Modellprojekt

Aus Changzhou nach Dresel: Chinesische Großgewerkschaft besucht Lohmann

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Lohmann-Geschäftsführer Hans Rohdenburg zeigte der Delegation der regionalen chinesischen Gewerkschaft aus der Millionenstadt Changzhou seinen mittelständischen Betrieb in Dresel.

Werdohl - Fünf Funktionäre einer riesigen chinesischen Gewerkschaft aus der Millionen-Stadt Changzhou haben am Freitag den mittelständischen Betrieb Gebrüder Lohmann in Dresel besucht.

Geschäftsführer Hans Rohdenburg berichtete den Chinesen über die Rolle von Gewerkschaften und Arbeitgebern in Deutschland. Torsten Kasubke, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall, hatte seine Beteiligung aus Termingründen abgesagt. Aufgrund eines Missverständnisses fehlte auch ein Vertreter des Märkischen Arbeitgeberverbands. 

Zum Besuch der chinesischen Delegation am Freitag war kein Betriebsratsmitglied eingeladen worden. Auch von anderer Seite hatte Rohdenburg Absagen bekommen. Nachgefragte hochrangige Vertreter der IG Metall aus Frankfurt wollten nicht zu diesem Treffen kommen. 

Der anschließend angefragte Zweite Bevollmächtigte Torsten Kasubke aus Iserlohn zog eine „sehr wichtige“ Betriebsratsschulung am selben Tage vor. Kasubke auf Nachfrage unserer Redaktion: „Wir von der IG Metall im Märkischen Kreis waren aus Termingründen personell nicht in der Lage, diesen Termin wahrzunehmen.“ 

Auch Arbeitgeberseite war nicht vertreten

Auch ein angefragter Vertreter der Arbeitgeberseite war nicht nach Dresel gekommen. Rohdenburg hatte den Arbeitsrechtler Philipp Albert vom Märkischen Arbeitgeberverband eingeladen, aber von ihm eine terminbegründete Absage erhalten. 

Hans Rohdenburg diskutierte mit den chinesischen Gewerkschaftern über die Rolle von Gewerkschaften und Arbeitgebern in Deutschland.

Albert auf Nachfrage unserer Redaktion: „Ich war davon ausgegangen, dass Rohdenburg chinesische Geschäftsfreunde eingeladen hatte.“ Er sei aktuell in Tarifverhandlungen. „Wenn ich gewusst hätte, dass es chinesische Gewerkschafter sind, hätten wir einen Vertreter des Arbeitgeberverbandes entsandt.“ Albert sollte auf Wunsch von Rohdenburg mit den Chinesen über das deutsche Tarifrecht sprechen. Der Rechtsanwalt wundert sich: „Der Betrieb von Herrn Rohdenburg ist nicht in der Tarifbindung. Was sollte ich als Arbeitsrechtler zum Tarifrecht sagen?“ 

Selbst acht Jahre in Asien gelebt

Hans Rohdenburg begrüßte schließlich ganz allein die kleine Delegation aus China. Bevor er die Werdohler Firma übernahm, habe er acht Jahre lang in Asien gelebt, China habe er oft besucht. In dieser Zeit lernte er die chinesischstämmige Französin Yin Loeb kennen. Loeb ist Geschäftsführerin der Agentur „Cote France“ in Haguenau in der Nähe von Strasbourg im Elsass. Die Agentur beschäftigt sich mit der Anbahnung chinesisch-französischer Beziehungen. Loeb hatte für die chinesischen Gewerkschafter die Reise nach Dresel organisiert. 

Yu Dejiang vertritt 1,8 Millionen Arbeiter

Die Delegation unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden Yu Dejiang und den weiteren Funktionären Chen Zhuo, Pan Li, Qiu Shengrong und Shi Yiqun kommt aus der Großstadt Changzhou. Dort leben 4,17 Millionen Menschen, davon sind zwei Millionen Arbeitnehmer. 1,8 Millionen davon seien in der Gewerkschaft von Changzhou als Mitglied eingeschrieben, so Dejiang, das entspreche einem Organisationsgrad von 90 Prozent. Die Mitgliedschaft sei freiwillig, der Beitrag koste 0,5 Prozent vom Arbeitslohn. 

Yu Dejiang von der Changzhou-Gewerkschaft bedankte sich sehr herzlich bei Rohdenburg für die Einladung. Die deutsch-chinesischen Beziehungen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping seien gut, sagte der Gewerkschafts-Vertreter. 

Aufbau von Beziehungen

Bei dem Besuch in Dresel ginge es um den Austausch von Informationen und dem Aufbau von Beziehungen. Die Zustände in China seien in den vergangenen vierzig Jahren sehr viel besser geworden, sagte Yu Dejiang. Der Gewerkschafter nahm damit Bezug auf die Reformen zur Öffnung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes nach dem Tod Mao Tse-tungs im Jahr 1976. 

Damals hätten die Rechte der Arbeiter ganz unten auf der Liste gestanden, so wurde Yu Dejiang übersetzt, heute stärke die chinesische Gewerkschaft die Rechte und Ansprüche der Arbeiter. Auch in China gebe es Streiks, wenn sie denn die gesetzlichen Bestimmungen erfüllten. 

Stadt Chanzhou soll Modellprojekt sein

Die Stadt Chanzhou wolle Modellprojekt für die Beziehungen zu Deutschland sein, sagte Yu Dejiang, In Chanzhou gebe es 159 deutsche Unternehmen. Die stark wachsende Industriestadt hat einen Schwerpunkt im Recycling von Silizium und der Herstellung von Siliziumprodukten wie Solarzellen und Solarmodulen. 

Rohdenburg berichtete der Delegation über das deutsche Tarifsystem und die Einteilung in Lohngruppen zwischen neun und 20 Euro. Die Bildung von Gewerkschaften sei von Vorteil, damit der Arbeitgeber nicht mit jedem einzelnen Arbeitnehmer verhandeln müsse. Wenn Gewerkschaften und Arbeitgeber „vernünftig“ miteinander arbeiteten, ließe sich Streik verhindern. 

Nach dieser kurzen Einlassung wollte Rohdenburg ohne Presseöffentlichkeit mit der Delegation allein sein.

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