CDU: „Der Bürgermeister hätte es wissen müssen“

In der Kritik: Bürgermeister Siegfried Griebsch

WERDOHL ▪ Bürgermeister Siegfried Griebsch sieht im Nachhinein Fehler in der Informationspolitik der Verwaltung zur Gründung der Gemeinschaftsschule und den Auswirkungen auf Werdohl.

„Aus damaliger Sicht war aber nicht absehbar, dass es zum Problem werden würde.“ Nun wisse man es besser, stimmte das Stadtoberhaupt Christoph Plassmann (CDU) zu, der das damalige Vorgehen am Dienstagabend im Schulausschuss in die Schusslinie nahm. Die Vergangenheitsbewältigung entzündete sich durch den Ratsherrn beim Blick auf die Schulentwicklungsplanung, die für die nächsten Jahre lediglich zehn und weniger Hauptschüler pro Jahrgang prognostiziert und damit den Schulbestand infrage stellt.

CDU-Ratsherr Plassmann stellte bei seinem Rückblick fest, dass das Ende vergangenen Jahres an den Tag gelegte Eilverfahren verfehlt gewesen wäre. Für die Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Gemeinschaftsschule von Seiten der Stadt Werdohl hätte mehr Zeit zur Verfügung gestanden, so sein Einwand. „Ich kann ihre Zeitnot nicht verstehen.“ Der damit auch in die Kritik geratene Schulamtsleiter Rainer Gumz verwies darauf, dass im Rat über das Thema gesprochen worden sei. Außerdem wäre kurzfristig eine Stellungnahme erforderlich gewesen.

Einmal in Fahrt verwies der CDU-Politiker auf schriftliche Dokumente von Realschulleiter Bernd Bunge und Gesamtschulleiter Heinz Rohe. Letzterer hätte im November vergangenen Jahres auf negative Auswirkungen durch die Gemeinschaftsschulgründung hingewiesen. „Warum liegt einem Schulausschuss eine solche Information nicht vor?“ Rohe zeigte sich abermals „erstaunt“ darüber, dass dies Papier den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. In der Sache unterstrich er seine Zukunftsprognose. Sein Sachverstand sei aber nicht eingefordert worden – auch nicht von der Politik.

Die Auswirkungen des Vorgehens sind für die CDU enorm, wie Plassmann unterstrich. „Wir wären sonst vielleicht zum Schluss gekommen, die Gemeinschaftsschule abzulehnen.“ Griebsch gestand zwar ein, dass aus heutiger Sicht womöglich anders entschieden worden wäre. Doch: „Die Gemeinschaftsschule ist nicht zu verhindern gewesen.“ Schließlich habe Balve vergebens die Schule abgelehnt.

Ob die Hauptschule ohne eine Gemeinschaftsschule in Neuenrade mehr Schüler hätte, bezweifelte SPD-Fraktionschef Cornelius Böttcher. „Es ist nur ein Grund unter mehreren.“ Im gesamten Kreis und NRW-weit gehe es den Hauptschulen so wie der Erich-Kästner-Schule. In Richtung Plassmann vermute er, dass dieser sich „Federn, die bei der unsäglichen Ablehnung der Kooperation verloren gegangen sind, zurückholen will“. Der Kritisierte nahm daraufhin Griebsch ins Visier. „Der Bürgermeister hätte es wissen müssen, dass es nachteilig für Werdohl ist.“

Die Diskussion über die Auswirkungen der Schulgründung sei dem Ausschuss verwehrt worden, ergänzte Frank Jardzejewski (CDU). Auch WBG-Ratsherr Thorsten Hänel monierte, dass der zuvor jüngste Schulausschuss vor elf Monaten tagte. In der Nachschau seien die Einwände gegen die neue Schulform richtig, gestand Griebsch: „Die Folgen sind gravierend.“ ▪ Marco Fraune

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