Exotisches Duo mit Kontrabass spielt Ode an die Lenne

+
Nach seinem ersten Jagdausflug auf andere Frauen zieht Conny Oberhauser die Pistole – und stimmt Hazy Osterwalds „Kriminal-Tango“ an. Jürgen Goldschmidt begleitet seine Ehefrau unbeeindruckt auf dem Kontrabass weiter.

Werdohl - Ein sympathisches Ehepaar, ein Kontrabass, eine Gitarre und Musik der 60er- bis 90er-Jahre: Das waren am Sonntagabend die Zutaten zu einem unterhaltsamen Konzert mit den „Strings2Voices“ im Kleinen Kulturforum.

„Wir sind ein bisschen exotisch“, bekannte Jürgen Goldschmidt, „ – das einzige Duo mit Bass“, also einem imposanten Kontrabass. Der Mann hatte ein Leben vor den Auftritten mit Conny Oberhauser: Von Sommer 1980 bis Frühjahr 1984 spielte er mit der deutschen Rockband Birth Control. Da kannte er seine zukünftige Duo-Partnerin noch nicht. „Wir sind seit 28 Jahren zusammen“, verriet Conny Oberhauser, und Jürgen Goldschmidt lieferte unverzüglich die absolut stimmige Begründung: „Ich habe mich zu gut benommen.“

Die Musik-Schätzchen, die die beiden mitgebracht hatten, gaben weiterhin Anlass, über verschiedene Varianten gelingenden oder auch scheiternden Beziehungslebens zu plaudern. Ihr Programm „Liebe, Triebe, Seitenhiebe“ erzählte eine Liebesgeschichte in „den Pophits vergangener Jahrzehnte, die immer jung geblieben sind“. Also: Shirley Basseys „Big Spender“ lieferte die Melodie für ein deutsch sprechendes Großmaul mit großen Zielen: „Ich steh nur für dich an der Bar!“ Mit dem Wunsch, sie möge doch noch bleiben, bearbeitete Heinz Erhard seine Partnerin Trude Herr, die sich tapfer und vergnüglich, aber letztlich aussichtslos wehrte.

Weiter ging es mit verschiedenen Aspekten des Beziehungslebens: Esther und Abi Ofarim steuerten ihr „Cinderella, Rockefeller“ bei, das Musical „Annie get your Gun“ berichtete von erstem Streit. Und so zog sie nach seinem ersten Jagdausflug auf andere Frauen die Pistole und sang Hazy Osterwalds „Kriminal-Tango“, während er unbeeindruckt auf seinem Kontrabass begleitete.

„Yesterday“ auf Sächsisch

Das imposante Instrument lieferte auch Nancy Sinatra schon das Intro zu „These boots are made for walking“ - verglichen mit der gezückten Pistole war das schon ein Stück Entspannung. Doch das trog: Es folgte der Rausschmiss mit „Hit the Road Jack“ und die Erkenntnis, dass die Maloche im Pütt nicht länger aufzuschieben war: „16 Tons“.

Danach kam ein Kleinod, das nicht wirklich nett war gegenüber jenen Menschen, die in der DDR nicht das Glück hatten, einigermaßen Englisch zu lernen: „Yesterday“ auf Sächsisch. „So habt ihr den Popsong noch nie gehört“, vermutete Jürgen Goldschmidt, und dann wurde es wunderbar schauderhaft.

„Das einzige Lied, das es mit Kontrabass und ein bisschen Schlagzeug in die Charts geschafft hat“, Peggy Lees „Fever“, hätte den Liebesreigen beschlossen, wenn nicht noch die „Comedian Harmonists“ aufgetaucht wären: „Ich wollt, ich wär ein Huhn“. Im zweiten Teil des Programms ging – nun gitarrenbegleitet – der wilde Ritt durch die Popgeschichte weiter, und es gab viel zum Mitsingen, was die Stimmung förderte: von Abba bis zu den Beatles, von Katja Ebstein bis Albert Hammond.

Am Ende erklangen Don McLeans wunderbarer und von Madonna verhunzter Klassiker „American Pie“ und die große Ode an die Lenne: „Moon River“.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare