Container schlucken Laub aus dem Kofferraum

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In den kurzen Pausen zieht sich Stolic in die Hütte am Eingang des Geländes zurück. Der Fernseher unterhält den gebürtigen Serben dann.

WERDOHL - Der Fernseher läuft in der Hütte am Eingang zur Grünabfall-Abgabestelle auf dem Riesei. Slobodan Stolic – eine wärmende Jacke über seiner leuchtend-orangenen Warnweste – begrüßt an einem der 19 Container einen Autofahrer.

Gegenüber des Stadions arbeitet Stolic seit Juni. Wenn die Grünabfall-Abgabestelle nicht geöffnet ist, ist er hauptsächlich Anleiter für die Werdohler Ein-Euro-Kräfte. Der Job auf dem Riesei ist für ihn eine willkommene Abwechslung.

Der Autofahrer ist unterdessen ausgestiegen und wuchtet einen Kübel voller Blumen aus dem Kofferraum. Stolic geht ihm helfend zur Hand. Der Wagenlenker bedauert: „Die schönen Blumen...“ Stolic antwortet: „Nächstes Jahr kommen neue.“ Die alten landen im Container und ein kleines Trinkgeld in Stolics Hand.

Die meisten, die auf dem Riesei ihre Gartenabfälle anliefern, sind wie dieser Autofahrer nach zwei, drei Minuten wieder vom Gelände verschwunden. Das verrät Stolic. „Doch manche bleiben auch mal zehn Minuten. Die wollen einfach mal etwas erzählen, etwas quatschen. Das mache ich dann auch gerne“, erklärt der gebürtige Serbe.

Nur selten herrsche reger Andrang auf dem Riesei: „Dann stehen hier gleichzeitig bis zu 20 Autos“, weiß Stolic. „Nur bei Regen kommt niemand mehr hier vorbei.“ Dann sitzt der Serbe vor dem Fernseher, wärmt sich in der Hütte auf und trinkt eine Cola. Der 49-Jährige kam 1980 nach Deutschland. In Werdohl lebt er seit 1995.

Im Sommer, wenn Rasenmäher auf Hochtouren laufen, wird zumeist Grasschnitt auf dem Riesei angeliefert. Seit Anfang Oktober ist vermehrt Laub in den Kofferräumen der Autos verstaut.

Täuschungsmanöver zumeist vereitelt

„Die Müllsäcke, in die die Leute das packen, müssen sie ja wieder mitnehmen“, betont Stolic. „Aber manche stopfen sie unter den Container, wenn ich gerade nicht hinschaue.“ Doch Stolic kennt seine Pappenheimer und achtet darauf. Zumeist kann er solche Täuschungsmanöver vereiteln.

Wurzelwerke von Bäumen werden an der Grünabfall-Abgabestelle nicht angenommen. Stolic erlebte nur ein einziges Mal, dass jemand solch ein Ungetüm im Auto hatte. „Das war so groß“, sagt er und formt mit beiden Armen einen Kreis. „Der Bürger wusste aber nicht, dass wir so etwas nicht annehmen. Er war ganz schön wütend – nicht auf mich, sondern weil er alles wieder mitnehmen musste. Er fragte: ‘Wo soll ich denn damit hin?’.“

Von Michael Koll

Die Anlieferung am Riesei ist kostenfrei. Die Öffnungszeiten lauten wie folgt: montags und mittwochs von 16 bis 19 Uhr sowie samstags von 12 bis 18 Uhr.

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