Landesblasorchester liefert Gänsehautmomente vor kleinem Zuhörerkreis

Das Landesblasorchester des Volksmusikerbundes NRW war mit 65 Musikern nach Werdohl gekommen. Der große Klangkörper stellte eindrucksvoll seine vielfältigen Möglichkeiten unter Beweis.  Foto: Krumm

WERDOHL -  Es war schade, dass die vielen Akteure und ihr Anhang beim dritten Camerata-Konzert im Festsaal Riesei am Samstag eher unter sich blieben: Die Qualität der Musik und der Musiker hätte wahrlich ein volles Haus verdient gehabt.

Wobei die vorhandenen Plätze begrenzt waren: Jene vorderen Plätze, die schon deshalb nicht sehr beliebt sind, weil sie nur einen eingeschränkten Blick auf die Bühne erlauben, waren abgebaut, um Platz zu schaffen für das Landesblasorchester des Volksmusikerbundes NRW und heimische Ensembles. Letztere bestritten den ersten Teil eines sehr hörenswerten Konzertabends, den die „brassgang mark I“ mit einer Fanfare jenes Mannes eröffnete, der aus Goethes Ballade „Der Zauberlehrling“ ein vortreffliches Stück Musik machte: Paul Dukas.

Der darauf folgende Komponist hatte einst den Markus-Dom in Venedig zur Verfügung, um Chöre im Kirchenraum zu verteilen und die Mehrstimmigkeit zu pflegen: Giovanni Gabrieli. Die Brassgang verteilte sich für eine seiner Canzonen im Festsaal. Angeblich für jede seiner Katzen hatte Chris Hazel seine „Brass Cats“ komponiert, die als ein starker Sprung in die musikalische Moderne Freude machten. Humperdincks „Abendsegen“ beschloss diesen Konzertteil.

Die Bearbeitung durch Michael Baasner, Leiter des Märkischen Handorgel-Ensembles, machte aus Johann Sebastian Bachs Orgel-Passacaglia (BWV 582) eine Komposition für fünf Akkordeon-Spieler – ein Erlebnis nicht nur für Bach-Fans. Luisa Baasner, die als Moderatorin durch das Programm führte, lieferte Informationen zu den Bauprinzipien dieser „vierstimmigen Orgelfuge mit Coda“.

Weil Michael Baasner als maßgeblicher Organisator des Konzertes sehr viel im Kopf gehabt haben musste, waren seine Noten für Claude Debussys „Petite Suite“ und Astor Piazzollas „Libertango“ anschließend verschwunden. Die Pause wurde kurzerhand vorverlegt und der Auftritt der Lennetaler Holzbläser nach dem Wiederauftauchen der geflüchteten Noten in das Programm des Landesblasorchesters eingeschoben: Mit der „Petite Suite“ des Franzosen präsentierten die „Lennetaler“ einen sehr experimentierfreudigen Claude Debussy, der mit den Klangfarben der sechs beteiligten Blasinstrumente spielte. Bitter gefehlt hätte auch Astor Piazzollas „Libertango“ – einer der Klassiker des Argentiniers.

Mit 65 Musikern war das Landesblasorchester nach Werdohl gekommen, und ein Klangkörper solcher Größe hat natürlich reiche Möglichkeiten. Luisa Baasner nannte Ludwig van Beethovens Schwerhörigkeit als Anlass für den Tonsetzer Stephen Mellilo, sein „I shall hear in heaven“ zu komponieren.

Gustav Holst kennt man als Komponist der Suite „Die Planeten“ – das Landesblasorchester spielte mit viel Schwung ein unbekannteres Werk: die viersätzige „Second Suite“. Eine Trompete „sang“ anschließend Zuccalmaglios „Kein schöner Land“, während das Orchester begleitete – das brachte Bewegung ins Publikum. Nach vier temperamentvollen Tänzen, unter denen vor allem das rhythmisch mitreißende „Kogoleia“ des Norwegers Jan Magnus Forde auffiel, ließ das Orchester Erinnerungen an einen der stärksten Auftritte von Barack Obama aufkommen: Es war erstaunlich, was das Orchester aus dem wunderschönen „Amazing Grace“ machte.

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