Kabarett in der Bücherei

Spiel mit Klischees und Vorurteilen

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Christoph Brüske aus Köln gastierte in Werdohl und bewies seine Vielseitigkeit mit Kabarett, Comedy und tollem Gesang.

Werdohl - Am Ende johlten und pfiffen die Zuschauer in der beinahe ausverkauften Stadtbücherei. Sie verlangten vom Kabarettisten Christoph Brüske lautstark eine Zugabe. Mit einigen uralten Stammtisch-Witzen verabschiedete der Rheinländer sein Werdohler Publikum.

Begrüßt hatte er dieses zwei Stunden zuvor mit überraschenden Ortskenntnissen in der „Silvia-Voßloh-Arena“. Er lobte seine Gäste – besonders die weit gereisten: „Ich weiß, einige von Ihnen sind heute Früh mit dem Ochsenkarren in Blintrop losgefahren, um in der großen Stadt die Vorzüge von Strom und fließend Wasser zu genießen.“ Andererseits habe das Navi in seinem Auto ihn bei der Eingabe „Werdohl“ gefragt: „Muss ich da mit hinfahren?“

In der ersten Hälfte des folgenden Programms ging der Kölner auf politische Themen ein. Dabei schreckte er auch vor provozierenden, rechtspopulistischen Parolen nicht zurück, um die Sinnlosigkeit solcher Sprüche plakativ vorzuführen: „Manche Politiker wollen Weihnachten in Winterfest umbenennen“ und „Der Biodeutsche stirbt aus“, polterte er – nur, um im nächsten Atemzug Polen, Ungarn und Tschechien hart für ihre Flüchtlingspolitik zu kritisieren und in die Richtung dieser Länder zu fragen: „Habt Ihr denn noch einen Funken Menschlichkeit?“ Und in Bezug auf Deutschland merkte er an: „Erkläre doch einmal einem Migranten, dass wir eine moderne, zivilisierte Gesellschaft sind, wenn im Fernseher Dschungelcamp und der Bachelor laufen.“

Brüske sang während seiner Vorführung auch immer wieder. Dabei bewies er die Vielseitigkeit seiner tollen Stimme. Im zweiten Teil des Programms wurde Brüske vermehrt komödiantisch-privat: „Ich bin Vater einer alleinerziehenden Tochter.“ Aber auch gesellschaftskritische Anmerkungen würzten seine hastig und atemlos vorgetragenen Texte: „Marketing ist Für-Doof-Verkaufen, Vertrieb ist An-Doofe-Verkaufen.“

Den demografischen Wandel griff der 53-Jährige auf, als er feststellte: „Die Realität ist doch, dass ein 78-Jähriger in Deutschland ein BWL-Studium beginnt, um irgendwann den Betrieb seines Vaters zu übernehmen.“

Im Laufe des Abends spielte Kabarettist Christoph Brüske mit Klischees, Vorurteilen, Werbesprüchen und Spaßbildern aus dem Internet, um seine Gedanken darüber zu entwickeln. Auch wenn nicht alle Gags frisch waren: Die Zuschauer waren begeistert und wussten die Späße des Künstlers zu schätzen.

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