Reinhard Metzger prüft Orgel in der Christuskirche

Die Königin der Instrumente ist neu gestimmt

Orgelbauer Reinhard Metzger stimmt die Orgel in der Christuskirche. Einmal jährlich reist der Mitarbeiter der Leonberger Firma Mühleisen an, um das Instrument zu prüfen und zu stimmen.
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Orgelbauer Reinhard Metzger stimmt die Orgel in der Christuskirche. Einmal jährlich reist der Mitarbeiter der Leonberger Firma Mühleisen an, um das Instrument zu prüfen und zu stimmen.

Die Orgel in der Christuskirche ist für Reinhard Metzger so etwas wie eine gute Bekannte. Schon seit Jahren kommt der Orgelbauer einmal jährlich nach Werdohl, um die Königin der Instrumente in der Stadtmitte zu prüfen und zu stimmen.

Sechs Stunden Zeit plant er jeweils ein – das passt aber nur, wenn keine unvorhergesehene Reparatur zu erledigen ist. Doch bisher habe es in der Christuskirche noch keine unangenehme Überraschung gegeben. Dementsprechend stellt der Orgelbauer dem Instrument ein gutes Zeugnis aus: „Die Orgel ist in einem guten Zustand.“ Auch die Absprache mit dem jeweiligen Organisten vor der Prüfung sei für seine Arbeit wichtig – und funktioniere in Werdohl sehr gut, lobt der Fachmann Marion Jeßegus.

Viel Arbeit hat Metzger dennoch vor sich: Die Ende der 1960er-Jahre erbaute Orgel verfügt über insgesamt 1486 Pfeifen. Beim Stimmen muss der Orgelbauer jeden Ton überprüfen. „Dazu gehört viel Übung und Erfahrung“, stellt er fest. So hat er zum Beispiel festgestellt, dass es vorteilhaft ist, die Orgel in der Christuskirche in den Morgenstunden zu stimmen: „Bevor die Sonne durch die Kirchenfenster scheint, muss das Stimmen beendet sein. Denn dann verändern sich die Töne.“

Experte zieht alle Register

Bevor er sich aber mit dem Klang des Instruments auseinandersetzt, testet der Mitarbeiter der Firma Mühleisen, einer Werkstätte für Orgelbau in Leonberg, ob das Instrument technisch in Ordnung ist. Er zieht wortwörtlich alle Register, nimmt den Motor unter die Lupe und versorgt ihn mit einem hochwertigen Öl, das auch in Automotoren für einen leichten Lauf und ein reibungsarmes Zusammenspiel der beweglichen Teile sorgt.

Ein Testspiel nach dem Stimmen: Reinhard Metzger ist auch Organist. Das kommt ihm bei seiner Arbeit zugute.

Um die Königin der Instrumente wenig später überhaupt stimmen zu können, ist neben dem Wissen auch Schwindelfreiheit erforderlich: Hinter der Orgel führen zwei steile Leitern auf Holzpodeste in unterschiedlichen Höhen. Von dort aus verrichtet der Fachmann seine Arbeit. „In der Christuskirche ist es vorbildlich gelöst. In anderen Kirchen muss man zum Teil auf Leitern steigen und kommt nicht so gut an die Pfeifen heran.“

Gutes Gehör und spezielles Werkzeug

Neben seinem guten Gehör benötigt der Orgelbauer spezielles Werkzeug. So greift er zum Stimmhorn, um die offenen Labialpfeifen aus Metall zu richten. Bei diesen Lippenpfeifen wird der Ton durch einen Luftstrom erzeugt, der gegen eine Kante, das Labium, geblasen und so gebrochen wird. Durch fein dosierte Schläge auf das offene Ende kann Metzger die Tonhöhe verändern. In den Lingualpfeifen, auch Zungenpfeifen genannt, werden Metallzungen durch den Luftstrom in Schwingung versetzt. Um die jeweilige Tonhöhe zu verändern, nutzt der Fachmann das Stimmeisen: Er schlägt sanft auf die Stimmkrücke, um den schwingenden Teil der Zunge zu verlängern oder zu verkürzen.

„Genial royal!“: Orgelblog mit Preisrätsel

„Genial royal!“ heißt es ab Sonntag, 13. Juni, auf der Homepage der katholischen Kirchengemeinde Werdohl (www.st-michael-werdohl-neuenrade.de) und der Homepage der Evangelischen Kirchengemeinde in der Rubrik „DiesUndDas“ (www.ekgw.de). Dort dreht sich alles um die Orgel, das „Instrument des Jahres 2021“. Jede Woche sollen kurze Beiträge über das königliche Instrument die Leser in Staunen versetzen. Verbunden ist der Werdohler Orgelblog mit einem Preisrätsel, dessen Auflösung im Konzert aller vier Organistinnen und Organisten Werdohls am 1. Advent erfolgen soll.

Für Reinhard Metzger, der selbst Organist und seit etwa 30 Jahren als Orgelbauer tätig ist, steht fest, dass die Orgel eine besondere Rolle unter den Instrumenten einnimmt, ihr Klang außergewöhnlich vielfältig ist und ihn die Arbeit täglich neu begeistert. „Das Faszinierende ist, dass man an der Orgel Klänge formen und gestalten kann. Und, dass sich im Orgelbau viele Fachrichtungen vereinen. Metall- und Holzverarbeitung, Ingenieurwissen und Kunstdesign.“

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