Chance oder unbekannte Gefahr

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Die SPD diskutierte über Vor- und Nachteile des „Frackings“.

WERDOHL - „Fracking – energiepolitische Chance oder unbekannte Gefahr für das Trinkwasser“: Über dieses Thema referierte der umweltpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Norbert Meesters, am Freitagabend im Haus Werdohl.

Der Vorsitzende des SPD-Ortsverbands Andreas Späinghaus hatte den Kontakt hergestellt und zu der Veranstaltung eingeladen, zu der lediglich „eine Hand voll Leute“ erschienen war. Hierdurch entwickelte sich allerdings eine intensive Diskussion über die Vor- und Nachteile des „Frackings“, das zur Gewinnung von Kohleflöz- und Schiefergas aus unkonventionellen Lagerstätten angewendet wird.

Seit 2012 gibt es in NRW mehrere Suchfelder; eines davon ist das Gasfeld Ruhr, das bis in den Nordkreis hineinreicht. Die Firma Wintershall hat sich die Rechte für das „Erlaubnisfeld zur Aufsuchung von Erdgas“ gesichert. „Speziell im Nordkreis hat diese Entwicklung bereits Bürgerinitiativen auf den Plan gerufen“, so Andreas Späinghaus. Die Befürchtung: Das Trinkwasser könnte durch die „Frackflüssigkeit“ verunreinigt werden. „Sie wird mit Chemikalien und Stützmittel, wie Sand und Ton, angereichert und unter hohem Druck an bestimmten Stellen einer Bohrung in das gasführende Gestein gepresst“, so Norbert Meesters. Das sogenannte „Flowback“, also die Vermischung der „Frackflüssigkeit“ mit dem Lagerstättenwasser, stelle nach Ansicht einiger Kritiker das größte Problem dar.

Was die nun ausgewiesenen Suchfelder in NRW angeht, machte der Experte klar, „dass diese Claims noch nicht bedeuten, dass gebohrt werden darf. Aufgrund eines Moratoriums wird zurzeit keine einzige Genehmigung erteilt“, so der energiepolitische Sprecher.

Im September vergangenen Jahres hat der Landesumweltminister ein Gutachten zum Thema vorgestellt. Aufgrund der unsicheren Datenlage zu möglichen Umweltrisiken sei die Weiterverfolgung der Technik momentan nicht zu empfehlen. Als Folge des Gutachtens und des Moratoriums soll nun ein Moderationsprozess mit allen Beteiligten Gruppen eingeleitet werden.

„Viele Initiativen wollen, dass wir ein sofortiges Frackingverbot beschließen. Dies ist allerdings rein rechtlich gar nicht möglich und von den Gutachtern auch gar nicht gewollt“, so Norbert Meesters. Der Schutz der Menschen und der Umwelt habe allerdings oberste Priorität. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Wershoven kündigte an, dass die Fraktion möglicherweise eine Resolution in den Rat einbringen wolle, die das „Fracking“ auf dem Stadtgebiet verbiete.

Von Jari Wieschmann

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