Ausstellung im Kleinen Kulturforum

Aus dem Krieg in deutsche Stuben

+
Vermutlich aus dem Erzgebirge stammt der Christbaumständer, den Wolfgang Dunkel im Bild präsentiert. Er hat ihn aufwendig restauriert.

Werdohl - Gut besucht war die Christbaumständer-Ausstellung im Kleinen Kulturforum (KKF), welche am Sonntag letztmalig geöffnet war. Rund 50 Interessenten sahen sich die Exponate von Wolfgang Dunkel und Gisela Köster an.

Der alte Weihnachtsbaum-Ständer von Kösters Eltern war der Beginn der Sammlung. Anfang des Jahrtausends erblickten sie und Dunkel dann auf einem Flohmarkt einen weiteren. „Den haben wir gekauft und damit ging es los“, erinnert sich Dunkel.

Gut 30 Exemplare haben sie mittlerweile. „Jetzt ist Schluss“, stellt er resolut fest. Einer der Ständer findet bei den beiden zuhause derzeit Verwendung. 27 ihrer Sammlerstücke wurden im KKF präsentiert. Dazu kamen einige Leihgaben, wie jener Ständer von Annette Wolf, der sich sogar dreht und dabei Musik abspielt.

Auf einen Christbaumständer ist Dunkel besonders stolz. Er zeigt Zwerge, die unter Tage arbeiten. „Wahrscheinlich stammt er aus dem Erzgebirge“, vermutet der Ausstellungsmacher. „Gekauft habe ich ihn jedoch auf einem Flohmarkt in Lüdenscheid vor 20 Jahren – für zwei Euro.“

Zunächst habe er aber gezögert. Der Ständer war mit Rost übersät und sah aus, als sei er nicht mehr zu retten. Dunkel jedoch schaffte es: „Ich habe ihn gesandstrahlt, dann schwarz angestrichen und hinterher noch einmal mit Silberbronze.“ Nun sieht das Exponat vielleicht nicht wie neu, aber doch gut erhalten aus.

Begleitet wurde die Ausstellung von Informationen über die Weihnachtsbaum-Tradition, die Heinz Rohe zusammengestellt hat. Sie stammt aus Deutschland und kam ursprünglich im 16. Jahrhundert auf, allerdings nur in bürgerlichen Schichten, sprich: bei wohlhabenden Menschen. Ärmere griffen lediglich zu ein paar Zweigen. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte sich der Brauch allgemein durch.

Soldaten des deutsch-französischen Krieges 1870/71 hatten Bäume in den Lazaretten gesehen und trugen die Idee in die deutschen Stuben. Erst danach wurden systematisch Wälder zum Abholzen angepflanzt.

1866 sicherte sich das Eisenwerk Rödinghausen – bei Bielefeld – das Patent auf den ersten gusseisernen Baumständer.

Heute sind die meisten Ständer aus Kunststoff. Das ist nicht alles, was anders ist, als noch vor wenigen Jahrzehnten. Wolfgang Dunkel etwa erinnert sich an die Weihnachtsbäume seiner Kindertage: „Damals haben wir unendliche viel Lametta aufgehangen – jeden Staniol-Faden einzeln. Und nach Weihnachten haben wir die alle wieder abgenommen, glatt gestrichen und verpackt fürs nächste Jahr.“ Loriot hatte also recht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare