes-Stiftung e.V. Die Grundlage des Pflegeleitbildes ist das christliche Menschenbild. Das Haus wird seit Januar 2019 von Kerstin Medenbach aus Werdohl geleitet. Ihre Stellvertreterin ist Anna Miozga. Das Altenheim wird von einem ehrenamtlichen Kuratorium begleitet, das von Pfarrer Martin Buschhaus geleitet wird.

Der Corona-Massenausbruch ließe sich aber dennoch recht einfach erklären: Seit Lockerung des Besuchsverbots im Mai dürften Angehörige die Bewohner im Zimmer besuchen. Medenbach: „Wir haben weder das Recht noch die Möglichkeit zur Kontrolle im Zimmer.“ Natürlich würden die Besucher auf die Vorschriften hingewiesen und dürften das Haus auch nur mit Maske betreten. „Was sich hinter verschlossenen Türen abspielt, kann ich nicht sagen.“

Corona-Ausbruch in Altenheim in Werdohl: Viele Bewohner dürfen das Haus verlassen

Zahlreiche Bewohner im Altenheim haben zudem die Berechtigung, die Einrichtung für bis zu sechs Stunden zu verlassen. Was sie außerhalb des Hauses tun, könne nicht kontrolliert werden. Medenbach: „Die Bewohnerinnen und Bewohner werden bei uns ja nicht eingesperrt.“

Auch andere Infektionswege seien denkbar, so die Einrichtungsleiterin. Zum Beispiel beim Duschen trage die zu pflegende Person keine Corona-Maske, anders sei das kaum möglich. „Man braucht im Prinzip nur einen positiven Bewohner, um sich die Infektion ins Haus zu holen.“

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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