DB plant weiterhin ICE-Halt in Werdohl

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Christian Frahm mit seinem kleinen Notizbuch, in dem er alle Bahn-Kontakte und Daten stets bei sich trägt.

Werdohl - „Es ist weiterhin geplant, die Städte Altena, Finnentrop, Letmathe, Kreuztal, Lennestadt, Plettenberg, Siegen und Werdohl neu an den Fernverkehr anzubinden.“ Diese Mitteilung machte ein Bahnsprecher auf Nachfrage unserer Redaktion vor wenigen Tagen.

Der ICE-Halt auf der Ruhr-Sieg-Strecke sei weiterhin im Stadium der Planung. „Umso besser“, reagierte darauf der Werdohler Christian Frahm. Er hatte noch vor wenigen Wochen eine Information weitergegeben, nach der der ICE-Halt vom Tisch sei.

Christian Frahm ist ein Verrückter, ein Eisenbahn-Freak, ein Rail-Nerd. Das sagt der 64-Jährige von sich selbst. Der groß gewachsene Mann ist auf der Borghelle aufgewachsen, seit Jahren arbeitet und lebt er in Köln und Bonn. Mindestens einmal pro Woche ist er aber noch in Werdohl in seinem Elternhaus. Frahm ist treibende Kraft im Bürgerverein zur Förderung des Schienenverkehrs. Und er hat für Werdohl einen sehr stichhaltigen Vorschlag entwickelt, wie der von der Bahn geplante ICE-Halt am Werdohler Bahnhof eingerichtet werden kann.

Frahm redet einen Eisenbahn-Kauderwelsch, den der Laie sich nur übersetzen lassen kann. In seinem kleinen Notizbüchlein hat er hunderte von Namen, Adressen und Daten in kleiner Blockschrift niedergeschrieben. Er nennt dieses Büchlein „Trickkiste“. Maße und Länge von Zügen und Zugtypen stehen dort notiert ebenso wie Telefonnummern von Verantwortlichen bei der Bahn, in Verkehrsverbünden und in der Politik.

Ausschließlich Lobbyarbeit

„Ich bin kein Amt und keine Behörde, ich mache ausschließlich Lobbyarbeit für den Schienenverkehr“, sagt er, bevor er sich wieder in Details verliert. Ein Studium Volkswirtschaft mit dem Fachbereich Verkehrswesen hat er in den 1980er Jahren nicht zum Abschluss gebracht. „Ich bin durchgeflogen“, erzählt er. Als ein „Bahn-Experte“ würden ihn stets andere titulieren, er selbst sieht sich nicht so. Aber er ist gut informiert, kennt unfassbar viele Leute aus der behördenähnlichen Struktur der Deutschen Bahn.

Seit Jahren arbeitet er als Immobilienverwalter in Bonn, er pendelt viel mit der Bahn. Die digitale Welt ist nicht die seine, er schreibt alles mit Hand, macht überall Skizzen und Notizen. Neben seiner Mitgliedschaft im Bürgerverein ist er auch Mitglied in der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft.

Froh über eine Fehlinformation

Die Bahn ist mehr als sein Hobby. „Ich lese Fachliteratur und spreche mit sehr vielen Menschen. Ich habe sehr gute persönliche Kontakte“, mehr lässt er sich nicht in die Karten gucken. Bei den Werdohler Gesprächen vor einigen Wochen behauptete er zu wissen, dass der ICE-Halt in Werdohl gestorben sei. Im persönlichen Gespräch am Donnerstag erklärte er, dass diese Information doch schon ein Jahr alt sei. Er habe dies von einem Mitarbeiter der regionalen Leitung des Fernverkehrs in Köln gehört.

Dort gab es zu wissen, dass die Planung „zunächst zurückgestellt“ sei. Wenn ein Sprecher der Hauptverwaltung der Bahn in Frankfurt jetzt gegenüber unserer Redaktion das Gegenteil erkläre, sei das „sehr gut für Werdohl“. Frahm: „Ich bin sehr froh, dass die Bahn so geantwortet hat. Ich hatte andere Informationen, aber ich freue mich, dass es jetzt so gut läuft.“

420-Meter-Bahnsteig nur in Werdohl

Frahm hatte schon vor längerer Zeit allen Beteiligten inklusive des Landrats des Märkischen Kreises vorgeschlagen, den Halt nach Werdohl zu legen. Nur in Werdohl könne auf dem derzeit lediglich zum Rangieren genutzten Gleis 1 ein vollständiger ICE-Halt eingerichtet werden. Ausschließlich in Werdohl sei es möglich, einen 420 Meter langen Bahnsteig zu bauen, der den modernsten ICE 4 in kompletter Länge von 362 Metern aufnehmen könne. Der Letmather Bahnhof sei dafür zu klein. Der Zug würde in Dortmund, Werdohl, Siegen und Frankfurt halten.

„Meine Ansprechpartner wissen, dass wir nur Gutes im Sinn haben“, verdeutlicht er seine Position. Niemand fühle sich hintergangen oder ausgenutzt. So sei auch klar, dass die Bahn allein aus den Erlösen am Bahnhof Werdohl keinen ICE-Halt finanzieren könne. Der Halt habe aber eine regionale Bedeutung. Wenn es der Bahn gelänge, die Kundenströme über Sparpreisangebote vom östlichen Ruhrgebiet auf die Ruhr-Sieg-Strecke Richtung Süddeutschland zu leiten, könne auch eine wirtschaftliche Grundauslastung für die zukünftige ICE-Strecke erreicht werden.

Das „Leckerchen“ für Werdohl seien die vorhandenen Weichen. Dadurch sei der Bahnhof „betriebstechnisch konfliktfrei in beide Richtungen“ zu befahren. Man kann nur staunen über die Ideen Frahms: „Tja,“ sagt er ohne die geringste Spur von Arroganz, „ich habe eine gewisse Tiefenschärfe im Bahnbetrieb erreicht.“

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